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Unzipped Koch: «Wir müssen sicher noch ein Jahr die Grundregeln einhalten»

Wann hat die Schweiz das Virus soweit im Griff, dass wir uns wieder unbekümmert bewegen können? Diese Frage will Lena in der neusten Unzipped-Reportage beantworten. Sie hat dafür mit der Epidemiologin Emma Hodcroft sowie Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit gesprochen.

Wann wird es wieder so sein wie vor Corona? Diese Frage will Lena in der neusten Unzipped-Reportage beantworten. Wie so viele andere wird nämlich auch sie langsam ungeduldig. Was wir mittlerweile schon so oft gehört haben und eigentlich wissen: Wir müssen Abstand halten und regelmässig die Hände waschen. Aber wie lange noch? Wann hat die Schweiz das Virus soweit im Griff, dass wir uns wieder unbekümmert bewegen können?

Wenn es nach Emma Hodcroft geht, wird es noch einige Zeit dauern. Sie ist Epidemiologin an der Universität Basel und ist wegen ihrer Forschung zur Verbreitung des Coronavirus gerade eine international gefragte Person. Eines kann sie aber mit Sicherheit sagen: «Physical Distancing» müsse noch so lange wie möglich aufrechterhalten werden. Denn: Es sei eine einfache Möglichkeit, die Verbreitung des Virus zu stoppen, und beeinträchtige den Alltag kaum.

Wann kommt ein Impfstoff?

Bis wir nämlich einen Impfstoff gegen das Coronavirus haben, wird noch einige Zeit vergehen. Zuerst müsse ein Impfstoff überhaupt gefunden werden, was durchaus erst in 12–18 Monaten der Fall sein könne. Dann dauert es, bis dieser auch wirklich zugelassen sei – schliesslich wolle man keinen Impfstoff herausgeben, der nicht sicher ist. Wenn das dann soweit ist, müssten davon zudem Millionen von Dosen hergestellt werden.

Nebst «Physical Distancing» könne in der Zwischenzeit gemäss Hodcroft auch eine Tracing-App helfen, das Virus in Schach zu halten. Die Apps können dich nämlich sofort alarmieren, wenn du dich zu lange in der Nähe einer positiv getesteten Person befindest. Eine solche Test-App möchte uns der Bund so rasch wie möglich zur Verfügung stellen – die Verwendung ist freiwillig. Die App sei sicher keine vollständige Lösung, würde aber helfen. Die Zauberformel zur Unterbrechung der Ansteckungskette ist nämlich «test, trace and isolate», sagt Hodcroft. Möglichst viele Personen müssen getestet werden, um daraufhin die Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten, ausfindig zu machen und dann zu isolieren. Doch diese Formel werde in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern noch zu wenig angewendet.

«Unzipped»

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«Unzipped» ist das gesellschaftspolitische Format von SRF Virus.

In regelmässigen Reportagen erleben die beiden Hosts Livio Carlin und Lena Oppong hautnah gesellschaftliche Konflikte mit. Sie begeben sich in unangenehme Situationen, recherchieren vor Ort und begegnen jungen Menschen mit einer aussergewöhnlichen Geschichte. Sie gehen mit einer klaren Haltung an die Themen ran mit dem Ziel, sich der ihnen fremden Welt zu öffnen und sie kennenzulernen.

Und im «Unzipped»-Talk treffen regelmässig zwei Gäste aufeinander und besprechen ihre unterschiedlichen Meinungen zu einem Thema.

Warum nicht auch in der Schweiz?

Warum wird in der Schweiz «test, trace and isolate» so wenig gepredigt? Diese Frage stellt Lena Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit und kriegt eine klare Antwort: «Das kann man nur machen, wenn man die Kapazität hat, alle Kontaktpersonen zu isolieren.» Dafür seien im Moment die Zahlen der Neuinfektionen noch zu hoch und es sei nicht möglich, alle Kontaktpersonen aufzuspüren und sie zu isolieren. Sobald die Zahlen jedoch unter 100 Neuansteckungen pro Tag fallen und auch nicht wieder ansteigen, wird auch in der Schweiz mehr getestet und das Auffinden von einzelnen Fällen wieder möglich sein. Koch hofft, dass dies in wenigen Wochen der Fall sein wird.

Denn auch wenn wir jetzt schon ein paar Mal unter 100 Neuansteckungen pro Tag hatten, können wir jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen, dass dies auch so bleibt. Wie wir wissen, zeigen sich die Symptome oft innerhalb von zwei Wochen und das heisst: Wir wissen auch erst in zwei Wochen, ob wir trotz der Lockerungen der Massnahmen noch immer unter diesem Wert bleiben.

Damit die Fallzahlen nach der Lockerung der Massnahmen ab dem 11. Mai nicht wieder ansteigen und keine zweite Corona-Welle über uns schwappt, ist es nach wie vor sehr wichtig, dass wir Abstand halten und uns regelmässig die Hände waschen. Und das nicht nur für die nächsten Wochen: «Wir werden sicher noch ein Jahr lang die Grundregeln einhalten müssen», so Koch.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Nico Stäger  (Nico Stäger)
    Es ist auch sehr gut möglich, dass nie ein Impfstoff gefunden wird, wie z.B. beim HIV (Hi-Virus). Übrigens gibt es auch bei der Influenza keinen wirksamen Impfstoff, was vor allem daran liegt, dass der Virus mutiert. Mutationen gibt es auch bereits von Covid-19. Corona-Viren sind seit den 1960er Jahren bekannt und auch in der Schweiz seit vielen Jahren. Die epidemiologische Lage war wie vom BR bestätigt keine "ausserordentliche Lage", siehe Minute 28:38 in "Medienkonferenz des BR 8.5.2020".
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  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Im Europavergleich hat die Bevölkerung der Schweiz die Anti-Corona-Massnahmen am nachlässigsten eingehalten. Dieses ignorante Verhalten wird sich leider noch verstärken, je länger solche Bestimmungen gelten. Die Schweiz wird deswegen wohl das Land sein, welches pro Kopf europaweit am meisten Geld in die Hände nehmen muss, um die wirtschaftlichen Schäden zu kompensieren.
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    1. Antwort von Nico Stäger  (Nico Stäger)
      Quatsch. Man hätte der Bevölkerung noch viel mehr vertrauen können. Wir hätten auch ohne Lockdown in ausreichendem Masse die Kontaktzahl reduziert. Das was jetzt möglich ist, wäre auch schon am 16. März möglich gewesen: 2m Abstand in Restaurants, Läden, etc. und die Hygienemassnahmen mit Händewaschen, Desinfektion, etc. Gemäss BR gab es epidemiologisch keine "ausserordentliche Lage", diese war nur ausgerufen worden, um die Wirtschaft zu stützen. Siehe Minute 28:38 youtu.be/FxG_8skF6pw
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  • Kommentar von Timothée Mollet  (timoll)
    Es gibt keine fixe Limite nach dem Contact Tracing nicht mehr möglich ist. 50'000 Personen in Quarantäne sind immer noch besser als die Bewegungsfreiheit aller Menschen stark einzuschränken. Die Task Force hat klare Empfehlungen gegeben wie Contact Tracing aussehen sollte. Leider haben Kantone wie Bern, Vaud und Genf die letzten 6 Wochen die Däumchen gedreht und die Kapazitäten nicht ausgebaut.
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