Michèle (26) spricht über ihre Adoption

Michèle ist nicht bei ihrer Mutter aufgewachsen. Obwohl ihre Adoptiveltern ihr Bestes gaben, fühlte sich Michèle oft fremd und einsam. Diese Gefühle führten zu einem Leben voller Herausforderungen.

Zusatzinhalt überspringen

S.O.S. als Podcast

Hier gibt's die Sendung als Podcast, hier geht's zum iTunes-Link.

Ihr Leben beginnt mit einem Trauma: «Die Person, die man am meisten braucht, wird einem genommen», sagt Michèle. Sie redet von ihrer Mutter. Kurz nach der Geburt wird Michèle adoptiert.

«Im Umfeld meiner Adoptiveltern wurde die Adoption nicht nur positiv aufgenommen.» Michèle wusste schon immer, dass etwas anders ist: «Der Geruch meiner Adoptiveltern war mir fremd.»

«  Der Geruch meiner Adoptiveltern war mir fremd. »

Angst vor der Einsamkeit

«Ich wollte nie ins Bett gehen und konnte nicht einschlafen.» Die Angst, alleine zu sein, war immer präsent: «Ich habe meine Tür abends immer ein wenig aufgemacht, um die Verbindung mit den Eltern aufrecht zu halten.» Aber diese Türe wurde immer wieder geschlossen.

«  Ich fühlte mich immer alleine und gefangen! »

Heute ist die Baslerin an einem Punkt angelangt, wo sie ihre Eltern nicht mehr verurteilt: «Sie konnten nicht anders. Ihnen wurde beigebracht, keine Gefühle oder gar Trauer zu zeigen.»

Zusatzinhalt überspringen

S.O.S. (Sick of Silence)

S.O.S. (Sick of Silence)

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner neuen Sendung mit Betroffenen.

Jeden Mittwoch, 19 - 20 Uhr bei SRF Virus.

Früher überspielte Michèle ihre Angst mit Auffallen. «Ich musste immer zeigen, dass ich auch noch da bin!» Die 26-Jährige wollte dazugehören und geliebt werden.

2013 kam es zum Zusammenbruch. Seit ihrer Jugend kiffte Michèle, der Realitätsflucht wegen. Eines Tages rauchte sie wieder einmal einen Joint. «Plötzlich hatte ich eine Panikattacke, weil ich dachte, dass ich mich vergiftet hätte», sagt Michèle. Ihr Gedanke: Ich werde wahnsinnig. Sie rannte zu ihrem Nachbar.

Dieser rief die Sanität. Instinktiv wusste er, was er machen musste, bis der Rettungsdienst ankommt: «Er umarmte mich ganz fest, das war genau was ich brauchte.»

Nach dem Zusammenbruch beginnt Michèles Kampf um glücklich zu werden. Die junge Frau lässt sich selber in eine psychiatrische Klinik einweisen und macht einen Cannabis-Entzug.

Herr des eigenen Lebens

Seit diesem Schritt kommt Michèle ihrem Ziel von Glück näher. «Ich will wieder ans Steuer meines Lebens, ich will meine Geschichte selber schreiben.»

In der Zwischenzeit hat sie ihre leibliche Mutter getroffen. Die Begegnung war ernüchternd, aber: «Ich habe gelernt, dass ich die Bestätigung, die ich immer suchte, gar nicht brauche.»