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Songs & Alben Das neue Swans-Album: Der zweistündige Gitarren-Wahnsinn

Die New Yorker Experimental-Rock-Band Swans veröffentlicht ihr vierzehntes Album «The Glowing Man». Ein zweistündiges Gitarren-Monumentalwerk, welches den Hörer auf eine Achterbahnfahrt Richtung Abgrund schickt. Brutal anstrengend. Und trotzdem grossartig.

Swans
Legende: Swans Samantha Marble/Mute Records

Wer sich mit einem Album der New Yorker Band Swans, Link öffnet in einem neuen Fenster beschäftigen möchte, braucht Ausdauer und jede Menge Durchhaltevermögen.

Denn wie schon die beiden Vorgängeralben «The Seer» und «To Be Kind» kratzt auch das neue, soeben erschienene Swans-Album «The Glowing Man» wieder an der Zwei-Stunden-Marke. Drei der acht Tracks auf dem Album sind dabei über 20 Minuten lang. Uff. Und trotzdem: Es lohnt sich!

Der ganz besondere Höllenritt

Auch auf ihrem vierzehnten Album machen Swans nach wie vor äusserst unkategorisierbare Musik. Ab und zu klingt es nach Metal, ab und zu nach Post-Rock. Unter dem Strich klingt «The Glowing Man» aber einfach nach Swans.

Dort, wo dich Metal-Bands mit einem Lärmgewitter bombardieren würden, gehen Swans ganz ganz langsam vor. Den plötzlichen Todesstoss sucht man vergebens. Stattdessen wird man von mantraartigen Gitarrenwänden stetig zermürbt und zermalmt.

Kaum jemand anderes kann dieses «Oh Shit, jetzt geht's dann bald los!»-Gefühl, das man auf einer ratternden Achterbahn während der Fahrt Richtung Spitze fühlt, musikalisch so gut reproduzieren, wie die Band aus New York.

Abgelöst wird das minutenlange Kribbeln und Unwohlsein lediglich von elend langen Passagen, in denen man ohne Sicherheitsgurt Richtung Tiefe stürzt. Weiter und weiter. Ohne Zwischenhalt. «Frankie M.» ist ein besonders schönes Beispiel für diese Art Achterbahnfahrt.

Momente der Hoffnung erlebt man auf «The Glowing Man» nur selten. Die Vorabsingle, «When Will I Return?», gaukelt einem in der Mitte des Albums vor, dass man es hier mit einem zarten Folk-Album zu tun hat. Spätestens dann, wenn man beim halbstündigen (!) Titelstück angekommen ist, wird man jedoch realisieren, dass es aus dieser musikalischen Abwärtsspirale keinen Ausweg gibt.

Wer sich die vollen 118 Minuten gibt, überkommt anschliessend das Gefühl, sich inklusive Kleider unter die warme Dusche stellen zu wollen. «The Glowing Man» ist definitiv keine Musik fürs erste Date. Oder fürs zweite. Oder für irgendeine andere Aktivität, die Mitmenschen beinhaltet. Das hier ist der Soundtrack fürs stille Kämmerchen an einem Regentag. Mit heruntergelassenen Rollos.

Das letzte Album der Band?

Das Kollektiv Swans besteht bereits seit 1982 - in stetig wechselnder Besetzung. Einzige Konstante sind Bandleader Michael Gira und Gitarrist Michael Westerberg. 2010 kehrten Gira & Co. nach einer über 12-jährigen Bandpause zurück und touren seither ununterbrochen um die Welt. Vier Studioalben und drei Alben sind seit der Reunion erschienen. «The Glowing Man» soll laut Gira das letzte Album der aktuellen Swans-Besetzung sein.

Ob und wann es mit der Band weitergehen soll, steht momentan noch in den Sternen. Auf ihrer vorläufigen «Abschiedstournee» macht die Band auch Halt in der Schweiz: am 28. Oktober in der Kaserne Basel, Link öffnet in einem neuen Fenster und am 30. Oktober im Dachstock der Reitschule Bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

«Brätsch!»

Harte Musik im Radio: Jeden Montag ab 17.15h heisst es bei SRF Virus «Brätsch!».

Diesen Montagabend hören wir uns ausgewählte Stücke aus dem neuen Swans-Album «The Glowing Man» an.

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