Um diesen schlechten Film kannst du einen weiten Bogen machen

Netflix droppt einen neuen exklusiven Film und kaum einer bekommt's mit. So ähnlich könnte man die Veröffentlichung von «Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny» beschreiben. Wer sich den miesen Film dann aber tatsächlich antut, kann verstehen, wieso uns Netflix diesen Film verheimlicht.

Wer hat es mitbekommen? Seit letzten Freitag kann man sich auf Netflix das Sequel zu einem der populärsten asiatischen Filmen aller Zeiten anschauen.

Crouching Tiger, Hidden Dragon Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Los jetzt, nimm ihm das Schwert weg. Sonst dreht er sogar noch einen dritten Teil... Rico Torres/Netflix

«Crouching Tiger, Hidden Dragon» ist die Geschichte von über-die-Dächer-fliegenden Martial-Arts-Kämpfern. Das Original von Ang Lee wurde 2000 gleich mit vier Oscars ausgezeichnet. Jetzt wird die Geschichte exklusiv bei Netflix weitererzählt.

Ein grosses Ding, könnte man meinen. Da kann ja eigentlich nichts schief gehen, könnte man meinen.

Dass dem aber nicht so ist, beweist Netflix gleich selber. Journalisten durften sich den neuen Film nicht vorab ansehen. Ein schlechtes Omen? Durchaus. Zusätzlich hat der Streaminggigant die Werbetrommel für das gleichzeitig veröffentlichte Revival der 90er Sitcom «Full(er) House» so kräftig gerührt, dass man glatt meinen könnte, der Tiger-und-Drachen-Film aus China wird gar nicht wirklich veröffentlicht. #Priorities

Einfach schlecht

Wenn man den Film dann aber gesehen hat, wird das Verhalten von Netflix nachvollziehbar: «Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny» ist nämlich einfach nur schlecht.

Schon bei der Produktion scheint einiges schief gelaufen zu sein. Das fängt schon bei der Sprache an. Das Original gewann den Oscar für den «besten fremdsprachigen Film». Die Fortsetzung wurde jetzt aber auf Englisch produziert. Was für ein Unsinn. Vor allem auch, wenn man bedenkt, dass dieser chinesische Film für die chinesischen Kinos wiederum synchronisiert werden muss.

Eine magere Neuaufbereitung

Auch inhaltlich wurde vieles falsch gemacht.

Crouching Tiger, Hidden Dragon Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: links: Der Zuschauer. rechts: Netflix. Rico Torres/Netflix

Die Geschichte ist eine magere Neuaufbereitung des ersten Filmes. Und auch Ang Lees damalige wunderbare und verzaubernde Ästhetik in den perfekt choreographierten Martial-Arts-Kämpfen wird im neuen Film durch «Bud Spencer & Terrence Hill»-mässigen Slapstick ersetzt und zusätzlich mit unnötigen CGI-Effekten aufgepeppt.

Liebhabern des ersten Filmes dürfte Netflix mit seiner Fortsetzung ziemlich vor den Kopf stossen. Aber auch für alle anderen Cineasten, die sich gewisse Ansprüche bei der Filmauswahl setzen, dürfte dieser Film ein ziemliches Ärgernis sein.

Bleibt zu Hoffen, dass Netflix aus seinen Fehlern lernt. Die nächsten Film- und Serien-Revivals stehen schliesslich bereits in der Pipeline. Dann hoffentlich wieder mit mehr Originaltreue und Tiefgang. 1.5 von 5 Punkten.