Sind alle Flüchtlinge gleich?

...fragt sich der 18-jährige Miki, Flüchtling aus Eritrea, in unserem Web-Videoformat «True Talk». Und gibt gleich selbst die Antwort: Nein, natürlich nicht. Genauso wenig, wie alle Schweizerinnen und Schweizer gleich sind.

Für Miki (oder Mikele, wie er richtig heisst) gab es nur eins: Weg aus Eritrea. Flüchten aus der Diktatur – aus einem Land, in dem seit mehr als 20 Jahren keine Wahlen mehr stattgefunden haben, in dem gefoltert wird und in dem schon Kinder gezwungen werden, ins Militär zu gehen.

«  Ich brauchte einfach ein demokratisches Land, ich wollte eine Zukunft haben. »

Wie Zehntausende weitere Eritreer, die jedes Jahr ihr Land verlassen, machte sich Miki mit gerade einmal 14 Jahren mit einigen anderen Jugendlichen auf den Weg in die Freiheit – ohne seinen Eltern davon zu erzählen:

«  Sie wissen ja, wie gefährlich die Flucht ist und wie viele Menschen dabei sterben. Nie im Leben hätten sie mich gehen lassen. »

Gefährlich war Mikis Flucht wirklich: Zwölf Tage lief er durch die sudanesische Wüste – Wasser hatten er und seine Freunde aber nur für sechs Tage:

«  Ich habe sogar meinen eigenen Urin getrunken. »

Vom Sudan führte Mikis Reise weiter nach Libyen und von dort aus in einem überfüllten Boot übers Mittelmeer nach Italien. Mit seinem zweiten Fluchtversuch schaffte er es also bis nach Europa. Einige Monate zuvor – damals war er 13 Jahre alt gewesen – hatte er nämlich schon einmal versucht, aus Eritrea zu fliehen. Miki war dann aber vom eritreischen Geheimdienst an der Grenze zum Sudan festgenommen worden.

«  Sie warfen mich für mehrere Monate ins Gefängnis und danach musste ich zur Armee. »
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Darum flüchten Kinder

Darum flüchten Kinder

Miki ist als Kind aus Eritrea geflohen – ohne seine Eltern. Warum sind wie er so viele Kinder alleine auf der Flucht?

Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Situation in Ländern wie Afghanistan, Syrien oder Eritrea.

Heute lebt Miki in der Schweiz. Hier kam er nach seinem zweiten Fluchtversuch schliesslich an – in einem ihm bis dahin fast unbekannten Land: «In der Schule in Eritrea habe ich nur gelernt, dass die Hauptstadt Bern heisst.»

Inzwischen hat sich Miki in seiner neuen Heimat eingelebt. «Das Schönste hier ist, dass ich frei meine Meinung sagen kann. Das geht in Eritrea nicht – da darf man ohne Erlaubnis nicht einmal von einer Stadt in die andere fahren.»

Er ist dankbar für die Chancen, die sich ihm in der Schweiz bieten – und er will sie nutzen: «Ich möchte noch viel mehr lernen und zur Schule gehen. Irgendwann möchte ich Flugzeugmechaniker werden. Vielleicht bin ich ein Träumer, aber ich wünsche es mir so sehr».

Miki beschränkt sich aber nicht aufs Träumen – er gibt auch Vollgas: Nach knapp 2 ½ Jahren in der Schweiz kann er sich inzwischen gut auf Deutsch verständigen – und er macht seit einigen Monaten eine Lehre als Baumaschinenmechaniker.

Zahlen und Fakten:

  • In der Schweiz leben rund 19‘000 Eritreer. Im Jahr 2016 wurden hier bisher 4758 Asylanträge von Eritreern gestellt. Bisher wurde 44,5 % davon stattgegeben.
  • Eritrea ist eines der repressivsten Länder der Welt. Die UNO schätzt die Menschenrechtslage als äusserst prekär ein.
  • In punkto Pressefreiheit liegt Eritrea laut «Reporter ohne Grenzen» auf dem weltweit letzten Platz.
  • Jugendliche müssen ab dem letzten Schuljahr einen quasi unbegrenzten «Militär- und Nationaldienst» antreten – ein Grund dafür, dass überdurchschnittlich viele Minderjährige unter den Flüchtlingen sind.