Was macht der Klimawandel mit den Meeren?

Dass die prognostizierte Erwärmung für das Leben auf der Erde Folgen haben wird, gilt als gesichert. Doch Forscher haben neu berechnet, wie schwerwiegend sie sind. Und wie schnell sie eintreten.

In einer Regierungssitzung unter Wasser unterzeichnete der Fischereiminister der Malediven in einem Taucheranzug einen Aufruf an die Welt, den CO2-Ausstoss zu senken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Plakative Warnung: Im Oktober 2009 unterzeichnete der Fischereiminister der Malediven einen Aufruf an die Welt, den CO2-Ausstoss zu senken. Keystone

Die Entwicklung verlaufe schneller als gedacht, warnt ein internationales Forscherteam. Der Klimawandel wird demnach bis 2100 fast jede Region der Ozeane erfassen. Infolge des Treibhausgas-Ausstosses, so die Wissenschaftler im Fachblatt «PLOS Biology», werde das Wasser an der Meeresoberfläche wärmer, saurer, und sauerstoffärmer.

Die Forscher um Camilo Mora von der Universität Hawaii hatten unter Berücksichtigung aktueller Klimaprognosen biologische und sozioökonomische Daten analysiert. Ihre Arbeit stützten sie vor allem auf Modelle, die im Zusammenhang mit dem 5. Weltklimareport des Uno-Klimarats entwickelt wurden. Dabei gingen sie von zwei Szenarien aus: einem «Weiter-wie-gehabt»-Modell, bei dem die Kohlendioxid-Werte in der Atmosphäre noch ansteigen, und einem Modell, bei dem der CO2-Ausstoss drastisch reduziert wird.

Folgen für Hunderte Millionen Menschen

Unter beiden Annahmen ergab die Auswertung, dass sich nahezu die gesamte Oberfläche der Weltmeere verändern dürfte. Allerdings fällt das Ausmass regional unterschiedlich aus. So werde das Wasser in tropischen Regionen weniger schnell saurer und in der gemässigten Zonen falle der Temperaturanstieg geringer aus. Dann berechneten die Forscher, welche Lebensräume am stärksten betroffen sind.

Grundsätzlich sollen die Folgen in der Tiefsee demnach geringer sein; flache Gewässer dürften stärker leiden – also auch Korallenriffe und Mangroven. Auch dort, wo Krill, Tintenfische, Wale und Robben häufig vorkämen, seien grosse Veränderungen zu erwarten. Die Menschen blieben von den Folgen nicht verschont, schreiben die Forscher. Zwischen 470 und 870 Millionen der ärmsten Menschen der Welt seien auf die Ozeane als Nahrungslieferant oder Einnahmequelle angewiesen.