Satelliten-Panne wird zum Glücksfall für Forscher

Die zwei Galileo-Satelliten, die im August 2014 ins All gebracht wurden, umrunden zwar die Erde – allerdings in ellyptischen Bahnen statt auf der geplanten Kreisbahn in 23'000 Kilometern Höhe. Die Panne des europäischen Navigationssystems wird nun zum Glücksfall für die Forschung.

Grafische Darstellung eines Galileo-Satelliten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wissenschafts-Recycling: Statt Navigationsdaten liefern zwei Galileo-Satelliten Nachweise für den Einfluss der Schwerkraft auf die Zeit. Esa

Claus Lämmerzahl vom Bremer Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation freut sich: Er darf die Daten der mit hochpräzisen Atomuhren ausgestatteten Galileo-Satelliten nutzen, um eine zentrale Vorhersage von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie nachzuweisen: dass Gravitation den Gang der Zeit beeinflusst.

Durch die ellyptische Bahn ändert sich der Abstand der beiden Satelliten zur Erde regelmässig von 17'500 auf 25'000 Kilometer. Das wiederum beeinflusst ihre Zeitmessung: Je weiter weg von der Erde, desto schneller gehen die Uhren, da die Schwerkraft der Erde schwächer wirkt.

1978 zeigte das bisher genaueste Experiment, dass eine mit einer Rakete auf 10'000 Kilometer Höhe geschossene Uhr schneller läuft als eine identische auf der Erde: Bis auf die vierte Nachkommastelle stimmte das Ergebnis mit Einsteins Vorhersage überein. Lämmerzahl möchte es nun auf die fünfte Nachkommastelle schaffen.

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9:10 min, aus Einstein vom 19.12.2013