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DOK Es fehlt an Erziehung, nicht an Therapien

Zu Sefika Garibovic kommen Kinder und Jugendliche, wenn das System versagt hat, wenn Ärzte, Lehrer, Sonderpädagogen und Eltern nicht mehr weiter wissen. Als erstes stoppt die Konfliktmanagerin alle Therapien und setzt Medikamente wie Ritalin ab. Warum? Das schildert Reporter Patrick Schellenberg.

Sefika Garibovic im Zug
Legende: Sefika Garibovic im Zug SRF

Sefika Garibovic fährt nicht Auto. Zu den Hausbesuchen bei ihren Klienten reist sie stets im Zug an – für mich als Reporter ein Glücksfall. Denn meine Telefongespräche mit der Nacherzieherin dauerten meist nicht länger als zehn Sekunden. Sie sei gerade in einer schwierigen Sitzung mit einem Jugendlichen und melde sich später. Adieu. Garibovic ist sieben Tage in der Woche rund um die Uhr für ihre Klienten erreichbar. Oft wird sie mitten in der Nacht oder am Wochenende für Kriseninterventionen aufgeboten.

Im Zug hingegen hatten wir Zeit zum Reden. Sefika Garibovic redet viel und gerne. Sie ist emotional und impulsiv, kann schallend lachen und leidenschaftlich argumentieren. Meist ist ihr Ton empört, denn es gibt viel, worüber sie sich aufregt.

Abklären, therapieren, sedieren

Am liebsten regt sie sich über das etablierte System von Schulpsychologie und Sonderpädagogik auf. Bei diesem Thema kommt sie richtig in Fahrt, schaut sich nach einem zu laut geratenen Plädoyer schuldbewusst im Zug um. In ihrem neuen Buch «Konsequent Grenzen setzen» fährt sie eine volle Breitseite gegen ein System, das «auffällige Jugendliche sehr schnell abklärt, therapiert und mit Medikamenten sediert.» Sprenge ein Kind den als normal definierten Rahmen, werde es sogleich als krank betrachtet oder als sonderpädagogischer Fall behandelt. Dabei mangle es meist nicht an Therapien, sondern an Erziehung. Und diese ist ihr Fachgebiet. Selbstbewusst behauptet die Nacherzieherin, ihre Erfolgsquote liege bei weit über 90 Prozent.

Legende: Video «Es gibt keine bösen Kinder.» abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus DOK vom 02.10.2016.

Ein schwieriger Start in der Schweiz

Auf der Fahrt zu einem weiteren Klienten erzählt Sefika Garibovic von ihrer glücklichen Kindheit im Sandschak, einer ländlichen Gegend im heutigen Montenegro. Sie wuchs mit sechs Geschwistern auf einem grossen Hof auf. Ihre Kindheitserinnerungen sind geprägt von starken Frauen.

Und Garibovic erzählt von ihrer schwierigen Anfangszeit 1990 in der Schweiz. Als alleinerziehende Mutter mit einer «ic»-Endung im Nachnamen musste sie kämpfen. Ihren Vollzeitjob als Forstingenieurin gab sie auf, um ihre Tochter ohne fremde Hilfe aufziehen zu können. Dafür nahm sie sogar eine Stelle in einem Sterbehospiz an. An verschiedenen Universitäten bildete sie sich daneben zur sozialpädagogischen Therapeutin und Expertin für Konfliktmanagement weiter. Einfach hat es sich die 57-Jährige nie gemacht.

Sefika Garibovic steigt aus dem Zug. Eine selbstbewusste, stets makellos und elegant gekleidete Frau mit auffälliger roter Mähne. Sie steuert auf einen jungen Klienten zu, der sie am Bahnhof abholt. Als erstes bekommt er eine Standpauke für sein lausiges Outfit. Dann umarmt sie ihn und sagt, wie sehr sie sich auf ihn gefreut habe.

  • Buchcover
    Legende: Buchcover orell füssli

    Konsequent Grenzen setzen

    Sefika Garibovic sagt, Kinder brauchen klare Grenzen, und Eltern müssen diese setzen. Sie zeigt auf, wie mit konsequenter Erziehung «Problemkinder» und «Problemjugendliche» vermieden werden können. Es geht darum, dass Werte und der respektvolle Umgang miteinander wieder erlernt werden müssen. Wie das am besten geschieht, zeigt dieses Buch an konkreten Fallbeispielen. Es ist ein Plädoyer, warum wir endlich aufhören müssen, schwierige Kinder und Jugendliche zum Psychologen zu schicken oder ihre Probleme mit Medikamenten beseitigen zu wollen.

Zum Autor

Zum Autor

Patrick Schellenberg arbeitet seit 2006 für «Reporter» und «DOK-Serien». Er absolvierte eine Lehre als Fotograf und studierte anschliessend Journalismus an der Schule für angewandte Linguistik SAL in Zürich.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Lorenz Aeberhard (Kuli)
    Erster Grudsatz ist dass man Kinder nicht erziehen muss sondern > begleiten < dass ist in dem Wortinhalt ein wesentlicher unterschied in dem Begriff er-ziehen erscheint das tunwort ziehen und dass ist glaube ich nicht im Sinne der Sache ich habe noch keine Frau gesehen die Ihren Blumen ein Glasszyilinder übergestülbt hat und den den Ästen die Grenze aufzuzeigen und somit weniger Aufwand zu haben Kinder begleiten heisst Gespräche führen, erklären und aufzeigen der Entscheidungen (Wege resultate)
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  • Kommentar von Eduard Ender (Soso)
    Alleine das Frau Garibovic als erstes Ritalin absetzt finde ich sehr gut. Ritalin macht unsere Kinder süchtig, dumm und vergiftet. Es gab Meldungen über 25 plötzliche Todesfälle (darunter 19 Kinder) und 54 nichttödliche kardiovaskuläre Ereignisse(darunter 26 Kinder), die unter der Einnahme von Ritalin beobachtet wurden. Die Zwischenfälle traten im Zeitraum von 1999 bis 2003 auf und sind in einem 2004 erstellten internen Bericht der FDA enthalten. Der Novartis ist das egal, Hauptsache Umsatz.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Zu viele, nicht geeignete, Persönlichkeits-und Charakterschwache PädagogenInnen, LehrerInnen, PsychologenInnen, etc, etc, welchen "verhaltensauffällige" Kinder und Jugendliche neben ihren unfähigen Eltern ausgesetzt sind!! Verhaltensauffällig, sind vor allem viele "Erwachsene", welche sich beerufsmässig um Kinder und Jugendliche kümmern!! Das muss sich auch ändern und dass zukünftig, die Eltern solcher Kinder einen entsprechenden Erziehungs- und Verhaltenskurs besuchen müssen !!
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