«Eine Managerkaste jenseits aller Normen»

Die Bankenkrise von 2008 hat die Schweizer Wirtschaft schwer durchgeschüttelt. Bei den Banken blieb kein Stein auf dem Andern und auch viele sonstige Firmen hatten schwer zu kämpfen. Die Verantwortlichen gelobten Besserung und die angenommene Abzockerinitiative sollte Exzesse künftig verhindern.

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Beinahe zehn Jahre danach sind die Löhne vieler höherer Kader wieder astronomisch hoch. Hat man nichts aus der Krise gelernt?

Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travail Suisse hat in einer Managerlohnstudie Salär-Höhenflüge untersucht. Hier seine Thesen:

  • Die Managerlöhne sind in den letzten 15-20 Jahren massiv gestiegen – damit hat sich auch die Lohnschere in den Unternehmen stark geöffnet. Die durchschnittliche Lohn-Schere in der Managerlohnstudie von Travail.Suisse hat sich von 1: 75 im Jahr 2002 auf rund 1:100 im Jahr 2015 geöffnet.
  • Zwar sind die Entschädigungen der CEO‘s der grössten Unternehmen in den letzten paar Jahren stabil geblieben; dafür zeigt sich eine starke Erhöhung der Saläre bei der zweiten Garde. Bei den übrigen Mitgliedern der Konzernleitungen und den mittleren und grösseren Unternehmen ausserhalb der Finanz- und Versicherungsbranche hat sich die Entschädigungsspirale munter weiter gedreht.

«Die Löhne der zweiten Garde steigen - ungeachtet der Abzockerinitiative!»

  • Die angenommene Abzockerinitiative zeigt keinen dämpfenden Effekt auf die Managerlöhne. In den letzten Jahren hat sich die Lohnschere in rund zwei Drittel der untersuchten Unternehmen weiter geöffnet. Gerade vorgängige Abstimmungen an den GV’s über eigentlich leistungsabhängige Boni oder Vergütungen für wegfallende Boni-Ansprüche werden von der breiten Bevölkerung nie verstanden, geschweige denn akzeptiert werden.
  • Der Unmut über die absurd hohen Managerlöhne wird sich nur dann legen, wenn der Nutzen dieser für die Allgemeinheit gesteigert wird. Dazu braucht es eine spezifische Boni-Steuer und eine Anpassung bei der direkten Bundessteuer. Die Progression in der direkten Bundessteuer endet bei rund 750‘000 Franken. Dies entspricht der historisch gewachsenen Lohnspanne in der Schweiz.
    Mittlerweile ist aber eine abgekoppelte Managerkaste entstanden, welche sich mit ihren Bezügen deutlich ausserhalb dieser Lohnspanne bewegt. Somit ist auch eine zusätzliche Besteuerung ausserhalb der gewohnten Steuerprogression gerechtfertigt.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 02.05.2017 22:20

    Club
    Die Gier regiert weiter

    02.05.2017 22:20

    Schweizer Topmanager sind weiterhin fürstlich bezahlt. Auch die Spitzenlöhne der CS-Manager wurden nun - wenn auch knapp - durchgewinkt. Halb so wild oder eine Gefahr für den sozialen Frieden?