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Phoebe Waller-Bridge
Legende: Nein, liebe Phoebe Waller-Bridge, unser Lob ist total ernst gemeint. Der kritische Blick ist nicht vonnöten. Official
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Serien-Review Die zweite «Fleabag»-Staffel ist ein Serien-Meisterwerk

Die ab heute erhältliche, zweite – und letzte – Staffel von Phoebe Waller-Bridges britischer Tragikomödie «Fleabag» ist so gut, sie rechtfertigt sogar eigenhändig ein Abo beim Streamingdienst «Prime Video».

Meistens haben TV-Serien zu viele Staffeln und zu viele Episoden. Das Gefühl, wie man sich der Vollständigkeit halber krampfhaft durch die sechste, achte, oder elfte Staffel einer Serie quält und den Serienmachern verzweifelt dabei zusehen muss, wie sie sich krampfhaft mehr Story aus den Fingern saugen? Kennen wir alle!

Da machen’s die Briten besser. Denn dort gilt seit jeher: In der Kürze liegt die Würze. Staffeln haben dort keine zwanzig, sondern sechs, maximal acht Folgen – und die Serienautoren dürfen sich zwischen den einzelnen Staffeln auch gerne Mal so lange Zeit lassen, bis ihnen eine wirklich gescheite Idee für eine Fortsetzung eingefallen ist.

Beispiel «Fleabag»: Im Sommer 2016 strahlte die BBC diese sechsteilige Serie aus. Vor und hinter der Kamera: Alleskönnerin Phoebe Waller-Bridge.

«Fleabag» in der Schweiz schauen

Beide «Fleabag»-Staffeln sind bei uns über den Streamingdienst «Prime Video» erhältlich. Start Staffel 2: Freitag, 17.5.

Diese sechs «Fleabag»-Episoden mit dem tumulthaften Leben einer jungen, leidgeprüften Britin im Zentrum, waren in der Serienwelt ziemlich einzigartig – und sind es bis heute.

«Fleabag» war impulsiv und hyperaktiv, aber introspektiv zugleich. Und dank der ausserordentlichen Vision von Phoebe Waller-Bridge und ihrer einzigartigen Gabe für realistische Dialoge und absurde Szenen, die sich trotzdem «echt» anfühlen, gelang ihr der Spagat zwischen Comedy, die zum Schreien komisch ist, und dramatischen Augenblicken, bei denen man zur Taschentuch-Box greifen musste, so gut wie fast niemand anderem. Das hat damals für Platz 2 in unserer Jahresliste gereicht.

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Legende: Dieses Lächeln täuscht: Fleabags Stiefmutter wird gespielt von Oscar-Gewinner Olivia Colman Amazon

Irgendwann nach dem Ende der Serie wurde überraschend angekündigt, dass Waller-Bridge «Fleabag» fortsetzen möchte. Das liess aufhorchen: Denn eigentlich erzählten die sechs Episoden der ersten Staffel eine in sich ziemlich abgeschlossene Geschichte, von denen man sich nicht zwingend zusätzliche Kapitel wünschte.

Aber eben: In England wird man ja von niemandem zu einer Fortsetzung gezwungen. Wenn Waller-Bridge meint, sie habe mehr «Fleabag» auf Lager, dann nur her damit!

Die zweite Staffel ist sogar noch besser

Und jetzt, wo wir die zweite Staffel kennen – bei der BBC wurden die sechs neuen, halbstündigen Episoden schon vor ein paar Wochen vollständig ausgestrahlt – können wir nur sagen: Gottseidank, hat sich Phoebe Waller-Bridge für mehr «Fleabag» entschieden!

Und das mit «Gottseidank» ist durchaus wortwörtlich gemeint: Denn in der zweiten – und dieses Mal endgültig letzten – Staffel setzt sich Waller-Bridge mit ihrem Verhältnis zur Religion auseinander. Das aber nicht etwa plump oder einseitig, sondern extrem differenziert und rücksichtsvoll – so wie wir das von ihr nicht anders kennen.

Zentrale Figur in dieser Auseinandersetzung ist ein «heisser Priester», grandios gespielt von «Sherlock»-Bösewicht Andrew Scott, der ins Spiel kommt, weil er die Trauung von Fleabags Vater und ihrer Stiefmutter (noch immer fantastisch: Oscar-Gewinnerin Olivia Colman) übernehmen soll.

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Legende: Fantastisch: «Sherlock»-Bösewicht Andrew Scott für einmal in einer ganz anderen Rolle. Amazon

Scotts Figur ist aber längst nicht der einzige Höhepunkt einer Staffel, die eigentlich nur aus Höhepunkten besteht. Denn die traditionellen «Fleabag»-Elemente der ersten Staffel sind auch in der zweiten Staffel nach wie vor vorhanden – und noch immer grandios: So bricht beispielsweise niemand die vierte Wand zum Publikum so gut wie Phoebe Waller-Bridge. Sie ist zwar nicht die Einzige, die sich auf das Spiel mit dem Publikum einlässt (Stichwort «House of Cards»), aber so zielgerade und pointiert in die Kamera blickt sonst keine andere Figur.

Und dann wäre da noch der Gastauftritt von Kristin Scott Thomas, die in der dritten Episode eine Geschäftsfrau spielt – einer der wohl beeindruckendsten Ein-Episoden-Gastauftritte in der jüngeren Seriengeschichte.

Fazit

10 von 10 Punkten