Explosions in the Sky: Das neue Album der Post-Rock-Könige ist da

Die Könige der epischen und instrumentalen Rockmusik melden sich zurück: Die vier Texaner Explosions in the Sky veröffentlichen ihr siebtes Album «The Wilderness» - und präsentieren darauf überraschend ruhige Klänge. Steht ihnen trotzdem sehr gut.

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Bildlegende: Explosions in the Sky oder: Warum man nicht mit Gegenlicht fotografieren sollte... Temporary Residence

Jeden Montagabend nach 17 Uhr bringt dir das SRF-Virus-Special «Brätsch» richtig harte und laute Musik in die Stube. Ausser heute. Irgendwie.

Eigentlich haben Explosions in the Sky auf ihren vergangenen sechs Studioalben ja Musik gemacht, die den Namen «Brätsch» durchaus verdient hätte: Instrumentale Gitarrenmusik und epische Hymnen, die in lauten Crescendos enden.

Musik, die sich als Soundtrack für dramatische Zeitlupen-Aufnahmen von Zieleinläufen eignet. Oder am besten dann eingesetzt wird, wenn sich die hoffnungslos in der Unterzahl befindende Armee in ihre letzte, aussichtslose Schlacht aufmacht.

Auf «The Wilderness», ihrem ersten Album nach einer fünfjährigen Veröffentlichungspause, schlagen die vier Texaner jetzt aber auffällig ruhige und besinnliche Töne an. Ganz und gar nicht «Brätsch» also. Aber trotzdem gut.

Der Beweis: Post-Rock lebt

Die Sache ist die: Kaum ein anderes Genre hat sich in den letzten 10 Jahren derart totgelaufen wie «Post-Rock». Was einst als «Zukunft der Musik» (oder zumindest als «Zukunft der Rockmusik») gefeiert wurde, avancierte irgendwann zur Selbstparodie. Dem Schema der instrumentalen und epischen Gitarrenmusik mangelte es während den letzten Jahren an Innovation: Jetzt wird's laut... Jetzt wird's leise... Uuuuund jetzt wieder laut. Okay, we get it.

Kürzere Songs, eingängigere Melodien

Schön also, dass sich Explosions in the Sky auf ihrem neuen Album getrauen, auch mal kleinere Brötchen zu backen. Und an Pathos oder Dramatik haben sie deswegen trotzdem nichts eingebüsst. Im Gegenteil.

Ihr Rezept für die lauten, himmel-aufreissenden Momente funktioniert noch immer. Nur lassen sie ihren Songs dieses Mal mit haufenweise ruhigen, spärlich instrumentieren Momenten genügend Platz zum Atmen. Wie auch ihre Post-Rock-Bros Mogwai operieren die vier Texaner neuerdings vermehrt mit athmosphärischen Keyboards anstatt Gitarren, was ihnen ausgezeichnet steht.

Und auch bezüglich Songlänge schrauben die Texaner auf «The Wilderness» zurück: Auf ihrem Monumentalwerk «The Earth Is Not a Cold Dead Place» aus dem Jahr 2003 überschritt noch jeder Track die 8-Minuten-Marke. Auf ihrem neuen Album hingegen kommen die Hälfte aller Songs mit einer angenehmen 4-Minuten-Popsong-Länge daher.

«The Wilderness» ist ein stimmiges Album für lange Zug- respektive Autofahrten und gleichzeitig ein Reminder dafür, dass Post-Rock noch immer zu Berühren weiss. Schön.