Die Geschichte der Raststätte Würenlos

1972 wurde die Autobahnraststätte in Würenlos eröffnet. Eine Sensation. Die grösste über eine Autobahn gespannte Raststätte in Europa galt als Trendsetter. Die Geschichte der Raststätte ist auch eng verbunden mit der Geschichte der Gemeinde Würenlos, die es zu nationaler Bekanntheit gebracht hat.

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Raststätte mit grosser Vergangenheit

5:29 min, aus Schweiz aktuell vom 20.7.2015

Der Fressbalken

Im Volksmund wird die Raststätte „Fressbalken“ genannt, seit jeher. Obwohl die Würenloser den schon fast liebevoll gemeinten Begriff als respektlos erachten. Handelt es sich doch um „Ihre“ Raststätte, und auf die ist man stolz in der Gemeinde Würenlos. „Fressen, das tun die Tiere“ hört man immer wieder in der Gemeinde im Limmattal. Stolz sind die Würenloser auf das unverkennbare Bauwerk aus den 70igern, weil man es in Europa weitherum kennt, von Hamburg bis nach Rom, sagt Anton Möckel senior, der in unmittelbarer Nachbarschaft den Bau und seither den Betrieb der Raststätte beobachtet. „Dort, wo das Mövenpick ist, dort wohne ich. Das wissen die Leute“, sagt Anton Möckel schmunzelnd und meint damit nicht nur die Schweiz, sondern auch Europa.

Schon bei der Inbetriebnahme 1972 war die Autobahnraststätte eine Sensation, wie das Schweizer Fernsehen damals berichtete: „Mit 140 Metern Stammbreite überbrückt die Gaststätte die sechsspurige N1 und zwei Tankstellen“. Mehrere Beizen, darunter eine Bar, eine Landbeiz, ein Grill, mit 650 Plätzen über der Autobahn zogen Besucher aus dem In- und Ausland an. Zum ersten Mal gab es auch eine Betreuung für Kinder: eine Idee, die zu einer Institution wurde. Auch die neuartige Ladenstrasse, rund um die Uhr geöffnet, wurde zum Publikums-Magnet. Abends und am Wochenende shoppen - Raucherware, Souvenirs, Spielzeug, Lebensmittel oder Damenkleider - das war einmalig damals.

Dreh- und Angelpunkt

Ein Konzept, das beliebt war, auch bei der Schweizer Prominenz. Alle gingen sie ein und aus: Emil war da, Ines Torelli, Köbi Kuhn, Martina Hingis und viele mehr. Gästebücher aus den 70iger und 80iger Jahren zeugen davon. Es sei „In“ gewesen am Wochenende in der Raststätte zu brunchen, sagt Jean-Pierre Gigaud, ehemaliger Hausherr der Raststätte Würenlos und heute noch verbunden mit den ehemaligen Mövenpick Restaurants. „Die Raststätte mit dem Geist der 70iger Jahre, mit den Läden, der Gastronomie und den Tankstellen unter einem Dach, war beliebt. Auch die Durchreisenden hielten an, denn so etwas hatte es zuvor noch nicht gegeben“, sagt Jean-Pierre Gigaud.

Und auch die Gemeinde Würenlos ist untrennbar mit der Geschichte der Raststätte verbunden. Heute gehöre die Raststätte einfach dazu sagt Anton Möckel junior, Vizegemeindeammann von Würenlos. Die Raststätte sei ein Symbol, einerseits um Würenlos zu erkennen, andererseits sei sie aber auch ein Symbol des Fortschritts, auch wenn es zunächst Widerstände gegen dieses gigantische Bauwerk gab. „Die Arbeitsplätze sind für uns wichtig, die einfachen, aber auch die hochqualifizierten. Würenlos ist aber auch ein Ort der Begegnung. Ein Ort an dem man seine Freizeit verbringen kann“, sagt der Vizegemeindeammann und schmunzelt dabei. Denn auch er hat in seiner Jugend seine Freizeit in der Raststätte verbracht, abends und am Wochenende.

Vieles hat sich verändert in den letzten 40 Jahren: die Farbe der Fassade, die Läden die drin sind. Eines aber ist geblieben: bis heute ist der „Fressbalken“ Dreh- und Angelpunkt, für Durchreisende, Heimkehrer und jene, die in den Ausgang gehen.