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Rehmann Adela (49): «Hochsensibilität ist keine Krankheit!»

«HSP» sind High Sensitive Persons. Auch Adela ist eine HSP, hat das aber erst später in ihrem Leben herausgefunden. Seit dieser Erkenntnis fällt ihr jedoch vieles im Leben leichter. Als Reinkarnationstherapeutin möchte Adela nun mehr Menschen auf das Phänomen Hochsensibilität aufmerksam machen.

Wenn das Nervensystem ständig überreizt ist

Hochsensibel zu sein bedeutet, dass man zu jenem Fünftel der Menschheit gehört, das externe Reize viel intensiver wahrnimmt als der Rest der Bevölkerung, Link öffnet in einem neuen Fenster. Es können jedoch nicht nur Menschen, sondern auch Tiere hochsensibel sein (Adelas Dackel ist ein solcher Kandidat dafür).

Hochsensible Menschen sind oftmals mit Vorurteilen konfrontiert, da das Phänomen noch zu wenig bekannt ist. Von «normal-sensiblen» Menschen werden Hochsensible (kurz: HS) häufig als schwach, faul, langsam und nicht leistungsfähig betitelt. Solche Vorurteile sind Gift für «HS». Denn wie ein Teufelskreis reagieren sie viel stärker auf Kritik und negative äussere Einflüsse. HS sind deshalb sehr anfällig für Depressionen und auf andere psychische Krankheiten.

Die beiden Grundtypen von Hochsensibilität: introvertiert und extrovertiert

Menschen, die hochsensibel sind, können sowohl introvertiert als auch extrovertiert sein.

  • Introvertierte HS: sind mehr für sich und scheuen sich vor der Öffentlichkeit. Frauen und Männer sind gleichermassen davon betroffen.
  • Extrovertierte HS: sind ständig auf Achse, sind aber (oder genau deswegen) permanent überreizt.

Hochsensibilität ist vererbbar und man wird damit geboren. Eine weitere Theorie besagt jedoch, dass man auch durch ein Trauma hochsensibel werden kann. Dafür gibt es jedoch keine eindeutigen Beweise.

Wie sich Adela als Hochsensible fühlt

Wie merkt man, dass man selbst hochsensibel ist? Lärm ist ein guter Indikator. «Wenn zum Beispiel ein Krankenwagen an mir vorbeifährt, dann ist sofort auch mein Gleichgewicht gestört.», erzählt Adela.

Auch schlechte Stimmungen anderer belasten die 49-jährige sehr intensiv: «Bei depressiver Verstimmtheit eines Gegenübers spüre ich das sehr, sehr fest und fühle da tief mit», erzählt die gebürtige Bulgarin weiter.

Als Kind ein Opfer häuslicher Gewalt

Als Adelas Familie von Bulgarien in die Schweiz gekommen ist, wurden sowohl Adela, als auch ihre Mutter regelmässig von ihrem Stiefvater geschlagen und sexuell belästigt. Adela ertrug das über 7 Jahre, bis ihr der Kragen platzte.

Einmal habe ich eine Matheaufgabe nicht verstanden. Mein Stiefvater versuchte sie mir zu erklären. Ich verstand sie aber immer noch nicht. Als ich das sagte, rastete er aus und schlug mich mit seinem Ring. Dann wusste ich: ich muss hier weg.

Adela zog aus. Ihre Mutter blieb bis zu ihrem Tod (Adelas Mutter starb an einer Herzattacke, sie war ebenfalls hochsensibel) mit Adelas gewalttätigem Stiefvater zusammen.

Diese Erlebnisse, kombiniert mit HS, sind Adela so richtig eingefahren. All diese Demütigungen von ihrem Stiefvater erlebte sie auf hoch intensive Weise. Erst später wurde ihr bewusst, dass dieses traumatische Erlebnis ihre Hochsensibilität nur noch verstärkte.

Zuerst New York, dann die Diagnose Schilddrüsenkrebs

«Tanz und Musik waren schon immer eine grosse Leidenschaft.» Mit 17 besuchte Adela in New York Schauspielschulen, Tanzschulen und machte ihre Erfahrungen in der Kreativindustrie. Die Stadt New York liess sie seit ihrem ersten Besuch nie mehr los. Dort konnte sie sich entfalten und ihre kreative Ader, die ebenfalls typisch für Hochsensible ist, völlig ausleben.

Der Krebs war eine Folge meiner nichterkannten Hochsensibilität.

Bevor Adela wusste, dass sie hochsensibel ist, erkrankte sie an Krebs. Ihren Krebs hat Adela mit einer Radiojodtherapie bewältigt. Diese Therapie ging fünf Jahre lang. Heute ist sie gesund, doch Adela ist sich sicher: «Der Krebs war eine Folge meiner nicht erkannten Hochsensibilität.»

Dem Thema Hochsensibilität mehr Aufmerksamkeit verschaffen

Heute wohnt Adela in Bern und arbeitet als Reinkarnationstherapeutin. Reinkarnationstherapie ist eine Praktik aus der Naturheilkunde, bei welcher unter anderem Hypnosebehandlungen vorgenommen werden. Adelas Ziel als Therapeutin ist es, Traumata von anderen Leuten zu bekämpfen.

Leute therapieren kann Adela heute vor allem aufgrund ihrer traumatischen Erlebnisse in der Vergangenheit. Durch diese Erfahrung lernte sie, tief und intensiv mit den Patienten mitzufühlen. Zusammen mit der Hochsensibilität entstand diese Gabe, die sie gerne auch an andere Betroffene weitergeben will.

Adela glaubt daran, dass alle Dinge im Leben so passieren, wie sie passieren sollen. Ihr Leben ist bislang so verlaufen, damit sie heute Menschen helfen kann. Sie weiss: «Zufälle gibt es nicht.»

S.O.S. – Sick of Silence

S.O.S. – Sick of Silence

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.

Jeden Dienstag, 19-20 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.