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True Talk «Die Schweiz ist überhaupt nicht behindertenfreundlich!»

Seit einem schrecklichen Unfall ist Simon Hitzinger aus Basel querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Obschon der 23-Jährige seinen Schicksalsschlag längst verarbeitet hat, will er sich mit einer Tatsache nicht abfinden: Mit der Schweiz und ihrer Infrastruktur. Bei «True Talk» lässt er Dampf ab.

Wir schreiben den 1. Mai 2011. Der damals 17-Jährige Simon «Hitzi» Hitzinger befindet sich an einer illegalen Party im alten Basler Kinderspital und entgeht nur knapp dem Tod: «Ich sass auf eine Brüstung und lehnte mich an ein Tuch. Bis dieses zerriss und ich zwölf Meter in die Tiefe stürzte.»

Seither sitzt Hitzi im Rollstuhl und ist vom Brustkorb abwärts gelähmt. Was tragisch klingt, nimmt der Basler heute jedoch mit grösster Selbstironie:

«Im Rollstuhl hat man meistens gute Sitzplätze. Und man hat eben immer einen Sitzplatz!»

«Überlegt eigentlich auch mal jemand?!»

Wofür Hitzi hingegen keinen Sinn für Humor hat, ist die Schweiz und ihre Infrastruktur: «Ich treffe oft Neubauten an, die rollstuhlgerecht sein sollen, es aber überhaupt nicht sind», beginnt er und nennt ein Beispiel:

Am Luzerner Bahnhof eröffnete kürzlich ein neues Rollstuhl-WC mit einem viel zu kurzen Wasserhahn-Griff.

Für ihn sei das kein Problem. «Wenn aber jemand höher gelähmt ist als ich, also Tetraplegiker ist, dann sind seine Arme und Finger ebenfalls eingeschränkt», nervt sich der Basler. «Und der kann das idiotische Teil dann nicht einfach easy an- und ausschalten!»

Allgemein schüttelt Hitzi nicht selten den Kopf über Rollstuhltoiletten. Vorausgesetzt, sie seien überhaupt vorhanden.

Viele WCs haben Mülleimer, auf die man treten muss, damit sie sich öffnen... What the fuck?!

Und es hagelt noch mehr Kritik

Im Video-Interview hat uns Simon Hitzinger von weiteren baulich und strukturell bedingten Einschränkungen erzählt, mit welchen sich der Rollstuhlfahrer hierzulande konfrontiert sieht – aber auch von Klischees und Vorurteilen gegenüber Querschnittsgelähmten. Was nicht heissen darf, dass der Verunfallte mit seinem Leben unzufrieden ist.

Zum Glücklichsein brauche ich Liebe, meine Familie und ein kühles Bier.

Du möchtest mehr «True Talk»? Diese Menschen erwarten dich jeden Mittwoch in unserer neuen Webserie:

«True Talk»

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«True Talk»

In unserer Webserie «True Talk» werden Menschen, die aufgrund von bestimmten Merkmalen, Eigenschaften oder Vorlieben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen haben, mit ebendiesen konfrontiert.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Marco Caccivio  (Marco Caccivio)
    Nur schon die Überschrift ein schrecklicher Unfall Hallo warum muss der Herr auf Brüstung sitzen? Und warum ist er so frustriert und zynisch? Und wie er die Mitarbeiter des SBB Callcenters zu Schnecke gemacht hat unglaublich und zeugt nicht von grossem Anstand und Respekt. Und nein ich bin nicht selbst im Rollstuhl aber seit 20 Jahren mit einer Frau im Rollstuhl verheiratet und sehe täglich was es für größere und kleinere Probleme gibt. Aber seine Art geht gar nicht
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  • Kommentar von Sebastian Räber  (Ichthyostega)
    Der gleichen Meinung wie Hitzi bin auch ich. Es ist noch ein langer Weg, bis die Infrastruktur den Gehbehinderten angepasst sein wird. Jedoch ist dies nur durch den Staat möglich. Einem mit Häuserbesetzungen ans Bein pinkeln und dann doch noch etwas von ihm fordern ist irgendwie ein Widerspruch - nicht?
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  • Kommentar von Gabriela D.  (GDB)
    Behindertengerecht 2 wäre, wenn - Architekten bei einer Institution für Menschen mit Behinderung rollstuhlgängige Parkplätze bauen würden, damit die Mutter, welche ihren Sohn abholt und hinbringt genügend Platz neben dem Auto hat, um von der Seite her zum Auto zu kommen. Das Leben könnte leichter sein - für Menschen mit Einschränkungen und besonderen Bedürfnissen. So schwer kann das doch nicht sein?
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