Telefon und Kino: das Ferne rückt näher

Die Belle Époque war eine Zeit voller technischer Neuerungen. Unter anderem führten die Erfindung des Telefons und des Kinematographen zu grundlegenden Veränderungen im Alltagsleben.

Mehere Personen stehen vor einem Wanderkino. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kino Georges Hipleh-Walt beschäftigte mit seinem Wanderkino mehrere Operateure, Kassiererinnen, Zeltaufbauer und Musiker. zvg

Ein altes Telefon hängt an der Wand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Telefon Um telefonieren zu können, musste zunächst die Kurbel gedreht werden. SRF

Telefon

Bereits zu Beginn der 1880er Jahre wurden in Zürich, Basel und Bern örtliche Telefonnetze eröffnet.

Zwischen den Städten verlief der Informationsaustausch jedoch noch immer mittels Telegraphen, bis im Jahr 1900 schliesslich alle Kantone telefonisch miteinander verbunden waren.
Um mit jemandem telefonieren zu können, musste zunächst eine Kurbel bedient werden, woraufhin sich ein „Telefonfräulein“ aus der Zentrale meldete und die gewünschte Verbindung herstellte.

Kinematograph und Wanderkino

Kurz vor der Jahrhundertwende entwickelten Thomas Edison in den USA und die Gebrüder Lumière in Frankreich unabhängig voneinander den „Kinetoskop“ beziehungsweise den „Cinématographe“. Mit dieser Erfindung lernten die Bilder erstmals laufen. Zunächst noch wenig beachtet weckte die Neuheit bald das Interesse der Gesellschaft. Die Gebrüder Lumière und die Vertreter von Thomas Edison reisten damit um den Globus und machten die Kinematographie weltbekannt.

So gehörten die ersten Jahre nach der Jahrhundertwende dem Wanderkino. Mit dem Kinematographen im Gepäck wurde alle paar Tage an einem neuen Ort – besonders häufig an Jahrmärkten – ein Zelt aufgebaut und Aufnahmen aus ganz Europa gezeigt. Die Wanderkinobetreiber filmten die Jahrmärkte und ihre Besucher oder regionale Turn- oder Gesangsfeste und führten die Aufnahmen dann im nächsten Jahr den erstaunten Besuchern vor, die sich zum ersten Mal selbst auf einer Leinwand sahen. Das Aufkommen von festen Kinos in den Städten um etwa 1908 verdrängte die Wanderkinos schliesslich mehr und mehr in ländliche Gebiete.

Altes Plakat mit Kinoprogramm Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Programm Edison Im Zürcher Kino Edison werden im Dezember 1912 verschiedene Filmchen von fünf bis zehn Minuten gezeigt. zvg

Kino in der Schweiz

Die Gebrüder Lumière verkauften dem Schweizer Maurice Andéossi im Jahr 1896 für 6000 Franken den ersten Kinematographen in die Schweiz. Sein Ziel, ein festes Kino einzurichten, scheiterte allerdings. Dafür etablierte sich der Bieler Georges Hipleh-Walt mit seinem „Biographe Suisse“ als Wanderkinobetreiber. Mit zwei Operateuren und Kassiererinnen, mehreren Musikern sowie Zeltaufbauern zog er in der Schweiz von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Einige weitere kinobegeisterte Unternehmer taten es ihm gleich. Die erste Bewilligung für ein ortsfestes Kino in der Schweiz erhielt 1907 der gelernte Schuhmacher Jean Speck in Zürich.