Filmfestival NIFFF Sieben Gründe, warum du ans NIFFF 2017 gehen solltest

In der Schweiz gibt es kaum ein Dorf mehr, das nicht sein eigenes Filmfestival hat. Aber keines dieser Festivals ist so fantastisch wie das NIFFF in Neuchâtel, das dem «fantastischen Film» gewidmet ist. Auch du solltest unbedingt hin!

Das Logo des 17. NIFFF. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die 17. Ausgabe des fantastischen Filmfestivals NIFFF findet vom 30. Juni bis zum 8. Juli in Neuchâtel statt. NIFFF

Zusatzinhalt überspringen

NIFFF 2017

NIFFF 2017

Das NIFFF (Neuchâtel International Fantastic Film Festival) findet in diesem Jahr zum 17. Mal in Neuchâtel statt. Das Festival widmet sich dem fantastischen Film in allen Facetten. Es beginnt am 30. Juni und dauert bis zum 8. Juli. Die letztjährige Ausgabe lockte 35'500 Besucherinnen und Besucher an.

1: Neuchâtel

Die Stadt Neuchâtel, dahinter der See im Abendrot. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sieht so einer der hässlichsten Orte der Schweiz aus? Swiss Image

Unter den nicht veröffentlichten Artikeln der Virus-Webseite gab es einmal einen mit dem ungefähren Titel «Das sind die hässlichsten Orte der Schweiz». Keine Ahnung, warum der Beitrag nie erschienen ist; wahrscheinlich lag es daran, dass dort Neuchâtel zu den hässlichsten Orten gezählt wurde.

Das ist totaler Quatsch, denn Neuchâtel ist ganz im Gegenteil einer der schönsten Orte der Schweiz! Alleine schon der Häuser aus Sandstein wegen, die in der Sommersonne wie Gold leuchten. Ausserdem gibt es einen See – hässliche Orte haben keine Seen. Im Artikel war auch zu lesen, in Neuchâtel stinke es schrecklich. Auch das ist eine gemeine Lüge.

2: Die Filme

Eine Szene aus dem Film «Marlina the Murderer in Four Acts». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Marlina the Murderer in Four Acts»: Nur ein ganz gewöhnlichee Rape-and-Revenge-Feminist-Western. Youtube

Am NIFFF gibt es einen internationalen Wettbewerb, einen Wettbewerb für das Kino aus Asien und den Schweizer Kurzfilmwettbewerb. In allen Kategorien siehst du Filme, die sonst nie oder erst viel später in Schweizer Kinos laufen – kambodschanische Action-Kracher zum Beispiel oder subtile Zombie-Dramen aus Skandinavien.

Oder: «Marlina the Murderer in Four Acts» aus Indonesien, der im Programmheft so angekündigt wird: «Nachdem sie mehrere Männer umgebracht hat, die ihr an den Kragen wollten, begibt sich eine Witwe auf einen Rache-Road-Trip, getrieben von einem kopflosen Geist.» Jetzt weisst du, was mit «Filme, die sonst nie in Schweizer Kinos laufen» gemeint war.

3: Die anderen Filme

Eine Szene aus dem Film «Detective Bureau 2-3: Go to Hell Bastards!». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Detective Bureau 2-3: Go to Hell Bastards!»: Yakuza-Action! NIFFF

Neben dem Wettbewerbsprogramm gibt es gut ein Dutzend weiterer Reihen, in denen Filme aus Russland und Lateinamerika gezeigt werden, Trick- und Kurzfilme ihren Platz haben oder besonders blutige Titel (das Festival nennt sie «Ultra Movies») zu sehen sind.

Reverend Beat-Man bekommt eine Carte Blanche, seine liebsten Filme vorzustellen und dem Anfang Jahr verstorbenen japanische Kult-Regisseur Suzuki Seijun ist eine Retrospektive gewidmet. Eine seltene Gelegenheit, seinen Yakuza-Kracher «Detective Bureau 2-3: Go to Hell Bastards!» einmal auf der grossen Leinwand zu sehen!

4: Was kurz vor dem Film passiert

Ein Regisseur stellt am NIFFF 2016 seinen Film dem Publikum vor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Regisseur stellt seinen Film gleich selber vor. NIFFF

Warten bis im Kino endlich der Film beginnt, gehört zu den schlimmsten Erfahrungen im Leben eines Menschen. Links von dir versucht ein Halsbart-Träger seine Begleiterin mit Star-Wars-Trivia zu beeindrucken, rechts von dir packt einer seinen Döner aus, von der Leinwand schreit dir eine viel zu gut gelaunte BWL-Studentin entgegen, schnell ein Jugendkonto bei einer Bank zu eröffnen.

Nicht so am NIFFF! Halsbärte siehst du dort zwar auch (siehe 6), aber wenigstens wird dir das Warten nicht durch laute Werbung zur Hölle gemacht. Stattdessen erzählen dir die NIFFF-Präsentatoren alles über die Entstehungsgeschichte des Films, den du gleich sehen wirst. Und wenn du Glück hast, gibt der Regisseur oder die Regisseurin gleich selbst auf der Bühne Auskunft (siehe 7).

5: Was unmittelbar vor dem Film passiert

Ein animiertes GIF zeigt den Trailer des «Film de miniut» von RTS. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Film de minuit»: Alljährliches Geisterlachen, immer an derselben Stelle. Vimeo

Das oben war gelogen, zumindest ein wenig: Auch am NIFFF wird vor dem Film Werbung gezeigt. Aber das Publikum hat einen Weg gefunden, selbst das noch erträglich zu machen. Im Lauf des einwöchigen Festivals entwickelt die Schwarmintelligenz alljährlich wilde Call-and-Response-Muster und laute Rufe, die an einer bestimmten Stelle der Reklame fällig sind.

Der Trailer für den «Film de minuit» des Westschweizer Fernsehens RTS (links) wird zum Beispiel seit Jahren von kollektivem Gruselgelächter an der immer gleichen Stelle begleitet (am Ende, wenn die gut gekleideten Skelette auf das Haus zulaufen). Es ist sehr lustig.

6: Das Publikum

Kinopublikum am NIFFF wartet auf den Filmbeginn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Es gibt schlimmere Menschen als das NIFFF-Publikum. NIFFF

Von Winston Churchill ist das Zitat überliefert: «Festivals wären etwas Schönes, wenn es bloss das Publikum nicht gäbe.» Der Mann hatte Recht – mit Ausnahme des NIFFF. Hier treffen jedes Jahr hartgesottene Gorehounds auf Einheimische, dich sich einen schönen Kinoabend machen wollen und keine Ahnung haben, dass sie gleich einen Film sehen werden, in dem ein Mann seinen eigenen Kopf isst.

Ok, das war übertrieben: Niemand kann seinen eigenen Kopf essen. Aber das ändert nichts daran, dass die Stimmung am NIFFF dem Festival-Fokus entsprechend fantastisch ist. Das Churchill-Zitat ist übrigens frei erfunden.

7: Die Gäste

Ein Portrait des japanischen Regisseurs Miike Takashi. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Leg dich besser nicht mit Takshi Miike an. Reuters

Unters Festival-Publikum mischen sich am NIFFF jedes Jahr prominente internationale Filmschaffende. 2017 reist zum Beispiel der japanische Non-Stop-Regissuer Takashi Miike («Audition») als Ehrengast nach Neuchâtel. Er hat mit «Blade of the Immortal» eben seinen 100. Film gedreht hat und stellt ihn am Festival vor. Zuvor kannst du Miike an einer öffentlichen Podiumsdiskussion persönlich fragen, mit wie wenig Schlaf einer auskommen muss, wenn er bis zu acht Filme im Jahr dreht.

Am letzten NIFFF war übrigens John Carpenter zu sehen, der live auf der Bühne seine Synthesizer-Soundtracks spielte. Auch das war toll.