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Wo bleiben bloss die guten Neuigkeiten?
Aus Junge Popkultur, urbanes Leben vom 25.05.2020.
abspielen. Laufzeit 29:53 Minuten.
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Kompass Wo bleiben bloss die guten Neuigkeiten?

Unfälle, Skandale und Krisen, egal wo man hinklickt. Wir suchen Antworten auf die Frage, warum in der heutigen Welt vorwiegend Schlechtes berichtet wird und stellen dir jemanden vor, der das auf kreative Art ändern möchte.

Vor einigen Monaten hat Schottland als weltweit erstes Land beschlossen, Frauen in Zukunft kostenlos mit Binden und Tampons zu versorgen. Momentan bepflanzen australische Taucher das Great Barrier Reef mit Korallen, um neuen Lebensraum für Meerestiere zu schaffen. Eine kürzlich entdeckte Raupenart könnte die Rettung für das Problem mit Plastikabfall sein, da sie ihn essen und rückstandslos verdauen kann.

Positive Meldungen wie diese sind massenhaft auf Good-News-Plattformen wie «The Happy Broadcast», Link öffnet in einem neuen Fenster oder «The Happy Newspaper», Link öffnet in einem neuen Fenster zu finden. Auf den Titelseiten der Massenmedien sieht das jedoch anders aus: Hier dominieren Tragödien, Unfälle oder momentan die Corona-Krise. Von Positivität fehlt jede Spur – und falls doch einmal etwas Erfreuliches berichtet wird, dann meistens kurz und weit hinten versteckt. Warum ist das so? Würde uns ein bisschen mehr Positivität nicht guttun?

Angstfreie News aus aller Welt

Mauro Gatti

Mauro Gatti

Gründer und Betreiber von «The Happy Broadcast»

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Mauro Gatti, Link öffnet in einem neuen Fenster (41) hat vor zwei Jahren «The Happy Broadcast», Link öffnet in einem neuen Fenster, eine Newsplattform mit ausschliesslich positiven Nachrichten und dazu passenden Illustrationen, gegründet. Sie wird von ihm allein betrieben und gehört zu den erfolgreichsten dieser Art.

Dass der Medienkonsum einen grossen Einfluss auf die Psyche hat, zeigt das Beispiel von Mauro Gatti, Link öffnet in einem neuen Fenster. Weil schlechte und sensationsgierige Schlagzeilen seinen Alltag dominieren, kriegt der 41-jährige Illustrator aus Los Angeles Angstzustände. Darum beschliesst er, auf einen Schlag gar keine Medien mehr zu konsumieren. Da er schnell merkt, dass das für ihn keine ideale Lösung ist, fasst er sich den Vorsatz, den täglichen Berg an negativen Geschichten mit mindestens der gleichen Menge an positiven Meldungen zu kompensieren. Der Plan geht auf: Im Internet findet er haufenweise inspirierende Geschichten, auch auf grossen Newsplattformen.

Ich lese immer nur von Problemen, viel zu selten aber von positiven Entwicklungen oder Lösungen.
Autor: Mauro GattiBetreiber von «The Happy Broadcast»

Weil ihm diese Balance hilft und er seine Funde teilen möchte, ruft er vor rund zwei Jahren «The Happy Broadcast», Link öffnet in einem neuen Fenster ins Leben. Das Konzept: Inspirierende und «angstfreie» Stories aus der ganzen Welt, begleitet von farbigen und niedlichen Illustrationen. Die Nachfrage ist – besonders in Krisenzeiten – riesig und mittlerweile folgen ihm rund eine halbe Million Leser*innen. Ob er damit die Welt verändert, weiss Mauro Gatti nicht, aber wenn er nur schon einen Menschen unterstützen oder zum Umdenken bewegen könne, sei sein Ziel erreicht.

Good news don't sell – stimmt das?

Prof. Dr. Daniel Süss

Prof. Dr. Daniel Süss

Professor für Medienpsychologie und Kommunikationswissenschaft

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Prof Dr. Daniel Süss, Link öffnet in einem neuen Fenster (57) ist Professor für Medienpsychologie und Kommunikationswissenschaft. Er unterrichtet an der ZHAW und Universität Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte sind der Medienumgang von jungen Leuten und der Einfluss der Medien im Alltag.

Laut Prof Dr. Daniel Süss, Link öffnet in einem neuen Fenster, Professor für Medienpsychologie und Kommunikationswissenschaft, trumpft Negativität im Vergleich zu Positivität beim Medienkonsum gleich auf mehreren Ebenen: Zum einen werden negative Meldungen als Warnung wahrgenommen und relevanter eingestuft, da gegebenenfalls Massnahmen zum Selbstschutz ergriffen werden können. Zusätzlich lösen sie meist heftige Emotionen und Empathie aus, was der Mensch als aufregenden Kontrast zu seinem eher unspektakulären Alltag sieht. Ein letzter Aspekt ist der soziale Vergleich: Beim Lesen von schlimmen Ereignissen zieht man Vergleiche zum eigenen Leben und fühlt sich automatisch besser, wenn es anderen schlechter geht.

Journalismus muss in erster Linie informieren und nicht therapieren. Allerdings trägt man eine gewisse Verantwortung und weiss, was negative Berichterstattung auslösen kann.
Autor: Daniel SüssProfessor für Medienpsychologie und Kommunikationswissenschaft

Doch auch auf Seiten der Journalist*innen wird Schlechtes stärker gewichtet: Bei der Frage, was ein Ereignis zur Nachricht macht, ist Negativität einer der entscheidenden Faktoren und hat einen höheren Wert, als wenn etwas Schönes passiert. Good news don't sell – stimmt das also wirklich? Nicht ganz: Auch positive Nachrichten können polarisieren, müssen aber überraschender verpackt werden, um den gleichen Effekt zu erzielen. Hierbei wird ein Gefühl von Sicherheit vermittelt, was zwar zum Wohlbefinden beiträgt, aber weniger hängen bleibt.

Tipps für einen gesunden Medienumgang

Sollte dich dein momentaner Medienkonsum belasten und du merkst, dass du nicht mehr abschalten und entspannen kannst, gibt es ein paar Tricks zum Umdenken. Besonders hilfreich sind diese vier Grundregeln:

  1. Reserviere dir ein Zeitfenster für deinen Medienkonsum (z.B. 30 Minuten pro Tag) und halte dich konsequent daran.
  2. Stell dir eine eigene Palette aus passenden Newskanälen zusammen und hinterfrage kritisch, welche dir wirklich etwas bringen und welche nicht. Hol dir auch Tipps bei Freund*innen und erkundige dich, was sie konsumieren.
  3. Deaktiviere Push-Benachrichtigungen, falls sie dich unnötig belasten.
  4. Nutze zum Ausgleich zwischen positiven und negativen Nachrichten Kanäle wie «The Happy Broadcast», Link öffnet in einem neuen Fenster und trage aktiv zur Balance bei.

Wie kommst du mit negativen News klar? Hast du eigene Tricks? Erzähl uns von deinen Erfahrungen via Whatsapp-Sprachnachricht auf 079 909 13 33 oder schreib einen Kommentar.

Kompass

Unser Host Jan Gross

In der Sendung «Kompass» beleuchtet Host und Produzent Jan Gross Themen rund um junge Popkultur und urbanes Leben. Im Zentrum stehen Menschen, ihre Geschichten und Meinungen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Dominik Nussbaum  (dnussbaum)
    Du seufzt, wenn du die Zeitung liest,
    dass sie dir deinen Tag vermiest.
    Der eine hat arg Brand gestiftet
    ein andrer seine Frau vergiftet.

    Nun stell’ dir vor, geschrieben stünde,
    die Menschen liebten keine Sünde,
    das Haus sei frisch und gelb gestrichen,
    der Mann nie von der Frau gewichen
    und immer lieb zu ihr gewesen –
    da stöhnst du, das willst du nicht lesen!

    Nun, Leser, frag’ dich in Geduld,
    wer ist an den Meldungen denn schuld?

    — Karl-Heinz Söhler (1923–2005)
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  • Kommentar von Hans Peter Homberger  (FITZGARRALDO)
    Nach einer guten Nacht gesund den Sonnenaufgang zu einem neuen Tag zu erleben. Einen Tag unfallfrei zu erleben.
    Trotz vielen Idioten in Regierungen weltweit, die globale Eskalation nicht zu erleben.
    So einfach, bescheiden und fragil können good news sein.
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  • Kommentar von Johannes Ganzerbaum  (Jenga)
    Alles hat irgendwo auch etwas sinnvolles. Ich versuche verschiedene Sichtweisen auf ein Geschehen zu erfahren und andere Meinungen gelten zu lassen.
    Meine eigene Sicht und mein eigenes Wissen auf ein Geschehen bzw. Sachverhalt.

    Ich wünsche mir, dass insbesondere für die aktuellen Geschehnisse mehr Sichtweisen publiziert werden.

    Hat wer die sogenannte Risikogruppe gefragt ob sie geschützt werden wollen? Eine alte Frau teilte mir mit: "Ich wäre lieber gestorben, als alleine zu versauern."
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