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Songs & Alben Dunkel und melodisch: «Monologues» von Dave Eleanor

Klischees werden bewahrheitet: viele Musiker reisen nach Berlin, um «sich zu finden» - Dave Eleanor ist es gelungen. Der Aargauer lässt auf seinem Debüt Techno- und Trap-Umwege aus und produziert teils verschrobenen, manchmal mächtigen und ab und an mit sich selbst verschlungen tanzbaren Bass-Pop.

«Monologues» ist keine Platte für den beiläufigen Konsum. Ich höre Dave Eleanors, Link öffnet in einem neuen Fenster Musik am liebsten, wenn ich mich griesgrämig, Kater-klebrig und Aussenwelt-verdrängend der Psychohygiene fröne (bei mir: das Aufräumen meines «Schlafzimmer-Büro-Trainingsplatzes»). In voller, Nachbar-verstörender Lautstärke – sollen die ruhig klingeln kommen und beim Anblick meines Gesichts auf den Absätzen kehrtmachen und wieder Nachmittagsfernsehen schauen gehen.

Fragile Schönheit

Durch das Album zieht eine Erzählerstimme, die zu Teilen wie ein melancholischer Motivational Speaker wirkt, und manchmal semi-poetische Grundzüge aufweist. Wie auf «Heading Back West». Zwischen von Dave gesungenen Strophen wird man mit tristen Wahrheiten besänftigt: «you better watch out, nobody cares when you go crazy.»

ein mann mit kapuze singt mit geschlossenen augen
Legende: Dave Eleanor mit seinem Debüt «Monologues» In Berlin entstanden die Tracks, in Zürich wurden sie zu Lieder. official

Dave, der sich hier , Link öffnet in einem neuen Fensterhinterfragt, wieso er unreine Stimmen eigentlich viel lieber mag, gibt seinen Produktionen mit viel Hauchen und Knistern in der Stimme eine fragile Schönheit, der durch die schleppenden, Melasse-getünchten Instrumentals Kontrast geboten wird. So entstehen auditive Spagate (das meinte ich mit «das ist kein easy listening»), die dafür sorgen, dass man das ganze Album lang nicht wirklich weghören kann, oder will. Nebst der eigenen Stimme holte er sich für Kollaborationen befreundete Künstler aufs Floss: Blanka von Len Sander, Link öffnet in einem neuen Fenster z.B. auf der Schlussmachnummer «I Say Goodbye», oder Fellow-Aargauer Frank Powers, Link öffnet in einem neuen Fenster, der auf «Comeback» musikalisch das Blättersterben, oder eben meine Sonntagsbeschäftigung, untermalt.

Emotionale Nähe

Ein Album voller elektronischer Klänge, ja – aber der letzte Eindruck ist einer von emotionaler Nähe, Nähe zu einem Künstler, der sich selber vielleicht noch nicht restlos gefunden hat (oder den Ausdruck seiner selbst noch teils anderen überlässt) – aber dem man auf diesem Pfad sehr gerne dabei zuhört.