«Anomalisa» zeigt unfassbar gut, wie 08/15 das Menschsein ist

Das Vorurteil, dass Animationsfilme nur etwas für Kinder sind, dürfte nach «Anomalisa» vom Tisch sein. Der Film zeigt anhand von depressiven Puppen die Schattenseiten des Lebens, die Anstrengungen des immergleichen Alltags. Ein melancholisches, dennoch wunderbares Werk von Regisseur Charlie Kaufman.

Die Storyline

Michael Stone ist die Hauptfigur in «Anomalisa». Michael ist Schriftsteller und Redner und hat die Call-Center-Industrie umgekrempelt. Er ist erfolgreich, hat eine Familie, aber: er ist total unglücklich. Alles und jeden nervt ihn. Er findet, alle Menschen klingen und sehen gleich aus. Das Leben ist ihm ein Bürde und Michael geht daran zu Grunde.

Als er an einer weiteren Konferenz in einem Hotel vor sich hin vegetiert, hört er plötzlich eine Engelsstimme. Eine Stimme, die sich von den Millionen der anderen Stimmen abhebt, eine Stimme die Michael zum frohlocken bringt. Sogleich sucht er die Quelle - und findet sie in der schüchternen Lisa. Er verliebt sich auf der Stelle.

Mein Fazit: Wunderbar!

Das schreckliche Vorurteil, dass Animationsfilme nur etwas für Kinder sind, dürfte nach «Anomalisa» hoffentlich ein und für alle Mal vom Tisch sein. Der zweite Film von Regisseur Charlie Kaufman ist ein anspruchsvolles Werk.

Michael wandelt irgendwo zwischen Misanthropie und Depressivität. Eine komplexe Hauptfigur, die durch die Animation erst richtig zum Leben erweckt wird. Dass dabei die ganze Menschheit gleich aussieht und gleich klingt, ist ein genialer Schachzug der Filmemacher, das Innenleben von Michael zu visualisieren.

«Anomalisa» ist ein wunderbarer Film, der bei Weitem nicht nur, aber vor allem, wegen seiner Inszenierung überzeugt. Die Regisseure Charlie Kaufman und Duke Johnson haben es sogar geschafft, eine authentisch und schön wirkende Puppen-Sexszene zu realisieren. An dieser Szene haben sie sechs Monate gearbeitet.

Der Aufwand hat sich gelohnt, ein grossartiger Film!