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Legende: Stehen bei «Trying» im Mittelpunkt: Jason (Rafe Spall), Nikki (Esther Smith) – und Kinder. Apple
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Serien-Check «Trying»: Kann die Adoption eines Kindes wirklich lustig sein?

Frau liebt Mann, Mann liebt Frau. Beide wollen ein Kind – aber leider will es auf biologischem Weg nicht klappen. Also versuchen Nikki und Jason ihren Kinderwunsch via Adoption zu erfüllen. Die neue Apple TV+-Serie «Trying» zeigt, dass man diesem ernsten Thema auch mit Humor begegnen kann.

«Trying» ist die erste europäische Serie, die Apple für seinen Streamingdienst «Apple TV+» in Auftrag gegeben hat. Produziert wurde sie von der altehrwürdigen BBC, darum kommen uns Look und Feel der Serie auch nicht komplett unbekannt vor.

So orientiert sich «Trying» an den unzähligen anderen, halbstündigen Comedyserien, die uns in den letzten ~15 Jahren von der Insel aus erreicht haben: «Catastrophe», «Pulling», «Lovesick»… Beispiele gibt es zu tausend.

«Trying»: Wo schauen?

«Trying»: Wo schauen?

Alle acht Episoden sind auf Apple TV+, Link öffnet in einem neuen Fenster verfügbar. Eine zweite Staffel ist bestellt.

Der gemeinsame Nenner solcher Serien: Es werden zwischenmenschliche Beziehungen unter die Lupe genommen, gerne auch mit spezifischem Blickwinkel (Im Beispiel von «Trying»: Adoption), ohne dabei aber unnötig viel Drama zu erzeugen.

So findet man auch in «Trying» weder einen Walter White, der Methamphetamin kocht und jederzeit damit rechnen muss, von einem Drogenkartell aus dem Verkehr gezogen zu werden, noch einen Jon Snow, der seine Armee von Schlacht zu Schlacht führt.

Stattdessen stehen Nikki und Jason im Fokus: Ein junges Paar aus London, das schon länger zusammen ist, noch immer glücklich verliebt ist, und sich seinen Kinderwunsch via Adoption erfüllen möchte. Eine relativ heile Welt also!

Im Interview argumentieren Hauptdarstellerin Esther Smith und Hauptdarsteller Rafe Spall, warum Serien mit sanftem «Egal was passiert, alles kommt gut!»-Grundton Balsam für die zurzeit stark unter Druck gesetzte Seele sein können, wieso der altbekannte britische Humor auch zu diesem eigentlich sehr ernsten Thema passt, und was es heisst, eine Serie auf einem relativ neuen Streamingdienst zu veröffentlichen.

Bei den Frohnaturen Jason (Rafe Spall) und Nikki (Esther Smith) klappt es mit dem Kinderwunsch noch nicht so ganz.
Legende: Bei den Frohnaturen Jason (Rafe Spall) und Nikki (Esther Smith) klappt es mit dem Kinderwunsch noch nicht so ganz. Apple

In der ersten Episode entreisst ihr einem Mann das Smartphone und versenkt es anschliessend in einem See. Hat da wirklich niemand vom Apple-Konzern Protest eingelegt?

Rafe Spall: [lacht] Oh ja, guter Punkt. Wahrscheinlich war es ein Smartphone einer Konkurrenzfirma. Die sind auf dem Grund eines Sees sowieso besser aufgehoben. Und die Szene, in der sich dieselbe Figur ein paar Stunden später dann ein eindeutig besseres iPhone als Ersatz kauft, hat es leider nicht in die finale Version geschafft. [lacht weiter]

Aber ernsthaft: Es ist toll auf dieser neuen Plattform zu sein! Ich finde, dass das Angebot zwar nicht übertrieben gross, dafür aber sehr gut kuratiert ist. So wie wir das von Apple aus anderen Bereichen auch schon kennen.

Grundsätzlich ist der Adoptionsprozess ja etwas sehr Ernsthaftes. Trotzdem habt ihr viele Möglichkeiten gefunden, diesen Prozess von seiner humorvollen Seite zu zeigen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir uns das in der Schweiz auch trauen würden. Geht so etwas nur mit britischem Humor?

Spall: Natürlich hat britischer Humor eine grosse Tradition. Aber ich glaube, dass es in jedem Land eine solche Humortradition gibt. Und schlussendlich ist Comedy ziemlich schwarz-weiss: Entweder ist es «lustig»… oder eben nicht. Ob du dabei in England oder in der Schweiz bist, ist eigentlich egal.

Kleines Beispiel: Ich selbst konsumiere sehr viele US-amerikanische Comedyserien und liebe «Seinfeld», eine nahezu perfekte Show. Und viele meiner Stand-up-Comedy-Helden kommen ebenfalls aus den USA. Comedy ist etwas sehr Universelles.

Esther Smith: Das sehe ich genauso. Ich bin zwar auch mit vielen britischen Sitcoms aufgewachsen, meine schönsten Erinnerungen verbinde ich jedoch mit einer «Friends»-VHS-Kassette der vierten Staffel, die ich mir so oft angeschaut habe, dass ich die Folgen noch immer Wort für Wort mitsprechen kann!

Was ich an dieser Serie ausserdem so fest mag, ist, dass die Menschen nett zueinander sind.
Autor: Rafe Spall

Ihr hattet also nie Bedenken, dass ihr Leute, welche eine ähnliche Situation durchgemacht haben, verärgern könntet?

Spall: Serienautor Andy Wolton hat seine Drehbücher mit dermassen feinen Pinselstrichen geschrieben, dass eigentlich alles wie von allein lief. Der Wechsel zwischen Comedy und Pathos fiel mir als Schauspieler hier so einfach, wie kaum jemals zuvor.

Was ich an dieser Serie ausserdem so fest mag, ist, dass die Menschen nett zueinander sind. In Serien sind die Figuren oftmals gemein oder heimtückisch zueinander – was als Zuschauer natürlich Spass macht! «Trying» ist keine solche Serie.

In dieser Serie gibt’s keine richtigen Widersacher, dafür Figuren, die sich gegenseitig ihre Liebe zeigen wollen. In diesem konkreten Fall durch ein Kind, was bei Nikki und Jason auf natürlichem Weg aber nicht möglich ist.

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Legende: Die oscarnominierte Schauspielerin Imelda Staunton spielt in «Trying »die Sozialpädagogin Penny. Apple

Und wie fühlt es sich als Mitwirkende*r an, eine Serie während der Corona-Krise zu veröffentlichen?

Smith: Natürlich wäre es schön, wenn wir die Veröffentlichung von «Trying» gemeinsam hätten feiern können – zusammen am gleichen Ort, mit «echtem», menschlichem Kontakt.

Andererseits kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass Menschen, die sich zurzeit in einer Quarantäne-Situation befinden, für jede Möglichkeit dankbar sind, mit der sich die zurzeit ungemütliche Realität kurz ausblenden lässt. Und da kommt eine Serie wie «Trying» gerade richtig.

Zumindest ging es mir selbst genau so, als ich vor ein paar Wochen die fertigen Versionen der acht Folgen erhalten habe und gleichzeitig die ersten Quarantäne- und Stay-at-Home-Massnahmen eingeführt wurden.

Es war so schön, wenigstens für vier Stunden in diese Welt flüchten zu können und ein London vor Corona zu sehen. Darum ist es eigentlich ein ziemlich guter Zeitpunkt, diese Serie zu veröffentlichen.

Es fühlte sich an wie ein warmes Bad!
Autor: Rafe Spall

Spall: Das sehe ich genau wie Esther. Natürlich wollen wir alle so schnell wie möglich wieder raus, um unsere Freunde zu sehen. Solange dies aber nicht uneingeschränkt möglich ist, haben wir wenigstens haufenweise Popkultur, die wir zu Hause geniessen können.

Das können Bücher sein, Filme, oder eben Fernsehen. Und für alle, die Netflix schon von vorne bis hinten durchgeschaut haben und Lust haben, eine andere Plattform auszuchecken, gibt es nun «Trying». Ich habe mir die Serie ebenfalls in zwei Tagen durchgeschaut. Es fühlte sich an wie ein warmes Bad!

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