Bürgerlicher Haushalt

Wohlhabenden Fabrikbesitzer anfangs des 20. Jahrhunderts unterschieden sich nicht nur aufgrund ihrer finanziellen Situation von den Arbeiterfamilien.

Fabrikantengattin auf Sofa, um 1909 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Frauen der Oberschicht beschäftigten sich häufig mit den «schönen Künsten». zvg

Fabrikbesitzer pflegten auch einen ganz anderen Lebensstil als Arbeiterfamilien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Esskultur, Freizeitbeschäftigungen, Umgangsformen und Wertvorstellungen waren Merkmale des Klassenunterschiedes.

Im Gegensatz zur Arbeiterklasse verfügten Menschen der bürgerlichen Oberschicht im Alltag über genügend Zeit, um sich den «schönen Künsten» zu widmen. Bildung, Literatur, Wissenschaft, Kunst und Kultur nahmen einen wichtigen Stellenwert ein. Für ein Kind einer bürgerlichen Familie war es beispielweise üblich, ein Instrument zu lernen oder einen Sprachaufenthalt zu machen. Insbesondere für junge Damen spielte das Lesen von Büchern eine wichtige Rolle. Auch Theater- und Konzertbesuche oder die Mitgliedschaft in einem Verein galten als wichtige Tätigkeiten der bürgerlichen Oberschicht. Die Herren beschäftigten sich derweil mit Politik oder sportlichen Aktivitäten – etwa Tennis, Reiten oder auch Automobilfahren – oder widmeten sich beispielsweise ihrer persönlichen, naturwissenschaftlichen Sammlung.

Wer es sich leisten konnte, verbrachte seine Sommerferien in einem Kur- oder Badeort (St. Moritz, Gstaad, Interlaken, Montreux etc.), wo das gesellschaftliche Leben unter seinesgleichen im Zentrum stand. Gesellschaftliche Anlässe wie ein Ball oder Konzerte eigneten sich bestens, um den gesellschaftlichen Status zu demonstrieren und neue Beziehungen zu knüpfen.