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Rehmann Franziska (26): «Nach der Lehre wollte ich mich umbringen»

Franziska ist geprägt von ihrer schweren Kindheit: Die brutalen Erziehungsmethoden der Eltern führen zur Depression. Als 14-Jährige bekämpft sie diese mit Alkohol, Selbstverletzung und schliesslich mit einem Suizidversuch. Bei Robin Rehmann erzählt sie von ihrem Weg.

Franziska wächst in einer Bauernfamilie auf. Mit anpacken gehört dazu, denn auf dem Hof gibt es viel zu tun. Ihre Eltern, die sehr jung Kinder bekommen haben, sind durch ihre zusätzlichen Jobs und den Bauernhof überfordert. Diese Belastung geht so weit, bis ihre Mutter keinen anderen Ausweg mehr sieht als sich umzubringen: Sie hält sich vor der damals fünfjährigen Franziska ein Messer an den Hals. Ihr Vater kann den Suizid verhindern.

Gewalttätige Erziehung

Die Überforderung der Eltern wiederspiegelt sich in strenger Erziehung: Franziska und ihre beiden Geschwister werden mit dem Teppichklopfer bestraft und manchmal werden sie gar in den Keller gesperrt. Als es den Kindern gelingt, auszubüxen, mauern die Eltern das Fenster mit Backsteinen zu.

Wir hatten einen Holzofen. Darauf gab es eine Platte, die sehr heiss wurde. Einmal hat mein Bruder seine Hände nicht sauber gewaschen, und mein Vater war gar nicht gut drauf. Er hat dann die Hände von meinem Bruder auf die Herdplatte gedrückt.

Depression und Suizidversuch

Franziska betrinkt sich im Alter von 14 Jahren. Im Alkoholrausch spielt sie mit dem Gedanken, sich umzubringen. Glücklicherweise reisst der Strick, der ihr das Leben nehmen sollte. Ihrer inneren Leere tritt sie danach mit Ritzen entgegen:

Ich habe mich nicht mehr gespürt. Ich war eine leere Hülle. Aber wenn ich Blut gesehen habe, wusste ich, dass ich noch da bin.

Franziska schmiedet einen Plan: Sie möchte es allen beweisen, indem sie erst eine Lehre absolviert, um sich dann das Leben zu nehmen.

Nach dem zehnten Schuljahr beginnt Franziska eine Lehre zur Käserin. Doch sie leidet an massiven Schlafproblemen. Schliesslich wird sie im Alter von 17 Jahren in eine Psychiatrie eingewiesen. Trotz der Behandlung mit Antidepressiva muss sie die Lehre abbrechen und zieht schliesslich in ein Heim.

Hilfe annehmen als Lebensretter

Heute ist Franziska zufrieden mit ihrem neuen Job. Sie und ihr Bruder sind Eigentümer des Bauernhofes. Trotz der schwierigen Vergangenheit legt sie ähnlich Betroffenen nahe, Probleme anzusprechen. Franziska ist dankbar, dass sie Hilfe angenommen hat: Sie wäre sonst nicht mehr hier.

S.O.S. – Sick of Silence

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S.O.S. – Sick of Silence

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.

Jeden Dienstag, 18-19 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von B Z  (Eine Frau)
    Ich weiss wovon Du sprichst. Meine Mutter ist bis heute Alkoholikerin und hat mind.10 Suizidversuche gemacht. Ich und meine Schwester konnten meist verhindern, manchmal nur noch 144 anrufen und das Blut putzen. Zudem wurde ich von ihr verbal misshandelt im Alkoholrausch. Alle waren überfordert und man sagte mir ich solle besser zur Mama schauen. Leider haben meine Kinder ebenfalls psychische Probleme und mein Sohn (18) hat soeben einen Suizidversuch gemacht wegen Mobbing in der Lehre.
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  • Kommentar von Emanuela Sennhauser  (emma.nela)
    Danke liebe Franziska dass Du Dein Leben mit uns teilst! Ich habe als Kind ähliches erlebt und weiss wieviel Mut es braucht darüber zu sprechen aber auch wie befreiend und heilsam es ist. Und wenn die Vergangenheit Dich wieder einholen sollte, denk dran dass Du jetzt frei bist und der kleinen Franziska die das alles erlebt hat, gut schauen kannst. Alles Liebe Dir und ein Leben mit Menschen die Dir Gutes tun wünsche ich Dir! Herzlich, Emanuela
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  • Kommentar von David Stern  (Adelo)
    Wünsche Dir die Liebe Gottes. Ich weiss von was ich spreche....
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