Zum Inhalt springen
Inhalt

Film-Review Wie stoppt man eine Entführung am Telefon?

In «The Guilty» werden wir Zeugen eines grausamen Familiendramas und das nur über die Tonebene. Der Film spielt nämlich ausschliesslich in einer Polizeinotrufzentrale. Damit schafft der dänische Thriller etwas, das heutzutage nur noch selten im Kino zu erreichen ist: wahrhaftig zu überraschen.

Die Story

Der Polizist Asger wurde wegen eines hängigen Disziplinverfahrens zum Bürodienst verdonnert.

Die monotone Arbeit bei der Notrufzentrale nimmt aber ein jähes Ende, als eines Nachts eine Frau anruft und so tut als ob sie mit ihrer Tochter sprechen würde. Iben wurde nämlich Opfer einer Entführung und sitzt neben dem Täter im Auto.

Asger versucht der Frau zu helfen und verwickelt sich damit in ein brutales Familiendrama, bei dem er ein Verbrechen nach dem anderen aufdeckt. Doch wie weit wird Agser gehen können? Schliesslich haben ihn seine unorthodoxen Methoden, wie wir erfahren, schon vielfach in Schwierigkeiten gebracht.

The Guilty
Legende: Wird Asger Iben retten können? Der Polizist führt einen Kampf gegen die Zeit. Seine einzige Waffe: das Telefon. Ascot Elite

Das hat funktioniert

«The Guilty» ist ein Psychothriller mit ungewöhnlichem Ausgangspunkt: Der Film spielt ausschliesslich an einem Handlungsort, zeigt hauptsächlich einen Darsteller und erzählt seine Geschichte in Echtzeit.

Durch ebendiese reduzierten filmischen Mittel werden wir von der ersten Sekunde an die (auditiven) Zeugen eines fesselnden Dramas, bei dem wir auf die Perspektive des Hauptdarstellers beschränkt sind. Der Regisseur Gustav Möller kreiert dadurch ein eindrückliches Zusammenspiel von Form und Inhalt. Denn wie Asger am Telefon sind wir durch die wenigen Kameraeinstellungen enorm eingeschränkt, was den beklemmenden Horror der Geschichte bis ins kaum Auszuhaltende verstärkt.

Dabei liefert Jacob Cedergren, der Asger spielt und somit in jeder einzelnen Einstellung zu sehen ist, eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung.

Das hat nicht funktioniert

Im Genre Krimi/Psychothriller funktioniert in diesem Film alles. Kritik an «The Guilty» kann eigentlich nur auf Basis des persönlichen Geschmacks geübt werden. Das klaustrophobische Kammerspiel mag nicht für jedermanns Geschmack sein und das durchgehende Telefonklingeln könnte für einige zur nervlichen Zerreissprobe werden.

The Guilty
Legende: herausragender Protagonist Die schauspielerische Herausforderung, der einzige (gesehene) Protagonist des Fims zu sein, meistert Jacob Cedergren mit Bravour. Ascot Elite

Fazit

Gustav Möller erschafft mit seinem – kaum zu glauben – ersten Kinofilm ein innovatives Meisterwerk, das seine fesselnde Spannung fast ausschliesslich durch das Mittel des Tons erschafft.

«The Guilty» ist somit ein aussergewöhnliches Kinoerlebnis, bei dem der Zuschauer, bei dem sich das Drama vor dem eigenen inneren Auge abspielt, zum Co-Autor des Films wird.

Dieser Film ist für

Krimi-Fans und Filmnerds, die auf Innovation im Kino stehen. Ausserdem sollte sich «The Guilty» jeder ansehen, dem die Filme «Locke» (spielt nur in einem Auto), «The Call» und «Phone Booth» (hier wird die Spannung ebenfalls hauptsächlich über das Telefon erzeugt) gefallen haben.

Rating

5 von 5 Punkten

Die Fakten

Die Fakten

Regisseur: Gustav Möller
Cast: Jakob Cedergren, Jessica Dinage, Johan Olsen
Kinostart: 18.10.2018

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.