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Interview Jorja Smith: die Engländerin über ihr Debütalbum «Lost & Found»

Seit ihrer Single «Blue Lights» sind wir von der einzigartigen Soulstimme aus Walsall, England easy begeistert. Drake und seine Talentscouts haben es auch bemerkt: Zweimal ist Jorja auf «More Life» vertreten. Jetzt ist mit «Lost & Found» endlich das Debüt der 21-Jährigen da. Wir haben telefoniert.

Hi Jorja! Ich geh direkt rein. «February 3rd» war die letzte Single vor dem Release. Was bedeutet dir der Song?

Jorja Smith: «February 3rd ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Als ich den geschrieben und aufgenommen hatte, habe ich ihn zigmal am Tag gehört. Ich finde, es ist ein guter Ride-Along-Song, ein Lied zum Autofahren. Ich ging während dem Entstehungsprozess des Albums einige Wochen für Studio-Sessions nach L.A, und ‹Feb 3rd› war einer der ersten Songs, die ich dort geschrieben habe. Die Vocal-Spur auf dem Album ist die gleiche, die ich während der Session eingesungen habe, eigentlich ‹nur› das Demo. Aber ich wollte die Vocals auf keinen Fall neu aufnehmen. Bei dieser Session waren so viele Leute dabei, dass ich mich anfangs fragte, was wir überhaupt tun sollten, aber schlussendlich ist Magie entstanden.»

Wie schreibst du Texte? Immer zum «Beat» oder auch mal «nackt»?

«Meistens wenn ich Musik höre, wenn ich einen Akkord höre, fange ich an zu singen. Und manchmal ist es, als würde ich ein Gespräch führen, weil die Wörter Sinn ergeben. Ich mache immer Sprachmemos, damit ich mich später daran erinnern kann, was ich genau gesagt habe. Also ist es bei mir eine Form von Freestyle, der irgendwann zu einem Track wird.»

Ich bin ziemlich explosiv. Ich werde oft wütend, wenn Sachen nicht so laufen, wie ich es will. Ich mag es, die Kontrolle zu haben.

«On my Mind» ist zwar nicht auf dem Album, der Song wurde aber zwischen Album-Singles veröffentlicht. Wie kam es, dass du 2018 einen fast schon klassischen UK-Garage-Song machst?

«Es war nie der Gedanke im Raum ‹komm, lass uns einen UK-Garage-Track machen.› Ich bin viel Bassline und UKG auf den Ohren aufgewachsen, und Grime. Als ich dann mit Preditah (Produzent aus Birmingham, nahe ihrem Geburtsort Walsall) in der Session sass, kamen einzelne Elemente aus dieser Vergangenheit in mir auf, und der Song entstand einfach.»

Du scheinst dich in diversen Genres wohlzufühlen. Gibt es eine Musikrichtung, die du nie ausprobieren würdest?

«Also. Ich liebe Dancehall und Afrobeat. Kennst du ‹Unforgettable› von French Montana und Swae Lee? Ich liebe den Song! Aber eine Menge Menschen singt über diese Art von Beat. Das würde ich nicht machen – auch wenn ich gerne mitsinge! Auf dem Song ‹On your Own› habe ich diesen Vibe aufgenommen, aber eine Ballade daraus gemacht und es zu etwas Eigenem gemacht..»

Viele deiner Songs sind sehr emotional, handeln auch von Trennung, Tod, Abschied. Und deine Texte sind super direkt. Wie bist du live – kommen die einzelnen Emotionen hoch, die deine Songs aus dir rausquetschten?

«Ich bin mehr wie ein Soldat und beobachte mich selbst und das Geschehen. Ich bin zwar dort, aber nicht dort, weisst du was ich meine? Wenn ich ein Lied wie ‹Don’t watch me cry› singe, dann weiss ich zwar, dass ich den Song wegen einem Typen geschrieben habe. Es kann aber genauso gut sein, dass jemand im Publikum eher an seinen/ihren Vater erinnert wird. Manchmal denke ich auch live daran, wie die Lieder auf andere Menschen wirken könnten. Aber traurig werde ich nicht mehr, weil ich jetzt glücklich bin.»

Nervosität?

«Früher wurde ich immer sehr nervös. Wenn meine Mutter wollte, dass ich für ihre Bekannte singe, musste ich immer fünfmal husten bevor der erste Ton aus meiner Kehle kam. Mittlerweile werde ich aufgeregt, aber nicht nervös. Ich hab eine fantastische Band, wir sind seit zwei Jahren zusammen unterwegs. Wir haben Spass.»

Auf «Goodbyes» geht es um Abschied, es ist ein Song, der einem das schlechte Gewissen nimmt, wenn man jemandem nicht richtig Tschüss sagen konnte, bevor diese Person starb. Was steckt hinter diesem Song?

«Ich war sechzehn als ich den Track geschrieben habe. Ich bin damals in den Sommerferien oft nach London gefahren, für erste Sessions. Am Tag bevor ich die erste Session begann, ist ein Freund von mir gestorben. Ich habe den Track nicht für ihn geschrieben, sondern für eine Freundin, die so traurig war, dass sie ihm nicht zurückgeschrieben hatte bevor er starb. Es ging mir darum, ihr zu sagen, dass es ok ist. Aber ja, das ist ein richtig trauriges Lied. Es berührt viele Leute.»

Danke Jorja.

«Lost & Found» ist seit Freitag, 08.06.2018 erhältlich.