Die beste Doku-Serie des Jahres ist ein totaler Fake

In der Flut von Netflix-Veröffentlichungen kann es vorkommen, dass die wahren Perlen untergehen. «American Vandal» ist so eine. Die Fake-Doku-Serie über den mit Penissen vollgesprayten Parkplatz einer amerikanischen Highschool stellt sämtliche True-Crime-Vorbilder in den Schatten.

Skandal! Auf dem Parkplatz der «Hanover High School» hat ein Schmutzfink sein Unwesen getrieben. Auf 27 der dort parkierten Autos wurde ein Penis gesprayt. Der Schuldige? Dylan Maxwell.

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Bildlegende: Der Tatort: 27 Penisse auf 27 Autos. Wer steckt dahinter? Netflix

Schon öfters wurde Dylan – alles andere als ein Musterschüler – in der Vergangenheit zur Schulleitung zitiert. Der Vandalenakt auf dem Parkplatz bringt das Fass zum Überlaufen.

Obwohl Dylan die Tat bestreitet und ein – zugegeben lückenhaftes – Alibi vorweisen kann, wird er von der Schule geworfen.

Dylan bleibt lediglich ein einziger Hoffnungsschimmer: Peter Maldonado, Mitglied des schulinternen Videoteams. Peter glaubt an Dylans Unschuld und macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter.

Er interviewt Mitschüler, Lehrer, die Familie des vermeintlichen Täters und versucht mit «Mythbusters»-, respektive «CSI»-artigen Experimenten und Computermodellen herauszufinden, ob Dylan der Täter war. Selbstverständlich hält Peter seine Recherche auf Video fest.

Viel mehr als nur eine Parodie

«American Vandal» ist eine Parodie auf True-Crime-Serien wie «Making the Murderer», «Serial», oder «The Keepers». Der Fall ist nicht echt, alle Involvierten sind Schauspieler.

Das hört sich auf den ersten Moment wie eine riesige Geschmacklosigkeit an. Schliesslich sind bei den True-Crime-Vorbildern «echte» Menschen zu Schaden gekommen. Aber die Serie übertrifft alle Erwartungen.

Schon nach wenigen Minuten der ersten Folge wird klar: «American Vandal» ist mehr als einfach nur eine oberflächliche True-Crime-Parodie.

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Bildlegende: Selbstverständlich ist der Akt des Grauens auch auf Social Media ein grosses Thema. Netflix

Die achtteilige Serie ist ein ultradetailliertes Portät der «Millennials»-Generation. Die einzelnen Figuren sind dermassen gut gezeichnet, die Schauspieler derart natürlich, dass man innert kürzester Zeit vergisst, dass der Fall des vandalisierten Parkplatzes eigentlich ziemlich lächerlich ist. Spätestens nach der Hälfte der acht halbstündigen Episoden lässt einem das Schicksal der fiktiven Protagonisten nicht mehr los.

Auch vom Handwerk her ist «American Vandal» absolut einzigartig. Ständig fliessen kurze Snapchat- und Instagram-Elemente in die Fake-Dokumentation ein, welche vom fiktiven Peter Maldonado gedreht wird. Die Facebook-Posts und YouTube-Kommentare, die ebenfalls eine wichtige Rolle beim Wiederherstellen des Tathergangs spielen, sind täuschend echt und wurden brilliant in die Serie eingeflochten.

Im Vordergrund möchte «American Vandal» ein Verbrechen aufklären – und hat gleichzeitig die bislang beste Dokumentation über Millennials und deren Umgang mit Social Media erschaffen. Absolut sehenswert. 9 von 10 Punkten.

Die ganze erste Staffel von «American Vandal» ist auf Netflix im Stream verfügbar. Eine zweite Staffel soll 2018 folgen.