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Xanax, Tilidin und Co. Medikamente als Drogen: «Wenn ich weiter konsumiere, sterbe ich»

Junge Leute missbrauchen Medikamente für einen Rausch. Ist das in der Schweiz nur eine Randerscheinung oder ein gefährlicher Trend? Und warum konsumieren Jugendliche Xanax oder Tilidin? Livio Carlin trifft eine Konsumentin, einen Ex-Süchtigen und Rapper und Produzent ZH Beats.

«Du bist entspannt, hast keine Sorgen. Man ist frei von allem, kann sich gehen lassen.» – Jenny (Name von der Redaktion geändert) konsumiert das Benzodiazepin Xanax (ein starkes Beruhigungsmittel) unregelmässig an Wochenenden und oft mit ihren Freund*innen zusammen. Meistens sind sie dann bei jemandem zu Hause, wenn die Eltern weg sind. Es nehme einem die Angst vor dem Leben, erzählt Jenny weiter. Deshalb vermutet sie, dass viele das Benzo konsumieren, wenn sie sich schlecht fühlen.

Die Hip-Hop-Szene spiele auf jeden Fall eine grosse Rolle bei der Verbreitung dieser Droge, sagt Jenny. Die Medikamente werden vor allem im Trap glorifiziert. «Man hört es überall und denkt sich, das sei verbreitet und normal», so Jenny. Und da Xanax ein offizielles Medikament sei, das vielen Leuten vom Arzt verschrieben werde, denke man, es könne ja nicht so schlimm sein.

«Kritisch wird es dann, wenn man ab einer gewissen Menge die Kontrolle verliert, weil man so drauf ist.» Man vergesse dann, dass man vor ein paar Minuten schon ein «Bar» eingenommen habe und werfe nach. So könne es schnell zu einer Überdosis kommen.

«Unzipped»

«Unzipped»

«Unzipped» ist das gesellschaftspolitische Format von SRF Virus.

In regelmässigen Reportagen erleben die beiden Hosts Livio Carlin und Lena Oppong hautnah gesellschaftliche Konflikte mit. Sie begeben sich in unangenehme Situationen, recherchieren vor Ort und begegnen jungen Menschen mit einer aussergewöhnlichen Geschichte. Sie gehen mit einer klaren Haltung an die Themen ran mit dem Ziel, sich der ihnen fremden Welt zu öffnen und sie kennenzulernen.

Und im «Unzipped»-Talk treffen regelmässig zwei Gäste aufeinander und besprechen ihre unterschiedlichen Meinungen zu einem Thema.

Guter und schlechter Einfluss von Rapper*innen

Hierzulande starben in den letzten Jahren acht Jugendliche wegen Medikamentenmissbrauchs. Im August dieses Jahres auch der Stiefsohn des Rappers und Musikproduzenten ZH Beats, Link öffnet in einem neuen Fenster. Livio sprach mit ihm über den Einfluss des Raps auf den Drogenkonsum. Die Rapper, zu denen die Jugendlichen aufschauten, müssten sich bewusst werden, was sie mit ihren Texten anrichteten und sie sollten anfangen aufzuklären, sagt ZH Beats und ergänzt:

Es ist ein Dreck. Die Jugendlichen verpfuschen ihr Leben damit, sie können davon sterben und verletzen ihre Familien damit.

Fast gestorben wäre auch der 20-jährige Leandro, der dreieinhalb Jahre lang stark abhängig war von Xanax und dem Opioid Tilidin – einem sehr starken Schmerzmittel. Er hat mit 16 Jahren aus Neugier mit dem Konsum angefangen – weil er amerikanischen Rap hörte, in dem die Medikamente besungen werden. «Ich wollte mich nicht nüchtern fühlen, weil viele Sachen in meinem Leben am Arsch waren.» Eines Abends geriet er in eine Atemdepression und erstickte fast an seiner eigenen Zunge. Seine Eltern hörten ihn deswegen sehr laut schnarchen und riefen die Ambulanz. «Ich war an meinem Tiefpunkt. Ich wusste, wenn ich jetzt nicht aufhöre zu konsumieren, sterbe ich.» Nach drei Entzügen ist Leandro nun seit ein paar Monaten clean.

In der Reportage ist nur ein Ausschnitt des Gesprächs mit Leandro zu sehen, das ganze Interview mit ihm gibt's hier:

Die Lage in der Schweiz

Doch wie verbreitet ist der Medikamentenmissbrauch bei jungen Leuten tatsächlich? Domenic Schnoz von der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Suchtmittelmissbrauchs, Link öffnet in einem neuen Fenster spricht von einer deutlichen Zunahme dieses Phänomens. Allerdings gäbe es keine aktuellen Studien, die konkrete Zahlen liefern könnten. Bei einer Befragung von 15-Jährigen im Jahr 2018 wurde festgestellt, dass rund 4 Prozent der Jugendlichen schon einmal mit Medikamenten als Droge experimentiert hat, hochgerechnet also rund ein*e Schüler*in pro Klasse. Und wenn man noch von einer relativ hohen Dunkelziffer ausgehe, sei das schon beängstigend. Sorgen bereitet dem Experten auch, dass ein Grossteil der Medikamente vom Schwarzmarkt bezogen würden und diese oft verunreinigt und zu hoch dosiert seien. Man wisse somit nie, was man eigentlich schlucke.

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