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Einstein Online Manchmal haben wir tatsächlich «Schiss» – und können nichts dafür

Manchmal ist es gut, sich aufs Bauchgefühl zu verlassen, schlechte Nachrichten müssen wir zuerst verdauen und Liebe geht durch den Magen. Weil Redensarten stets etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben, deutet vieles darauf hin: Unser Bauch denkt mit. Bis zur Überforderung.

Ein Löwe mit weit aufgerissenem Maul.
Legende: Darm denkt mit: Die Begegnung mit einem Löwen kann unterschiedliche Reaktionen auslösen. Reuters

Weil Redensarten stets etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben, deutet vieles darauf hin: Unser Bauch denkt mit. Fachleute sprechen denn auch gerne vom Bauch- oder Darmhirn. Erste Hinweise auf ein gehirnähnliches System im Darm gab es schon vor 100 Jahren, als Forscher Nervenfasern in der Darmwand entdeckten. Richtig Beachtung geschenkt wird den über 100 Millionen Nervenzellen, die unseren Darm durchziehen, aber erst seit wenigen Jahren.

Die Zellen bilden das sogenannte enterische Nervensystem. Es ist Teil des vegetativen Nervensystems, das alle automatischen Vorgänge in unserem Körper regelt. Auch das enterische Nervensystem arbeitet grundsätzlich autonom und steuert beispielsweise die Verdauung.

Darm kommuniziert mit Kopf

Dieses Darmhirn arbeitet aber nicht still vor sich hin, sondern ist ziemlich beeinflussbar von äusseren Reizen. Dann kommuniziert es mit dem Gehirn im Kopf – und zwar über die beiden anderen Teile des vegetativen Nervensystems, den Sympathikus und den Parasympathikus. Das berühmte Kribbeln im Bauch – seien es nun die Schmetterlinge bei Verliebten oder das mulmige Gefühl vor einer Prüfung – wird über diese Nervenstränge zwischen Kopf und Darm übertragen.

Die Auswirkungen dieser Kommunikation lassen sich an einem Beispiel gut beschreiben. Wenn wir plötzlich einem Löwen gegenüber stehen, haben wir zwei Möglichkeiten: Flucht oder Kampf. Der Sympathikus versetzt unseren Körper dazu in hohe Leistungsbereitschaft: Er sorgt dafür, dass unsere Muskulatur besser durchblutet wird, Puls- und Atemfrequenz steigen, Adrenalin wird ausgeschüttet. Ideale Bedingungen, um schnell wegzurennen.

Warum wir Schiss haben

Werden die Reize für unser Gehirn aber zu viel, ist der Sympathikus überfordert und er delegiert – so vermuten Wissenschaftler – einen Teil der Reizverarbeitung an den Parasympathikus. Nur: Der ist für andere Körperfunktionen verantwortlich. Er ist an der unwillkürlichen Steuerung der meisten inneren Organe beteiligt, also auch des Darms.

Und so kann es passieren, dass wir angesichts des Löwen weder in der Lage sind zu fliehen, noch fähig zu kämpfen – sondern schlicht und einfach vor Angst und Stress in die Hose machen...

1 Kommentar

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  • Kommentar von B. Rosenberg, 8493 Saland
    So ein Schwachsinn: Die Angst gehört zu den 4 Grungefühlen und dank ihr gibt es uns nach den millionen von Jahren noch. Zu dem Bauchgefühl stehen, heisst vielfach eine andere als die gängige Meinung zu haben und das macht bekanntlicherweise Schiss. Aber heutzutage wird ein so wichtiges Gefühl wie die Angst mit Psychopharmaca wegbehandelt, anstatt zu lernen, uns dieser zu stellen. Darum scheissen wir vor einem Löwen in die Hose, anstatt wegzurennen.
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