Paul (26): «Ich praktiziere den Coitus Interruptus»

Zwei Drittel der verhütenden Frauen in der Schweiz verhüten- trotz Risiken und Nebenwirkungen - mit der Pille. Paul und seine Freundin gehören zur Minderheit: Sie verhüten mit dem Coitus Interruptus, eine Form, bei welcher der Geschlechtsverkehr vor der Ejakulation abgebrochen wird.

Junges Paar beim Beischlaf im Bett. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Junges Paar beim Beischlaf. Herzschlag / photocase.de

Die Arten, wie Menschen verhüten, sind so verschieden wie die Gemüsesorten im Detailhandel: Dennoch ist und bleibt die Pille - trotz der Risiken (zwischen 1991 und 2013 gab es 14 Todesfälle) - das beliebteste Verhütungsmittel der Schweiz. Rund zwei Drittel aller Frauen, die verhüten, schwören auf diese Präventionsform. So auch die 25-jährige Studentin Maria, die wir im Rahmen einer Umfrage angetroffen haben.

«Die Pille ist halt sicher und bequem»

Maria nimmt seit ihrem 18. Lebensjahr die Pille und hat nebst Kondomen auch noch keine andere Methode getestet. Zufrieden ist sie damit allemal:

«  Die Pille ist unkompliziert. Ich merke an meinem Körper auch keinerlei Nebenwirkungen. »

Maria

Ein klarer Vertreter gegen die hormonelle Verhütung respektive die klassische Antibabypille ist Paul.

«Ich praktiziere den Coitus Interruptus»

Paul, ein 26-jähriger Student aus Zürich, ist seit dreieinhalb Jahren mit seiner Freundin zusammen. Die beiden haben sich im Laufe dieser Beziehung und aufgrund von potenziellen Nebenwirkungen für eine Verhütungsmethode entschieden, die nicht sehr häufig ist (siehe Textbox rechts): den «Coitus Interruptus».

«  Verhütung muss in einer Beziehung immer abgesprochen sein. Wir haben uns für eine nicht-hormonelle Verhütung entschieden.  »

Paul

Im Falle von Paul bedeutet die nicht-hormonelle Verhütung «Coitus Interruptus», dass der Mann noch vor dem Orgasmus sein Glied aus der Frau zieht. Diese Methode ist jedoch aus zwei Gründen nicht sicher: Einerseits kann der Lusttropfen bereits Sperma enthalten, andererseits schützt diese Methode nicht vor übertragbaren Krankheiten. Und das Lustspiel hat natürlich noch weitere Einschränkungen.

«  Es fühlt sich teilweise an, als müsste ich mich zurückhalten. Manchmal entscheiden wir aber auch, dass ich in ihr kommen darf. Das ist dann wie ein Feuerwerk oder ein Dessert nach langer Zurückhaltung.  »

Paul

Paul nimmt durch diese Praktik eine Schwangerschaft seiner Freundin in Kauf. Genau das fände er reizvoll.

«Coitus Interruptus» vs Pille

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Facts & Figures zu Verhütung

Facts & Figures zu Verhütung
  • 90% der Frauen zwischen 20 - 24 Jahren verhüten
  • 65% verhüten mit der Pille
  • 22.5% verhüten durch Kondome
  • 4% der 20 bis 49-jährigen Frauen verhüten mit natürlichen Methoden (periodische Enthaltsamkeit, Rhythmusmethode, Coitus interruptus)

Andrés Uzeda ist Oberarzt bei der Frauenpermanence in Zürich und rät bei den obengenannten Verhütungsmethoden zur Pille. Ginge man nämlich nach dem Pearl Index, habe der Coitus Interruptus einen sehr schlechten Stellenwert:

«Der Pearl Index gibt an, wie sicher eine Verhütungsmethode ist. Liegt er beispielsweise bei 15, so heisst das, dass 15 Frauen von insgesamt 100, die ein Jahr lang eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden, schwanger werden.»

«  Beim Coitus Interruptus kann der Pearl Index bis zu 30 hoch sein. Bei der Pille liegt er maximal bei 0.2.  »

Andrés Uzeba
Oberarzt, Frauenpermanence Zürich Stadelhofen