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Der Steg eines Strandbades führte 2003 über trockenen Seeboden in den Bodensee.
Legende: Ebbe im Bodensee: Im Sommer 2003 lag der Seegrund frei. Im Hitzesommer 1540 soll sogar die Insel Lindau zu Fuss erreichbar gewesen sein. Keystone
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Einstein Online Mega-Dürre – Europas grösste Katastrophe

Bei Dürren wird oft der Vergleich mit dem Rekordsommer von 2003 herangezogen, der in Europa 70‘000 Opfer forderte. Aber der Hitzesommer war nur ein Vorgeschmack dessen, was uns erwarten könnte. Das zeigen Aufzeichnungen von 1540, als die Schweiz eine Mega-Dürre mit katastrophalen Folgen erlebte.

«Alle 250 Jahre müssen wir mit einer Mega-Dürre rechnen», sagt Christian Pfister. Der renommierte Umwelthistoriker arbeitet derzeit an einer Studie, die skizziert, wie es aussähe, würde ein solches Extremereignis heute die Schweiz treffen: «Die Wasserknappheit wäre enorm und die Wasserkraft stark reduziert. Wir hätten ein Energieproblem. Auch das Kühlwasser für die Atomkraftwerke könnte knapp werden», berichtet Pfister von seiner aktuellen Forschungsarbeit. «Der Schifffahrtshandel käme zum Erliegen. Und wir müssten uns Sorgen wegen Epidemien machen, weil die Klärung der Abwasser nicht mehr gesichert wäre».

Diese möglichen Auswirkungen seien durchaus realistisch, sagt Markus Hohl vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz. «Trockenheit ist ein massiv unterschätztes Risiko» führt Hohl weiter aus und verweist gleichzeitig auf eine Studie des Bundes, Link öffnet in einem neuen Fenster (siehe Box), welche die Auswirkungen einer Dürre beschreibt.

Pfisters Szenario basiert auf Fakten aus dem Jahr 1540. Damals traf eine Mega-Dürre ganz Europa, wenn man den Chronisten glaubt, die Pfister und sein Team an der Uni Bern ausgewertet hat. «Es herrschte Hitze und Trockenheit von der Toskana bis nach London» heisst es unter anderem. Die «grossen Flüsse führten nur noch 15 Prozent ihrer normalen Wassermenge». Der Rhein war «so klein, dass man zu Fuss durchging» und «im ausgetrockneten Bodensee suchten die Menschen römische Münzen», zitiert Pfister verschiedene Chronisten. Die Forscher haben europaweit Berichte von 300 Zeitzeugen ausgewertet und sie alle zeichneten ein ähnliches Bild. Die Dürre dauerte demnach elf Monate.

Studie löste Diskussionen aus

Wie präzise diese mündlichen Übererlieferungen sind, ist derzeit Gegenstand von Diskussionen. Denn kein Klimamodell hat es bisher geschafft, diese Mega-Dürre darzustellen und aus natürlichen Klimaarchiven ist das Jahr 1540 als solches Extremereignis bislang nicht bekannt.

Ein solches Archiv sind Jahrringe bei Bäumen, die ein durchaus verlässlicher Indikator dafür sein können, wie die Klimabedingungen während vergangener Wachstumsperioden waren. «Eine elfmonatige Dürreperiode würde sich im Jahrringmuster wiederspiegeln », sagt Ulf Büntgen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf. Büntgen hat zwar Anzeichen für weniger Niederschlag während der Vegetationsperiode von 1540 gefunden, aber nie in dem von historischen Quellen beschriebenen Ausmass.

Doch auch Jahrringe haben in ihrer Aussagekraft Unsicherheiten, denn ihr Wachstum wird neben dem Klima durch unterschiedlichste Faktoren beeinflusst und unterliegen saisonal schwankenden Wachstumsperioden. «Es könnte sein, dass die Dürre von 1540 erst im Sommer, als das Baumringwachstum schon abgeschlossen war, so richtig einsetzte», sagt Büntgen. Dieses Phänomen kennt man aus dem Jahr 2003. Der Rekordsommer, der von Juni bis August dauerte, zeigte sich in den Baumringen kaum. «Die Extreme von 2003 und 1540 könnten also ähnlich verlaufen sein», so Büntgen.

Kaum Trinkwasser und Waldbrände

Die Studie von Christian Pfister geht davon aus, dass 1540 nur ein Drittel des normalen Jahresniederschlages fiel. «Der Viehbestand wurde arg dezimiert. Die Tiere hatten nichts zu trinken», erläutert der Umwelthistoriker «und auch das Trinkwasser wurde knapp».

Zwei Kühe stehen in einerm ausgetrockneten Flussbett.
Legende: 2003 war ein Vorgeschmack: Damals erlitt der EU-Agrarsektor Produktionseinbussen und die Kapazitäten vieler Flusskraftwerke war reduziert. Keystone

Der Luzerner Chronist Hans Salat beschrieb damals, wie Menschen in ausgetrockneten Flussbetten kleinerer Flüsse nach Wasser gruben. «Selbst in anderthalb Metern fanden sie keinen Tropfen», so der Zeitzeuge. Dann kamen die Waldbrände. Von Polen bis an die Atlantikküste gingen Wälder und Büsche in Flammen auf. Das Feuer zerstörte auch viele der eng gebauten Städte und Siedlungen. Wochenlang war ganz Europa in Rauch eingehüllt, sagen die Chroniken.

«2003 war schon heftig aber 1540 war noch viel extremer», ist Pfister überzeugt. Solche Extremereignisse passieren offensichtlich auch ohne die menschgemachte Klimaerwärmung. Doch die Klimaforscher warnen. Mit der Klimaerwärmung könnten sie in Zukunft häufiger vorkommen.

Szenario: Mega-Trockenkeit

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Die Studie unterscheidet erhebliche, grosse und extreme Trockenheit. Schon bei grosser Trockenheit wird mit folgenden Auswirkungen gerechnet: Notschlachtungen von Vieh, eingeschränkte Stromproduktion, schwierige Trinkwasserversorgung (einzelne Quellen versiegen), Bevölkerung reagiert mit Hamsterkäufen von Trinkwasser, Waldbrände, Tourismus leidet.

Sendung zum Thema:

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Während die Menschen 1540 unter einem Extremsommer litten, bescherte der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1815 ein Jahr ganz ohne Sommer: Mehr im TV-Beitrag von «Einstein».

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Ende , Zürich
    Ein Lob auf die Wissenschaft, die sich nicht vor den Karren der Manipulation zerren lässt. Herzlichen Dank an Christian Pfister, der die gesichteten Fakten sorgfältig einem grösseren Publikum offenbart. Keine leichte Aufgabe, aber dringend notwendig. Die Menschen brauchen Wahrheit !
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    1. Antwort von Heinz Weinigner , Lyss
      Die gesichteten Fakten veröffentlicht er nicht, nur seine Resultate -- dies ist alles andere als 'wissenschaftlich'. Zudem ist seine Arbeit durch öffentliche Gelder von Kanton und Bund finanziert, da sollten die Daten für andere Forscher und Bundesämter zugänglich sein. Bis heute wartet man darauf.
    2. Antwort von helene kaiser , karlsruhe
      ok
  • Kommentar von Rudolf von Rohr , Ziefen
    Was da Professor Pfister historisch belegt und für die kommende Zukunft hochrechnet muss ernst genommen werden. Doch leider ist das kurzfristige Denken und Handeln in unserer vernetzten Gesellschaft mitverantwortlich, dass wir die kummulierenden Rückkopplungen der Klimaerwärmung unterschätzen. Und die so notwendigen Vorbeugungsmassnahmen werden nach wie vor zuwenigen überlassen. A. Rudolf von Rohr RVR-CFC
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    1. Antwort von M. Roe , Gwatt
      Rohr: Ich bin überzeugt, dass man heute die Hiobsbotschaften von Wissenschaftlern, Professoren, oder Politikern nicht mehr glaubt. Zu viel wird geschönt, um Bekanntheit gebuhlt und manchmal sogar beihnahe über Leichen gegangen, um Ansehen zu erlangen. Das sind die Folgen von Unwahrheiten und Schummeleien.
  • Kommentar von Margot Bürcher , hergiswil
    bereits seit längerer Zeit ist erwiesen, dass uns Menschen nicht die Wahrheit über die Vergangenheit erzählt wird. Ein Umdenken muss endlich statt finden. Quelle; 'Tiefe Wahrheiten' von Gregg Braden.
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    1. Antwort von christine albrecht , 10557berlin
      an diesen wenigen komentaren sieht man schon, wie wenige sich überhaupt dafür interessieren. wir haben im sommer den splügenpass mit dem nur noch halb so großen bergsee gesehen, schlimm er nur noch 2/3tel sichtbar. der lago como hatte 50cm an tiefe verloren. menschen kommen zumindest immer erst dann und dann nur für eine gewisse zeit zur besinnung und zwar nur dann, wenn sie trauern und beerdigen müssen. dann wird schnell vergessen. eigentlich ganz schön übel. christine albrecht