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Toxische Weiblichkeit – gibt es sowas?
Aus Junge Popkultur, urbanes Leben vom 09.03.2020.
abspielen. Laufzeit 23:10 Minuten.
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Kompass Toxische Weiblichkeit – gibt es sowas?

Spätestens seit der #MeToo-Debatte ist der Begriff der toxischen Männlichkeit im Mainstream angekommen. Doch gibt es auch so etwas wie toxische Weiblichkeit? Und wie äussert sie sich? Eine Feministin und eine Geschlechterforscherin gehen mit uns auf Spurensuche.

Männer dürfen keine Gefühle zeigen. Männer lösen Konflikte mit Gewalt. Männer haben nie Angst. Das sind drei von vielen Beispielen für die sogenannte toxische Männlichkeit. Der Begriff existiert seit den 80er-Jahren und beschreibt eine traditionelle Vorstellung von Maskulinität, die auf Stereotypen basiert und schädlich für sich selbst und das Umfeld ist.

Doch gibt es auch ein weibliches Pendant dazu? Toxische Weiblichkeit sozusagen?

Das sagt die feministische Journalistin

Marie Hettich

Marie Hettich

Journalistin und Feministin

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Marie Hettich, Link öffnet in einem neuen Fenster ist passionierte Journalistin und Feministin. Sie schreibt gerne über gesellschaftskritische und feministische Themen.

Mit ihrem Artikel «Auch Weiblichkeit kann toxisch sein», Link öffnet in einem neuen Fenster hat Marie Hettich als eine der ersten Personen in der Schweiz über das Thema geschrieben. Inspiriert dazu wurde sie, nachdem sie sich intensiv mit der toxischen Männlichkeit auseinandergesetzt hat und wissen wollte, ob Frauen ebenfalls mit etwas derartigem zu kämpfen haben.

Ihre Schlussfolgerung: ja. Schliesslich existiere nicht nur das Gender-Konstrukt der Männlichkeit, sondern auch das der Weiblichkeit. Typische Beispiele sind für sie stets freundlich zu bleiben, immer blendend aussehen zu müssen oder die eigenen Bedürfnisse konstant hinter die der anderen zu stellen.

Ich wünsche mir, dass Frauen sich in Zukunft mehr mit sich selber auseinandersetzen und dabei auch von den Männern in ihrem Umfeld unterstützt werden.
Autor: Marie HettichJournalistin und Feministin

Ein wichtiger Unterschied sei jedoch, dass sich toxische Weiblichkeit in erster Linie gegen innen richtet, während toxische Männlichkeit auch für das Umfeld gefährlich werden kann. Darum hat die Debatte rundum toxische Männlichkeit für sie nach wie vor Priorität. Lohnenswert sei es trotzdem, sich als Frau mit seiner eigenen Person auseinanderzusetzen und sich bewusst zu machen, welche Eigenschaften, die als klassisch weiblich gelten, ungesunde Züge annehmen. So könne nicht nur besser damit umgegangen, sondern auch psychischen Krankheiten vorgebeugt werden.

Das sagt die Geschlechterforscherin

Laura Eigenmann

Laura Eigenmann

Geschlechterforscherin

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Laura Eigenmann, Link öffnet in einem neuen Fenster ist Geschlechterforscherin an der Universität Basel und doktoriert zur Zeit in der Forschungsrichtung Gender Studies.

Laut Laura Eigenmann sollte man den Ausdruck «toxische Weiblichkeit» mit Vorsicht geniessen. Einerseits, weil er häufig von Männern verwendet werde, die ein künstliches Pendant zu toxischer Männlichkeit erschaffen und von der Diskussion um Männlichkeit ablenken wollen. Andererseits, weil er den Beigeschmack habe, als wäre toxische Weiblichkeit ein individuelles Problem. Während Männer von toxischer Männlichkeit profitieren können, weil sie ihre Machtposition damit festigen, sei dies umgekehrt nicht der Fall: Weibliche Eigenschaften wie Emotionalität oder Unterwürfigkeit würden stets weit weggeschoben und abgewertet werden.

Wenn Frauen durch diese Diskussion zum Feminismus finden, freut mich das. Sie sollen den Fehler aber nicht bei sich suchen und lieber überlegen, wie als Gemeinschaft gegen diese Normen vorgegangen werden kann.
Autor: Laura EigenmannGeschlechterforscherin

Ausserdem sei die toxische Weiblichkeit zwar ein neuer Begriff, beschreibe aber etwas Altbekanntes. Das sei laut Laura Eigenmann ziemlich irreführend, denn so werde nicht nur so getan als hätte man noch nie vertieft über das Thema gesprochen, sondern vergässe auch alles, was in den letzten 100 Jahren im Feminismus erreicht wurde.

Und was sagst du?

Hör dir die ganze Folge vom «Kompass» an und sag uns, was du denkst: Existiert toxische Weiblichkeit oder nicht? Und was hältst du vom Begriff?

Erzähl uns deine Meinung via Whatsapp-Sprachnachricht auf 079 909 13 33 oder schreib es unten ins Kommentarfeld.

Kompass

Unser Host Jan Gross

In der Sendung «Kompass» beleuchtet Host und Produzent Jan Gross Themen rund um junge Popkultur und urbanes Leben. Im Zentrum stehen Menschen, ihre Geschichten und Meinungen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Gunda Stirnemann  (Gunda B)
    @srf: Ich verstehe wirklich nicht, warum gewisse Kommentare nicht aufgeschaltet werden. Kann man einzelne nicht konforme Beiträge nicht mit einem Kommentar und Begründung versehen, und Sie dann als Beispiel aufschalten?
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    1. Antwort von SRF Virus (SRF)
      @Gunda Stirnemann Wir bemühen uns, Kommentare möglichst zeitnah aufzuschalten, jedoch hat auch unser Team einmal Feierabend :)
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  • Kommentar von Gunda Stirnemann  (Gunda B)
    Ich sehe Unterwürfigkeit nicht als weibliche Eigenschaft. Männer finden sich in Hirarchien (Militär, Beruf) gut zurecht. Die nach innengerichtete Toxizität wird den Frauen auch einfach eingetrichtert (Früher von Männern heute von Feministinnen, ehrlichgesagt). Wie gesagt Unterwürfigkeit per se als schlecht zu betrachten greift sicherlich zu kurz. Gleiches gilt bei der Emotionalität der Männer.
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  • Kommentar von Dominik Nussbaum  (dnussbaum)
    Also, wir fassen zusammen: Männlichkeit ist dann toxisch, wenn der Mann egoistisch ist. Weiblichkeit ist dann toxisch, wenn die Frau nicht egoistisch ist.
    Ebenfalls interessant: «… Eigenschaften, die als klassisch weiblich gelten, ungesunde Züge annehmen». Im Gegensatz zu modern-feministischen Eigenschaften, die niemals ungesunde Züge annehmen können, ja?
    Kurz gesagt: «Toxisch ist alles, was nicht unserem Weltbild entspricht.» Das muss diese Diversity sein, die immer so umschwärmt wird…
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