Ein Königreich mit leerem Thron

Rudolf I. von Habsburg stirbt und sein Sohn wird ermordet. Es entsteht ein Machtvakuum - die Eidgenossen nutzen die Gunst der Stunde. Darauf wird der Thron gleich mit zwei Königen besetzt und die Eidgenossen versuchen, sich auch dies zu Nutze zu machen.

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Bildlegende: Bundesbrief Keystone

Als Rudolf I. von Habsburg am 15. Juli 1291 in Speyer stirbt ist seine Nachfolge nicht geregelt. Uri, Schwyz und Unterwalden machen sich dieses Machtvakuum zu Nutzen: Bereits im August schliessen sich Uri, Schwyz und Nidwalden zu einem Bund zusammen (Bundesbrief 1291). Dieser richtet sich zumindest in einigen Punkten gegen die Herrschaft Habsburgs. Unter anderem geloben sie, «dass wir in den Tälern durchaus keinen Richter, der das Amt irgendwie um Geld oder Geldeswert erworben hat oder nicht unser Einwohner oder Landmann ist, annehmen sollen.» Dies ist als Seitenhieb gegen die Politik Rudolfs I. von Habsburg zu verstehen, habsburgtreue Beamte in freie Landschaften abzuordnen.

Um besagten Zusammenschluss von Uri, Schwyz und Unterwalden rankt sich die Legende des Rütlischwurs: Die Drei Eidgenossen sollen auf der Rütliwiese Einigkeit, Freiheit und Brüderlichkeit geschworen haben.

Meuchelmord und Expansionsgelüste

Albrecht I. folgt seinem Vater Rudolf I. von Habsburg auf dem Thron des römisch-deutschen Reiches. Er wird allerdings 1308 von seinem eigenen Neffen wegen Erbschaftsstreitigkeiten ermordet. Wieder ist der Thron des Reiches leer. Eilig wählen die Kurfürsten Heinrich VII. von Luxemburg zum König. Das neue Reichsoberhaupt verfügt aber über eine relativ geringe Hausmacht. Heinrich VII ist deshalb darauf angewiesen, sich neue Herrschaftsgebiete, Titel und Reputation zu erkämpfen. Dieser Umstand spielt in der Innerschweiz Werner von Homberg in die Hände: Der Kriegsunternehmer wird von Heinrich VII. zum Reichsvogt der Waldstätte ernannt. Der König erkauft sich damit die Unterstützung des «Condottiere» (Kriegsunternehmer) und dessen Söldnern in seinem Italien-Feldzug. Bei diesem strebt er nichts Geringeres als die Kaiserkrone an, welche er 1312 tatsächlich aufgesetzt bekommt – jedoch nur für kurze Zeit: Heinrich VII. stirbt nur drei Jahre nach seiner Ernennung zum römisch-deutschen König und kurz nach seiner Krönung zum Kaiser in Italien.

Zwei Könige ist einer zu viel

Über die Nachfolge Heinrichs VII. sind sich die Kurfürsten des römisch-deutschen Reiches jedoch uneins: Während die einen Friedrich den Schönen aus dem Hause Habsburg unterstützen, bevorzugen die anderen den Wittelsbacher Ludwig von Bayern. Diese Pattsituation führt schliesslich zu einer Doppelbesetzung des Throns: Einen Tag nach der Wahl Friedrichs am 20. Oktober 1314 wird auch Ludwig von Bayern mit knapper Mehrheit zum König gekürt. Die Krönung der beiden Kandidaten findet im November desselben Jahres statt.

Diese Zweifachbesetzung des römisch-deutschen Throns beeinflusst auch die Geschehnisse in Schwyz: Der Marchenstreit (Grenzstreit) um die Nutzung des Weidelandes rund um das Kloster Einsiedeln ist dort in vollem Gange. Und während das Kloster von Seite der Habsburger unterstützt wird, sieht Landammann Werner Stauffacher mit der Wahl von Ludwig von Bayern die Möglichkeit, in ihm einen Verbündeten gegen den mächtigen Widersacher zu finden.

Quellen:

Historisches Lexikon der Schweiz, «Rudolf I.»

Historisches Lexikon der Schweiz, «Albrecht I.»

Historisches Lexikon der Schweiz, «Friedrich III.»

Historisches Lexikon der Schweiz, «Ludwig von Bayern»

Brockhaus der Geschichte, siehe oben

Treichler, Hanspeter (Hrsg) 1991: «Abenteuer Schweiz. Geschichte in Jahrhundertschritten», Migros-Presse, Zürich