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Film-Review Ist Trump Amerikas letzter Präsident?

Oscarpreisträger Michael Moore zeichnet in seinem neuen Film über die Trump-Ära sein bisher düsterstes Bild Amerikas. «Fahrenheit 11/9» ist eine eindrückliche Warnung davor, wie die USA nicht nur eine Diktatur des Geldes bleiben, sondern eine wahrhaftige werden könnte.

Darum geht's

Niemand hätte es gedacht. Gelacht hatte man sogar über die Vorstellung, dass der polarisierende Reality-Star und Milliardär Donald Trump tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte. Doch wie verdammt nochmal konnte es trotzdem so weit kommen?

Michael Moore – der schon vor Jahren vor Trump gewarnt hatte – möchte in «Fahrenheit 11/9» diese Frage beantworten und zeigt nicht nur auf, mit was für kriminellen Mitteln Trump an die Macht kam, sondern beschreibt ebenso die verherenden Folgen seiner Politik und die schockierenden gesellschaftlichen Missstände in den USA.

An Beispielen wie der Wasserkrise in seiner Heimatstadt Flint deckt er auf, wie insbesondere die mittellose, afroamerikanische Bevölkerung Opfer der Geldgier von Politikern wurde.

Die Medien als «Fake News» abtun, politische Gegner loswerden, mit Verbrechen unbestraft davon kommen, die Macht in die Hände weniger reicher weisser Männer konzentrieren – Moores Message ist klar: Trump ist eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie.

Fahrenheit 11/9
Legende: Flint-Wasser für den Gouverneur von Michigan Moore besprizt das Haus von Rick Snyder mit dem vergifteten Wasser, das wegen seines politischen Beschlusses in die Wasserhähne der mehrheitlich afroamerikanischen Bevölkerung fliessen konnte. Ascot Elite

Das hat funktioniert

«Fahrenheit 11/ 9» ist von der ersten Sekunde an eine fesselnde, dichte Dokumentation, bei der Moore seine erwünschte Wirkung erfolgreich erzielt: Als ZuschauerIn bleibt man zwar fasziniert, aber auch erschüttert im Kinosessel kleben.

Moore weiss sich dabei der filmischen Mittel zu bedienen. Gleich zu Beginn nimmt er uns zurück in die Wahlnacht 2016 und inszeniert Trumps Amtsantritt wie ein wahr gewordener Albtraum.

Moore knöpft sich in seinem neuen Werk jedoch nicht nur Gegner aus der republikanischen Partei vor, sondern gleich die gesamte politische Elite. Er zeigt auf, wie die Demokraten scheitern konnten, prangert Hilary Clintons Wahlkampfmethoden an, die Medien, die mit Trumps provokativen Auftritten viel Profit machen konnten, macht seine Enttäuschung mit Ex-Präsident Obama deutlich – sogar mit sich selber geht Moore erfrischend ehrlich ins Gericht.

Das hat nicht funktioniert

Moore ist wütend und verzweifelt. Dies merkt man «Fahrenheit 11/9» leider auch an. Der Regisseur scheint zu viel in den Film reinpacken zu wollen. Nicht immer werden die Zusammenhänge der vielen unterschiedlichen Themen ganz klar und die Struktur wirkt deshalb immer wieder etwas chaotisch und übersättigt.

Und auch bei «Fahrenheit 11/9» kann man Moore, so wie bei all seinen Werken die Einseitigkeit seiner Berichterstattung vorwerfen (wirklich viele direkte Konfrontationen mit den Menschen die er anprangert, gibt es nicht). Genauso wie er sich nicht davor scheut, etwas gar plakative, reisserische Vergleiche wie mit Hitler zu ziehen.

Fahrenheit 11/9
Legende: Hoffnung geben Moore junge politische Aktivisten Der «March for Our Lives» war eine Protestbewegung gegen Waffengewalt und den Einfluss der Waffenlobby auf die amerikanische Politik – und wurde ausschliesslich von Teenagern organisiert. Ascot Elite

Fazit

Nach «Bowling for Columbine» und «Fahrenheit 9/11» war es nur eine Frage der Zeit, bis der oscarprämierte Regisseur Michael Moore auch einen Film über die Trump-Ära machen würde.

Moore zeigt in «Fahrenheit 11/9» inhaltlich zwar nicht viel Neues, setzt die Ereignisse der letzten zwei Jahre jedoch gelungen in Beziehung zueinander und liefert uns so eine beklemmende Zusammenfassung davon, welche alarmierenden Auswirkungen Trumps Politik hat – und haben könnte.

Dabei zeichnet Moore in «Fahrenheit 11/9» – trotz seiner charakteristischen spitzigen Ironie und einigen hoffnungsvollen Momenten – das bisher düsterste Bild der Zukunft seines Landes.

Dieser Film ist für

Alle, die sich für das aktuelle politische Geschehen interessieren und Michael Moore-Fans.

Rating

4 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Regisseur: Michael Moore
Protagonisten: Donald J. Trump, Ivanka Trump, Hillary Clinton, Alexandria Ocasio Cortez
Kinostart: 11.10.

1 Kommentar

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