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Rehmann Sonja (41): Der Missbrauch als Kind war nur der Anfang

Sonjas Lebensgeschichte liest sich wie das Drehbuch eines schlechten Horrorfilms. Als Kind wurde sie vom Onkel sexuell missbraucht, ihr Freund wurde an einer Party erschossen und sie landete durch einen Ärztefehler im Rollstuhl. Aber das ist erst die halbe Geschichte – wir geben ihr eine Stimme.

Was Sonja* in ihrem Leben schon erlebt hat, kann man fast nicht glauben. Es begann in der Kindheit, als sie von ihrem Onkel immer wieder sexuell missbraucht wurde.

Ihre Tante und ihre Eltern merkten nichts, vom Onkel wurde sie erpresst, damit sie niemandem davon erzählt. Später kam aus, dass auch ihre kleinere Schwester missbraucht wurde – der Onkel wurde nie verurteilt.

Als sie einige Jahre später mit ihrem ersten Freund an einer Überraschungsparty war, stürmte ein von Liebeskummer gekränkter Exfreund einer Kollegin in den Club und schoss um sich. Dabei wurde Sonjas Freund tödlich getroffen. In einer späteren Beziehung wurde Sonja von ihrem damaligen Partner aus dem Nichts mehrere Stunden mit dem Messer bedroht und konnte sich nur durch einen Zufall losreissen und flüchten.

Ich habe nie erfahren warum er das getan hat. Er sitzt noch heute in der Psychiatrie.

Es war nicht das letzte Mal, dass Sonja in ihrem Leben unter Todesangst leiden musste. Einige Jahre später, als sie am Abend joggen war, wurde sie von drei Männern hinter ein Gebüsch gezerrt und vergewaltigt. Dabei ist sie fast erstickt und hatte sehr grosse Schmerzen. Daraufhin versuchte sie sich das Leben zu nehmen – rettete sich kurze Zeit später aber selbst, indem sie ihre aufgeschnittenen Pulsadern verarztete.

Heute ist Sonja zudem an den Rollstuhl gebunden. Als sie nach einem epileptischen Anfall im Spital vom Bett fiel, weil sie nicht richtig befestigt war, und die falschen Medikamente bekam, lag sie zuerst während sechs Wochen im Koma und konnte danach ihre Beine nicht mehr spüren. Die neuste Hiobsbotschaft in Sonjas Leben, ist die Diagnose Darmkrebs, die sie vor einigen Monaten bekam.

Wie ist es möglich, dass ein Mensch so viel Leid aushält? Sonja ist eine starke Persönlichkeit und tankt Energie und Lebensfreude bei ihren guten Freunden. Das macht ihr Leben, trotz all den schlimmen Schicksalsschlägen, lebenswert.

Die schönen Momente mit meinen Freunden zeigen mir, dass es sich lohnt zu Leben. Das ist für mich das grösste Geschenk.

* Name von der Redaktion geändert

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Sick Of Silence

In der Sendung Rehmann S.O.S erzählen seit einem Jahr junge, kranke Menschen ihre Lebensgeschichte. Nun geben wir Menschen eine Stimme, die anonym von ihrem Schicksal erzählen möchten.

In einer acht-teiligen Webserie erzählt Schauspieler Silvio Kretschmer solche Geschichten - genau so, wie uns diese erzählt wurden.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Mario G. Berta  (Mario)
    Wenn Sie mit „ER“ die Eltern meinen (für mich ist es ohnehin so, dass „Gott“ ein Codewort für "Eltern" ist), dann bin ich mit Ihnen einig, dass die sehr oft nichts sehen und nichts merken wollen, obwohl Kinder, die sexualisierte Gewalt erleben (hierbei von "Missbrauch" zu reden impliziert, dass es auch ein Brauchen von Kindern gibt und dieses okay ist, was es mitnichten ist!), immer stumme Signale, Hinweise oder Zeichen geben, wenn sie aus Angst und/oder Scham nicht darüber reden können.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    manchmal denke ich ER ist blind und taub...
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    1. Antwort von Elisabeth Frehner-Isenring  (Denia)
      Sie, Herr Nanni, sind blind und taub. Gehen Sie mal in sich und suchen Sie Ihre Fehler, die Sie im Leben gemacht haben. Wie vielen Leuten haben Sie weh getan und tun es heute noch? In Ihrer Selbstgefälligkeit. Diese Frau spürt, wo die echte Liebe ist. Sie klagt nicht an. Den Glauben an das Gute hat sie nicht verloren. Das steht ja klar von ihr gesagt. Ich hoffe für diese Frau, nein, ich ersehne es, dass sie für ihr Leiden den Lohn bekommt. Viel Kraft und Glauben noch an das Gute, liebe Sonja.