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Film-Review Wenn sich ein Jude in eine Nicht-Jüdin verliebt

Mit «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» gibt uns Regisseur Michael Steiner einen tiefen Einblick in die jüdisch-orthodoxe Kultur und liefert gleichzeitig eine etwas andere Coming-of-Age-Komödie, die gute Chancen hat, der nächste Schweizer Kinohit zu werden.

Die Story

Acht Tage nach der Geburt beschnitten werden, mit dreizehn Bar Mizwa feiern und später eine gläubige Jüdin heiraten – so sieht der streng geregelte Lebensplan nach jüdisch orthodoxen Prinzipien aus, dem auch Mordechai – kurz Motti – folgen soll. Dafür dass Motti auch schon bald ein wohlerzogenes «mejdlech» (Mädchen) zur Frau nehmen kann, sorgt seine beflissene Mama und stellt seinem Sohn deshalb eine junge fromme Dame nach der anderen vor.

Eines Tages lernt Motti an der Uni die sympathische Laura kennen. Das Problem: Sie ist eine Schickse – eine Nicht-Jüdin. Mit ihr eine Beziehung einzugehen, wäre ein heftiger Bruch mit den traditionellen Anforderungen seiner Familie. Doch je näher er Laura kommt, desto mehr merkt er, dass er sein Leben selber bestimmen will.

Wolkenbruch
Legende: unbekannte Territorien Motti besucht Laura im Nachtclub, in dem sie arbeitet. DMC Film

Das hat funktioniert

Michael Steiner inszeniert in «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» gelungen bekannte Orte in Zürich und führt uns gleichzeitig in eine komplett andere Welt. Dabei beweist Steiner mit der authentischen Zeichnung von Mottis Umfeld viel Feingefühl und gewährt uns durch den Protagonisten einen tiefen Einblick in die jüdisch-orthodoxe Kultur.

Für die Besetzung hat Steiner ein grossartiges Schauspiel-Ensemble zusammengetrommelt, das nicht nur für seine herausragende sprachliche Leistung (die jüdischen Figuren im Film reden ein Gemisch aus Deutsch und Jiddish und auch Hebräisch) gelobt werden muss. Neben dem Schweizer Jungschauspielstar Joel Basman brilliert Inge Maux als überfürsorgliche Mutter Wolkenbruch, deren hysterische Reaktionen ab dem veränderten Motti die komödiantischen Highlights des Films sind.

Doch nicht nur der Culture-Clash zwischen der strengen Einstellung von Mottis Mutter und seinen Rebellionsversuchen sorgen für Lacher. Erfrischend ist auch die Tatsache, dass es sich bei «Wolkenbruch» um eine Emanzipationsgeschichte mit verkehrten Geschlechterrollen handelt.

Das hat nicht funktioniert

«Wolkenbruch» ist eine klassische Komödie. Der Film verfällt deshalb ab und zu in etwas bekannte Muster und wird gegen Ende auch ein bisschen vorhersehbar.

Mottis Weg zur Selbstbestimmung dient in der Geschichte vor allem als Quelle der Komik und später auch der Tragik. Mottis eingeschränktes Leben und die strengen Regeln, die Motti während eines grossen Teils seines Lebens auch unterdrückt haben, sind aber nicht frei von Problematik. Dass dieser Aspekt nicht auch von einer kritischen Seite beleuchtet wird, kann man bemängeln.

Wolkenbruch
Legende: Motti ist hin-und hergerissen zwischen seinen Verpflichtungen gegenüber seiner gläubigen Familie und seinen eigenen Wünschen. DCM Film

Fazit

Ganze sechs Jahre lang war es um den bekannten Schweizer Filmemacher Michael Steiner still geworden. «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse», dessen Geschichte auf dem gleichnamigen Bestellerroman von Thomas Meyer beruht, hat nun gute Chancen in die Fusstapfen seiner bisherigen Kinoerfolge wie «Sennentuntschi», «Grounding» oder «Mein Name ist Eugen» zu treten.

Steiner ist mit seinem neuen Film ein sensibles Portrait über eine oftmals übersehene Parallelwelt gelungen, der gleichzeitig eine herzerwärmende und wahrhaftig wunderliche Coming-of-Age-Story erzählt.

Dieser Film ist für

Fans von Feel-Good-Komödien, Coming-of-Age-Filmen und alle, die sich für fremde Kulturen interessieren.

Rating

4 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Regisseur: Michael Steiner
Cast: Joel Basman, Noémie Schmidt, Sunnyi Melles
Kinostart: 25.10.2018