Diese 10 Insekten sollten Sie in Ihrem Garten haben

Ob ein Insekt gut oder schlecht ist, hängt ganz von der Betrachtungsweise ab. Für den Gärtner geht es meist darum, dass lästige Schädlinge wie Läuse oder Schnecken eingedämmt werden. Welche Insekten sich dafür am besten eignen und wie man sie anlockt, erklärt Fachmann Clemens Bornhauser.

SRF «Einstein»: Welche Aufgaben übernehmen Insekten im Garten?

Clemens Bornhauser: Ein Garten ohne Insekten ist gar nicht denkbar. Sie bestäuben. Sie helfen, dass der Boden ein lebendiger Organismus ist. Sie sind ein Bestandteil der Biodiversität und haben ganz viele regulierende Funktionen: Je grösser ihre Vielfalt ist, desto grösser ist auch die Chance, dass plötzlich ein Insekt dasteht und sagt: Halt, ich übernehme den Part und fresse diese neu eingewanderte Raupe. Wenn wir alles im Garten steuern müssten, was dort durch die Insekten passiert – nichts mehr würde funktionieren.

Die nützlichsten Insekten haben Sie in der Bildergalerie oben beschrieben – wie locke ich sie an?

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Warum Larven besser sind

Larven fressen wie wild, denn sie haben die Aufgabe, gross zu werden. Deshalb spielen sie in der Schädlings-Regulierung eine grössere Rolle als die erwachsenen Insekten.

Es kommt darauf an. Wenn Sie eine Dachterrasse haben, würde ich Ihnen empfehlen, in den Laden zu gehen und die Insekten oder Larven (siehe Box) zu kaufen. Wenn Ihr Garten allerdings im ländlichen Gebiet liegt, rate ich: Schauen Sie, was rundherum vorhanden ist, und versuchen Sie, die Insekten in Ihren Garten einzuladen.

Am einfachsten funktioniert das wahrscheinlich über Nisthilfen wie Wildbienen-Hotels oder Florfliegen-Häuser?

Natürlich funktionieren die. Auf der Dachterrasse können sie andererseits hunderte Marienkäfer-Häuser aufstellen. Wenn es dort keine Marienkäfer gibt, passiert gar nichts. An einem Ort mit vielfältigen Lebensräumen hingegen nehmen die Insekten diese Hilfe vielleicht gar nicht an, weil sie schon viele andere Unterschlüpfe haben. Grundsätzlich ist es immer gut, dem Garten mehr naturnahe Strukturen zu geben. Strukturvielfalt, das ist wissenschaftlich erwiesen, fördert ganz besonders die Insektenvielfalt – aber dazu braucht es Geduld.

Wie gebe ich mehr naturnahe Strukturen?

Totholz ist gut, irgendwelche Steinhaufen oder Mäuerchen mit Nischen bauen. Fugen nicht ausmörteln. Laub oder Fallobst liegen lassen und nicht alles sofort wegnehmen. Das Gras nicht am Stück schneiden, sondern Teile davon stehen lassen und vielleicht nur jedes dritte Mal schneiden. Das alles sind einfache Massnahmen, die sich in jedem Garten von heute auf morgen umsetzen lassen.

Das hört sich an, wie der Alptraum der meisten Schrebergärtner …

Viele Leute nehmen Strukturvielfalt als Unordnung war. Doch ein wenig Unordnung im Garten ist das, was die Insekten am nachhaltigsten fördert.

Gibt es bestimmte Pflanzen, die nützliche Insekten anlocken?

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Zur Person

Clemens Bornhauser ist gelernter Gärtner und Landschaftsarchitekt. Er arbeitete je zehn Jahre als Landschaftsarchitekt und am Institut für Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur der Technischen Hochschule Rapperswil. Seit 2010 leitet er bei Bioterra die Fachstelle Bio- und Naturgarten.

Am besten ist es, einheimische Wildpflanzen – also keine züchterisch veränderten – zwischen die anderen Pflanzen zu setzen. Natürlich gibt es ganz viele nicht-einheimische Pflanzen, die für die Insekten interessant sind. Aber wenn man die ganze Breite der Biodiversität fördern will, sind die standortgerechten, einheimischen Wildpflanzen unverzichtbar. Je nach Standort sind das zum Beispiel Storchenschnabel, Eselsdistel oder die ästige Graslilie, die noch dazu einen hohen Dekorationswert haben.

Wenn ich nun die Nützlinge in den Garten ziehe, kommen dann nicht auch die Schädlinge?

Nicht, wenn Sie es richtig machen.

Wo liegen denn die Fallstricke?

Zum Beispiel gibt es bei den Wildpflanzen den Schneeballstrauch, der Insekten anzieht. Das will man ja auch. Aber wenn der Strauch ganz isoliert steht, ist er irgendwann kahl gefressen. Da muss man eben noch andere Pflanzen drumherum setzen. Ein anderes Beispiel: Eine Zeitlang wurde der Natternkopf gerne für Schmetterlinge empfohlen, doch der kann sich rasend schnell vermehren. Ihn muss man unter Kontrolle halten. Das sind so die Fallstricke: Viele denken, das ist doch Natur, die überlassen wir sich selbst. Doch das funktioniert im Garten meistens nicht.

So ein Jahr ist lang – doch der Garten muss im Frühjahr für Insekten genauso attraktiv sein wie im Winter. Wie schafft man das?

Indem man im Herbst nicht alles herunterschneidet, sondern die meisten Pflanzen, auch wenn sie schon völlig verdörrt sind, erst im nächsten Frühjahr schneidet, wenn der neue Trieb folgt. Damit bietet man Unterschlupf und Winterruhe. Auch alte Obstbäume müssen nicht immer weggeschnitten werden, sondern dürfen verrotten. Bei der Insektenförderung gilt: Weniger ist immer mehr.

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