Sind Braunbären wirklich putzig?

Ein flauschiges Fell, ruhige Bewegungen: Der Braunbär weckt Kuschelträume - und erfüllt sie in Gestalt des Teddys, der durch Trickfilme tanzt und Kinder tröstet. Doch seit Bären wieder einwandern, ist offenkundig: Sie haben keine Teddyqualitäten.

Die Bärenmutter Björk säugt ihre Jungen Urs und Berna im Bärenpark in Bern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Björk und die Babys: Die Bärenmutter säugt ihre Jungen Urs und Berna – eine Attraktion im Bärenpark im Bern (Aufnahme vom April 2010). Keystone

Im Wildnispark Zürich-Langenberg leben Ursus und Barba. Die beiden Braunbären haben diesen Frühling Junge bekommen. Barba kümmert sich rührend um sie, schubst sie sanft zum Futter, putzt sie mit waschlappen-grosser Zunge. Hach! So putzig, dass das jüngere Publikum weint, wenn die Mütter zum Aufbruch drängen. Die Lektion: Was sind doch Bären für gutmütige Tiere! Darum fehlen sie als Teddy ja in keinem Kinderbett. Doch wie steht es wirklich um ihr Schmusepotential?

Der Braunbär: Ein gutmütiger, drolliger Geselle?

4:15 min, aus Einstein vom 6.6.2013

Seit 2005 erstmals seit über 100 Jahren ein Bär die Schweiz beehrte, wurde die Wahrheit offenbar: tote Schafe und verschreckte Dorfbewohner wie zu früheren Zeiten. Und trotz «Vergrämung» mit Schüssen zeigt der Braunbär keine Scheu. Als eines der grössten Landraubtiere hat er in seiner Entwicklungsgeschichte gelernt, dass er keine Feinde hat. Dass der Mensch die einzige Ausnahme ist, weiss er nicht. Obwohl er gerade in Europa unter Menschen litt: Sie hetzten ihn Jahrhunderte lang zu Tode, verhöhnte ihn in Arenen, quälte ihn mit dem Nasenring.

Die Erinnerung an Raubzüge verblasste

Der Mythos vom Kuschelbären entwickelte sich in der Schweiz erst so richtig, nachdem der letzte Bär 1904 getötet worden war. An das Raubtier erinnerten sich nur noch ältere Bergbewohner, die erlebt hatten, wie ihre Väter das tote Vieh beweinten. Danach kannte man den Bär aus dem Zoo und aus Märchen, in denen er oft eine freundliche Rolle spielt.

Wie fatal diese Einschätzung ist, erfuhr ein Angestellter des Restaurants im Wildnisparks Zürich-Langenberg. Im Glauben, der Bär und er seien Vertraute, setzte er sich neben ihn. Der Bär blieb ruhig, doch als er das Tier streichelte, bekam er einen Schlag. Seitdem ist ein Arm des Mitarbeiters schwer geschädigt. Ein Bär ist eben kein Teddy; er ist und bleibt eine Gefahr.

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