Haudegen, Feldherr und Staatsmann: Hans Waldmann

Als Feldherr und Staatsmann – so wird Hans Waldmann auf dem Denkmal bezeichnet, das seit 1937 in Zürich steht. Doch für die Adligen und die Landbevölkerung des damaligen Zürichs ist er eine Bedrohung.

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Hans Waldmann im Interview, gespielt von Daniel Rohr

4:39 min, vom 2.10.2013

Geboren wird Waldmann 1435 im kleinen Dörfchen Blickensdorf im Kanton Zug. Sein Vater stirbt früh. Die Mutter, welche aus Zürich stammt, kehrt dorthin zurück und heiratet erneut. Waldmann lernt lesen und schreiben, beginnt eine Lehre als Schneider und eine zweite als Gerber. 1452 wird er Bürger von Zürich.

Vom Söldner und Raufbold zum gesellschaftlichen Aufsteiger

Doch das Handwerkerdasein liegt Waldmann nicht: Zusammen mit seinem jüngeren Bruder zieht er als Söldner in verschiedene Kriege. Ausserdem zeugen diverse Rats- und Richtbücher von unzähligen Raufereien, Messer- und Degenkämpfen, die der junge Waldmann geführt hat.

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Bildlegende: Kloster Einsiedeln Keystone

Den gesellschaftlichen Aufstieg schafft Waldmann durch die Heirat der Witwe Anna Edlibach, geborene Landolt. Von ihrem verstorbenen Ehemann, der aus einer angesehenen Zürcher Adelsfamilie stammte, erbt er das Amt des Verwalters des Klosters Einsiedeln. Über dieses Amt findet Waldmann Aufnahme in der Zürcher Konstaffel, die regierende städtische Oberschicht neben den Zünften. Da er nicht adliger Herkunft ist, bleibt er jedoch ein Aussenseiter. Nach einem misslungenen Versuch bei der Gerberzunft 1466 wählt ihn die Zunft zum Kämbel sechs Jahre später zu ihrem Zunftmeister. Er wird Mitglied des Kleinen Rates von Zürich und gewinnt erheblich an politischem Einfluss in der Limmatstadt.

Feldherr und Diplomat

In den Burgunderkriegen macht sich Waldmann als Anführer der Zürcher Truppen einen Namen. In der Schlacht von Murten wird er gar zum Ritter geschlagen. Die Eidgenossenschaft demonstriert in den Burgunderkriegen militärische Stärke und wird in Europa zum begehrten Bündnispartner, von dem man sich vor allem Söldner erhofft.

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Bildlegende: Schlacht bei Murten Panoramabild von Louis Braun, 1893

Und auch Waldmann beginnt, sich auf europäischem Parkett zu bewegen: So reist er etwa im Sommer 1477 im Auftrag der Tagsatzung mit dem Berner Adrian von Bubenberg an den französischen Hof. Sie sollen mit dem König Frankreichs den Preis aushandeln, welcher dieser für den Einsatz der Eidgenossen in den Burgunderkriegen zu entrichten hat. Zu seinen eigenen Gunsten erzielt Waldmann eine jährliche Pension von 600 Livres. Als Vermittler zwischen den eidgenössischen Orten und europäischen Fürsten, verhilft er diesen zu Söldnern aus den alten Orten.

Griff nach der Macht in Zürich

Das militärische und diplomatische Ansehen Waldmanns auf eidgenössischer Ebene wirkt sich auch auf seine Laufbahn in der Limmatstadt aus: 1476 bereits Bauherr der Stadt, wird er vier Jahre später einer der drei Oberzunftmeister. Im Turnus wirken diese jeweils als Vertreter des Bürgermeisters. Sukzessive drängt er Heinrich Göldli, welcher der adligen Konstaffel angehört, aus seinem Amt als Bürgermeister. Nach dem endgültigen Ausscheiden Göldlis aus dem Bürgermeisteramt 1486 lenkt Waldmann die Geschicke der Limmatstadt weitgehend im Alleingang. Und dies, obwohl er das Amt offiziell nicht alleine ausübt: Waldmann wird übermütig und beginnt Fehler zu machen.

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1:45 min, vom 2.10.2013

Aussen- und innenpolitisch bedroht: der hohe Fall Waldmanns

Verlust der Unterstützung der Bündnispartner

Als der Herzog von Mailand und das Land Wallis mit dem Bischof von Sitten sich über die Grenzziehung streiten, entscheidet ein eidgenössisches Schiedsgericht unter Waldmanns Einfluss zugunsten Mailands. Dieser handelt gemäss Sigg «geradezu im Sinne einer «politischen Agentur» des Herzogs» und lässt sich für seine Dienste fürstlich entlöhnen. Einen unter solchen Umständen gefällten Schiedsspruch wollen die Walliser nicht akzeptieren: Unterstützt von Luzern und Unterwalden ziehen sie gegen Mailand in den Krieg. Sie werden «vom Gegner überrascht und buchstäblich geschlachtet», schreibt Sigg. Dies führt zu einem Aufschrei in der Eidgenossenschaft – Waldmann wird für die Misere verantwortlich gemacht.

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Bildlegende: Maximilian I. Albrecht Dürer, 1519

Die Hinrichtung des Kriegshelden des Gefechtes von Giornico gegen Mailand (1478), Frischhans Theiling, in Zürich führt zu einer weiteren Welle der Entrüstung bei den Bündnispartnern: Theiling hatte Zürich und Waldmann wiederholt beleidigt. Als er sich wegen privater Geschäfte in der Limmatstadt befindet, wird er gefangengenommen, gefoltert und hingerichtet. Obwohl Waldmann turnusgemäss gerade nicht Bürgermeister ist, wird die Hinrichtung Theilings ihm zugeschrieben.

Weiter ist der Eidgenossenschaft Waldmanns Beziehung mit König Maximilian I. ein Dorn im Auge: Er verhandelt mit dem Monarchen über ein für ihn äusserst lukratives langfristiges Schutz- und Trutzbündnis. Mit diesem sind Luzern, Schwyz und Glarus jedoch nicht einverstanden.

Aufstand in Zürich

Innenpolitisch verfolgt Waldmann das Ziel, die Stadt gegenüber den Landgebieten zu stärken. Ein Vorgehen, das auch andere Städteorte der Eidgenossenschaft praktizieren. Dabei missachtet Waldmann jedoch die wirtschaftlichen und politischen Bedürfnisse der Landbevölkerung. In seiner kurzen Amtszeit als Bürgermeister versucht er in das Selbstbestimmungsrecht der Dorfgenossenschaften im Bereich der Flurverfassung (u.a. Zwangsmassnahmen im Bereich des Ackerbaus, Forstschutz) einzugreifen. Ausserdem schränkt er das Festwesen ein. Das Fass zum Überlaufen bringt ein Erlass Waldmanns im Februar 1489: Der Bürgermeister befiehlt die Erschlagung aller Bauernhunde mit dem Ziel, das Jagdwild zu schützen - die Bauern rebellieren. Waldmann ist innen- und aussenpolitisch in grossem Bedrängnis.

Hinrichtung von Hans Waldmann Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hinrichtung von Hans Waldmann Diebold Schilling-Chronik

Sturz und Hinrichtung

Die Gesandten der Tagsatzung versuchen in Zürich zu vermitteln. Ein Vergleich wird geschlossen, den Waldmann durch den Stadtschreiber Ludwig Ammann wieder abändern lässt. Damit versetzt er auch die Bürgergemeinde in Aufruhr – sein Sturz wird unausweichlich. Waldmann wird gefangengenommen, gefoltert und schliesslich bei der heutigen Hohen Promenade mit dem Schwert enthauptet.

Ob Waldmann den Tod verdient hat oder nicht, wird später rege diskutiert. Als die Stadt ihm 1937 beim Fraumünster ein Denkmal errichtet, schreibt der Autor der dazugehörigen Festschrift, Paul Lang: «Ob er ein wahrhaft grosser Mann gewesen, wird heute noch mit Eifer erörtert. Rechtlich gesprochen, hat er sein Ende nicht verdient. Das Todesurteil war ein krasser Justizmord, das steht ausser Frage. Politisch war es (...) der einzig mögliche Ausweg für alle Beteiligten.»

Reiterstandbild von Hans Waldmann, Zürich  Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Reiterstandbild von Hans Waldmann, Zürich Keystone

Quellen:

Lang, Paul 1937: «Festschrift zur Enthüllung des Waldmann-Denkmals am 6. April 1937, Bürgermeister Hans Waldmann», Verlag Orell Füssli, Zürich.

Sigg, Otto 1989: «Hans Waldmann, der 1489 hingerichtete Zürcher Bürgermeister. Person, Macht, Herrschaft und sozio-agrarische Aspekte am Ausgang des Spätmittelalters», Begleitschrift zur Ausstellung zum Gedenken an den vor 500 Jahren hingerichteten Zürcher Bürgermeister, Frühjahr 1989, im Wohnmuseum Bärengasse Zürich. Präsidialabteilung der Stadt Zürich (Hrsg.).

Constaffel Zürich

Baumann, Adolf 1978: «Hans Waldmann 1435-1489, Leben und Wirken des Zürcher Bürgermeisters für die Jugend erzählt», Schweizerische Jugendschriftenwerk, Zürich.