Wieso reizt Tränengas?

Zurzeit liest man das Wort «Tränengas» oft in den Schlagzeilen. Die Bilder der Rauchschwaden auf dem türkischen Taksim-Platz und der «Tanz dich frei»-Demo in Bern sind uns präsent. Was steckt hinter dem Gas, das eigentlich gar keines ist?

Taksim-Platz in der Türkei: Die Polizei setzt grossflächig Tränengas ein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Taksim-Platz in der Türkei: Die Polizei setzt grossflächig Tränengas ein. Um die körperlichen Reaktionen zu bekämpfen, hilft vor allem Wasser. Reuters

Der Einsatz von Tränengas hat zum Ziel, Menschen handlungsunfähig zu machen. Wird der chemische Wirkstoff in die Augen gesprüht oder atmet man ihn ein, beginnt das Tränengas die Nerven und Schleimhäute zu reizen. Der Körper wehrt sich mit heftigen Reaktionen, wie zum Beispiel tränenden Augen, starkem Husten, Brechreiz oder Atemnot.

Im Einsatz in Istanbul: Tränengas und Wasserwerfer

0:39 min, vom 1.6.2013

Heute kommen zwei Stoffe als Tränengas zum Einsatz: Chloracetophenon (CN), das häufig Wasserwerfern beigemischt wird, oder 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril (CS), das hauptsächlich in verdampfender Form eingesetzt wird – auf den Bildern meist erkennbar an den weissen Rauchschwaden. Dabei ist der Name Tränengas eigentlich verwirrend, denn es handelt sich nicht um ein Gas, sondern um ein künstliches Aerosol – eine Mischung von festen und gasförmigen Bestandteilen, wie zum Beispiel bei einem Haarspray.

Immer öfter wird auch Pfefferspray benutzt. Er besteht nicht aus Pfeffer, sondern aus einem Wirkstoff namens Oleoresin Capsicum. Diesen gewinnt man aus Chillipflanzen. Der Pfefferspray lässt sich im Gegensatz zu Tränengas gezielter einsetzen, ohne grosse Flächen zu vernebeln.