James Blakes neues Album «The Colour in Anything» killt alles

..auch meine Vorurteile. Über Nacht (so macht man das heute) haut Singer-Songwriter & Produzent James Blake sein neues Album raus. Pablo «muss» darüber berichten («Joo, aber das isch emfall ned sooo mini Musig...») - und ihm wird ordentlich die Gosche gestopft. Holy Sheeshtime ist das gut.

ein kurzhaariger Brite mit roten Haaren, jung, sitz am Klavier Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Boss: James Blake zersprengt locker mal Pablo's doofe Vorurteile über ruhige Musik weg. official

bleistiftskizze eines jungen mannes im regenmantel Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Spontan Album raushauen - das Cover von «The Colour in Anything» Bescheidenes Understatement, dieses Bild. official

Man freut sich als Hip-Hop Fan masslos auf das Release von Kaytranadas neustem Werk «99.9%» und zuckt bei der Erwähnung des Mitarbeiters «du, de (Londoner Singer-Songwriter & Produzent ) James Blake hed über Nacht no sis neue Ding «The Colour in Anything» droppt» nur müde mit den Achseln.

Man hört sich dann morgens bei der Arbeit beide Alben an. Fairerweise. So als Chance. Man ist ja offen. Und «gibt» dem Londoner, der ja eigentlich «nicht meine Musik» macht eine «Chance», nebst diesem Kaytranada, der ja Hip-Hop-mässig produziert - und mir ja sicher besser gefällt.

Ehem...

In einem Satz: Kaytranada’s Album hätte «33.3%» heissen sollen. Das Ding ist weder originell noch entspricht es ansatzweise meinen Erwartungen und dem Hype, der dem Release vorausgegangen ist. ABER DIESER JAMES BLAKE.

Das bislang beste Album des Jahres

Holy Fuck. Ich hab aktuell das halbe Album durchgehört, und finde schon jetzt: bestes Album 2016, bisher. Why?

  1. James Blakes Stimme erkennt man nach einem Viertelton. Sie ist krass ausdrucksstark, teils zerbröckelt sie regelrecht an deinem Trommelfell, zeigt unglaublich viel Schwäche und Fragilität, und wirkt gerade deswegen bestimmter und glaubwürdiger als die allermeisten grossen Gesangsstimmen.
  2. Ebenso markant, eigen und ungewöhnlich sind die Produktionscharakteristika von Blake. Wenn ein Song mal etwas trappige Tendenzen aufzeigt, dann immer überraschend, und im Kontrast zu warmen, organischen Klavierakkorden (wie z.B. die Hi-Hats auf «Radio Silence»). Alles klingt originell – im Sinne von: das klingt nicht nach Trend, das ist Trend.

Ich bin bei Song 7 von 17 – bis jetzt kein einziger Füllersong, auf den man lieber verzichtet hätte. Ich hör mir jetzt mal den Rest an. *Finger am kreuzen* - bitte lass es so weitergehen, James.

FUUUUUUUUUUUUUUUCK. Ich musste jetzt wirklich eine Portion Frischluft inhalieren und mich ausfluchen gehen. Nachdem ich das ganze Album «The Colour in Anything» komplett, ohne skippen durchgehört habe, will ich nur noch fluchen. Aus Gefallen an dem Kunstwerk.

Richtig so «yo, fuck man, gahts, eigentli, no??? FUUUUCK, Bro, ich bin so, FUUUUCK, scheisse das Album, es isch so…. FUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUCK!!!»

Pablos Notizen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Pablos Notizen ♥ Wie du merkst, ist er e bitzli (fest) in löve ♥ SRF Virus

Uff. So, jetzt auch noch in Worten und als mündiger Mensch gesprochen: F***sch***e (nein, ohne fluchen geht’s wirklich nicht) ist das ein Riesenalbum.

Ich muss die Worte «bestes Album 2016 bisher» nochmals in den Mund nehmen. Nach Song 7 («I Hope my Life», geile Nummer mit technoiden 80er Einflüssen) ging es bis zum unglaublichen Schluss («Meet You in the Maze» – a capella, die nackte Stimme nur durch einen Octavierer und leichte, stilvoll eingesetzte Autotuneeffekte gestützt, der perfekte Abschlusssongs eines Bombenalbums) weiter, und es war tatsächlich kein einziger Füller dabei.

Auf jedem einzelnen Song überrascht Blake. Sei dies mit bislang ungehörten Drum-oder Synth-Elementen oder durch den mannigfach kreativ und unterschiedlich gemischten Einsatz seiner Stimme, die in sich und nackt schon über ein gewaltiges Range verfügt. Diese Songs sind Killer.

Warum ist das Album so übergeil?

Was sind, abschliessend und nebst dem oben genannten USP (seine Wahnsinnsstimme), die auffällig geilsten Bausteine von «The Colour in Anything», die sich zu diesem Über-Win zusammensetzten?

  • Auf herkömmliche Songstrukturen wird aus grosser Höhe geschissen. Effekt – es wird nie voraussehbar/langweilig.
  • Auf JEDEM Song findet man neue, einzigartige Soundelemente. Effekt – es wird nie voraussehbar/langweilig. Merksch de Trend?
  • Der Text ist dope, und bleibt hängen. «You want to know me like waves know shores», da wird der Rapper in mir easy neidisch ob der Geilheit dieses Wortbildes.
  • MIX MIX MIX. Diese Musik lebt von den Produktions- und Mischdetails. Ob jetzt die Stimme die ersten 16 Takte im Intro von «My Willing Heart» durch einen 50-Jahre-Radio-wacklige-Schallplattenspielernadel-Aufnahme-Filter läuft, um dann beim Einsatz von Klavier und Drums in die gewohnte, natürliche Vollwärme zurückzufallen – oder ob die High Hats auf «Points» so am Takt vorbei shaken, dass sie wieder grooven, das sind die Details, die Liebe und der Aufwand die dieses Album unglaublich machen.
  • ES NERVT NIE. Nicht mal mich, als Hater von ruhiger, melancholischer Musik. Nicht ein einziges Mal gehen die Moods auf die Eier. Zwischen verträumt, trippy und glücklich zu kühl, melancholisch und ermattet. Ja Mann. 10 von 10.