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Kompass Wenn Tiere helfen, Kranke zu heilen

Normalerweise streichle ich die Tiere. Auf Tanja Mosers Hof streicheln die Tiere mich: Katze «Knurrli» springt auf meine Schultern und schmiegt sich an meinen Kopf. Mauleselin «Laria» und die beiden Schafe «Jasper» und «Einstein» stupsen mich an. Wie geil ist das denn? Ein Besuch bei Therapietieren.

Katze Knurrli, Mauleselin Laria, die beiden Schafe Jasper und Einstein, Säuli Momo und viele mehr leben und arbeiten auf Tanja Mosers Hof in Hägendorf, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die Therapietiere arbeiten mit Menschen mit psychischen Störungen oder körperlichen und/oder geistigen Behinderungen. Die Schafe etwa seien sanftmütige und einfühlsame Tiere. Ihre Wolle sei auch für Tierhaarallergiker geeignet, erklärt Tanja

Physiotherapie mit Geiss Giulietta

Was Tanja auf privater Basis und kostenlos anbietet, wird an der Rehab Basel von professionellen Therapeuten und geschulten Tieren angeboten. Hier, im Garten der Rehab, treffe ich Karin Hediger. Sie erforscht an der Rehab Basel, Link öffnet in einem neuen Fenster die tiergestützte Therapie. Die Tiere können in ganz verschiedenen Bereichen helfen. Zum Beispiel in der Psychotherapie, der Physiotherapie oder der Logopädie, erklärt Karin.

Geiss Giulietta hilft zum Beispiel bei der Physiotherapie: Sie macht Parcours mit Menschen, die wieder Laufen lernen. Haben die Patienten Freude am Tier, vergessen sie den Schmerz, oder zumindest einen Teil davon und die Übung fällt ihnen leichter.

Es macht auch mehr Spass, ein Meerschweinchen zu füttern und so gewisse Handbewegungen zu trainieren, als ohne den flauschigen Helfer. «Es sind Übungen, die schmerzvoll sein können», sagt Karin, «dank der Tiere fallen die Bewegungen viel spontaner und spielerischer aus.»

Die Katze schaut dich nicht mitleidig an, weil du im Rollstuhl sitzt

Für Menschen, die mit Worten nicht kommunizieren können, traumatisiert sind oder sich wegen ihrer Behinderung von anderen Menschen nicht angenommen fühlen, sprechen oft gut auf Tiere an, sagt Karin.

Die Tiere sollen aber kein Ersatz sein für die Beziehung zu Menschen, sondern sollen eine Brücke bilden: Die Erfahrung, die mit dem Tier gemacht wird, muss in den Alltag und in zwischenmenschliche Beziehungen einfliessen.

Wissenschaftlich erwiesen

Forschungsergebnisse zeigen, dass Stresshormone abgebaut werden, wenn mit dem Tier ruhige Aktivitäten gemacht werden. Andererseits können schläfrige Patienten mit den richtigen Übungen aktiviert werden. Ausserdem wird Oxytocin ausgeschüttet, ein Hormon, dass Bindung und Vertrauen reguliert, erklärt Karin. Das gleiche Tier kann den einen also beruhigen und den anderen wieder auf Zack bringen.

Auch ein Therapietier will mal Feierabend

Wie bringt man überhaupt Tiere dazu, mit Menschen zu arbeiten? «Ich habe meine Tiere mit der Flasche aufgezogen, das bindet», sagt Tanja, die ihren Hof in Hägendorf hat. Und wenn ein Tier mal keinen Bock hat, dann hat es keinen Bock und muss gar nichts.

Das sei sehr wichtig, sagt Karin, die Forscherin. Die Tiere an der Rehab Basel haben ihre Arbeits- und Ruhezeiten. Auch hier gilt: Will ein Tierli nicht, dann muss es nicht. Viel funktioniert auch über Futter – aber nicht zu viel. Sonst werden die Tiere dick und krank.

Meersäuli ja, Delfine nein

Grundsätzlich kommen nur domestizierte Tiere in Frage, sagt Karin. Delfine gehören also nicht dazu – und ich stutze, denn ich habe schon so viel von Delfinschwimmen, kranken Kindern und Therapie gehört. Das Problem: Das Tier kann nicht artgerecht gehalten werden.

Esel, Ponys, Katzen, Hühner, Schafe - sie alle kommen zum Einsatz. Ich will von Tanja wissen, warum sie diese Therapie anbietet - und das kostenlos. «Ich habe eine gesunde Tochter und bin unendlich dankbar», sagt Tanja, «ich will etwas zurückgeben.»

Tiergestützte Therapie

Bei dieser Methode werden die Tiere in Therapieformen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Psychotherapie integriert. Schon Hippokrates beschrieb die positiven Effekte der Tiere auf den Menschen. In den letzten Jahrzehnten wurde die Methode wiederentdeckt.

Kompass

Nadine Nikkles und Ranja Kamal

In der Sendung «Kompass» beantworten Ranja Kamal und Nadine Nikles die grossen und kleinen Fragen rund um Job, Ausbildung und sonstige Lebensfragen.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Karl Suter (glaubenstreu)
    Der Mensch brauch Liebe, sonst wird er physisch und psychisch krank. Viele psychisch kranke Menschen leiden unter nicht angenommen sein der engsten Mitmenschen. Eines der wichtigsten Gebote: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" sagt eigentlich alles. Ich meine die tägliche Nächsten-Liebe, in der Wertschätzung u. angenommen u. verstanden. Es ist traurig mit ansehen zu müssen, wie die Tier-Liebe den psychisch Kranken ein wenig das ersetzen was ihnen die Mitmenschen eigentlich geben sollten.
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