Woher kommt die Redensart «Weise Eule»?

Die Eule verrichtete laut der Überlieferung einst die Arbeit der römischen Göttin der Weisheit. Doch eigentlich wären andere Vögel besser geeignet gewesen.

Portrait einer Eule, die ein wenig arrogant ausschaut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Eule mit «Fünfmalklug-Blick»: Durch ihre äussere Erscheinung wirkt sie besonders klug. Keystone

Die Eulen sollen die Weisheit für sich gepachtet haben. Sie handeln klug und wohlüberlegt. Mit stoischer Ruhe sitzen die Federtiere auf ihren Ästen. Ihr äusseres Erscheinungsbild wirkt menschlich. Sie besitzen ein ähnliches Antlitz wie Menschen, mit Augenbrauen und Augen, die vorne im Gesicht auf einer Fläche liegen. Das alles lässt sie sehr erfahren und weise aussehen – doch trifft das wirklich zu?

Schon indianische Urvölker hielten die Tiere für voraussehend. In der griechischen Antike wiederum intepretierte man ihr gutes Gehör und ihr scharfes Sehvermögen als Ausdruck scharfen Verstandes. Und Minerva, die römische Göttin der Weisheit, soll die Führung ihrer Geschäfte auf die Eule übertragen haben. Sie glaubte, die Augen der Vögel durchbohrten die Dunkelheit des Nichtwissens.

Die weise Eule

3:35 min, aus Einstein vom 27.1.2011

Trotz dieser Mythen und ihres klugen «Blicks»: Die Eule ist keineswegs weise. Sie besitzt zwar eine besonders eindrückliche Technik, um in der Nacht erfolgreich zu jagen (siehe Video links). Doch das ist das Verdienst der Evolution. Und Krähen gelten als viel klüger: Sie eigneten sich findige Techniken an, wie Nüsse auf die Strasse zu werfen, damit ein Auto die Nuss überfährt und somit knackt.