Nite Jewel aus Los Angeles: Neuer Stoff für 80er-Fetischisten

Die Musik von Nite Jewel aus Los Angeles wäre auf dem «Drive»-Soundtrack bestens aufgehoben. Darum könnte der Name ihres neusten Albums auch besser nicht passen: auf «Liquid Cool» präsentiert Ramona Gonzalez kühlen und coolen 80er-Synthie-Pop – auch bei uns im Studio.

Der Zeitpunkt ist gekommen um wieder einmal mit einem alten Märchen aus der Musikindustrie aufzuräumen: Das von den bösen grossen Musiklabels, die ihre Bands unterdrücken, und den lieben kleinen Labels, bei denen man unendliche künstlerische Freiheit geniesst.

Ramona Gonzalez alias Nite Jewel aus Los Angeles könnte wohl Bände darüber schreiben. Gonzalez ist mit ihrem zweiten Album «One Second to Love» nämlich ziemlich unglücklich – weil sie darauf von ihrem Label in eine für sie zu poplastige Richtung gepusht wurde.

Besagtes Label war aber eben nicht eine dieser herzlosen Mega-Firmen, die in riesigen Hochhäusern residieren, sondern das «kleine» Secretly Canadian, normalerweise eine Adresse für mehrheitlich kleine Indie-Bands

Das Motto: Back to the (80ies-)Roots

Ihr altes Label wollte Nite Jewel also zum nächsten Electropop-Star machen, Gonzalez jedoch wollte damit nichts zu tun haben.

Wohl auch darum kehrte sie auf ihrem neuen, im Juni erschienenen Album «Liquid Cool» wieder zu ihren Wurzeln zurück: Immer noch elektronisch, immer noch eingängig, aber dafür um einiges kühler und weniger clean als auf «One Second to Love».

Das heisst aber noch lange nicht, dass Gonzalez der Popmusik ganz den Rücken gekehrt hat: «Das klingt ja wie Mariah Carey unter Hustensaft-Einfluss», heisst es in einem YouTube-Kommentar unter dem Video zu ihrem Song «Boo Hoo». Gar nicht mal so eine falsche Beobachtung.

Nite Funk: Das Nebenprojekt ist fast noch besser

Nite Jewel ist nicht die einzige Hochzeit, auf der Ramona Gonzalez zurzeit tanzt. Zusammen mit Produzent Dâm-Funk veröffentlichte sie vor kurzem eine supergute EP unter dem Namen Nite Funk. Ebenfalls empfehlenswert.