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10 Jahre Youtube Geld und Gewissen bei Youtube

Mit Youtube lässt sich viel Geld verdienen. Doch wenn es um Produktplatzierungen geht, nehmen es die Stars des Portals mit Schleichwerbung nicht immer so genau. Noch fehlen die Standards, wie mit diesem Problem umzugehen ist. Und Youtube selbst hat wenig Interesse daran, solche Regeln durchzusetzen.

Ein Couvert mit Dollarnoten, auf denen das Youtube-Logo steht.
Legende: Youtube-Stars gelten bei ihrem Publikum als besonders glaubwürdig. Die Werbeindustrie will sich das zu Nutze machen. Flickr/Chris Potter/Fotomontage: SRF

Vor gut einem Jahr hat die Webseite Business Insider ausgerechnet, welche Youtube-Stars mit ihren Videos am meisten verdienen. Allein die Einkünfte der Top 3 – PewDiePie, Link öffnet in einem neuen Fenster, BluCollection ToyCollector, Link öffnet in einem neuen Fenster und DC Toys Collector, Link öffnet in einem neuen Fenster – schätzte sie dabei auf zusammengerechnet über 10 Millionen Dollar im Jahr. Und diese Zahl beinhaltet nur die unmittelbaren Werbeeinnahmen. Einkünfte durch Sponsoring oder den Verkauf von Merchandising kommen noch dazu.

Youtube beteiligt Video-Produzenten mittels einem Partnerprogramm, Link öffnet in einem neuen Fenster an den Einnahmen durch Werbung. Dabei gibt es unterschiedliche Werbeformen: Reklame, die vor dem eigentlichen Video eingespielt wird. Oder unten am Video platzierte Banner. Je nach Form der Reklame werden zwischen 60 Cent bis 5 Dollar pro 1000 Videostarts fällig. Von dem Geld bleiben 45 Prozent bei Youtube. Der Rest wird an die Produzenten weitergeleitet.

Schleichwerbung für Kekse

Für einen Youtube-Superstar wie etwa PewDiePie, von dem einzelne Videos bis zu 60 Millionen angeschaut werden, kommt so einiges zusammen. Und für die Werbeindustrie sind die Youtube-Stars attraktive Aushängeschilder. Denn sie gelten bei ihrem – meist jugendlichen Publikum – als besonders glaubwürdig.

Das ist bei traditionellen Werbeträgern wie Sportlern oder Filmstars kaum mehr der Fall: Niemand glaubt ernsthaft, dass George Clooney auch privat ein begeisterter Nespresso-Trinker ist, nur weil er in einem Werbespot von den Kaffeekapseln schwärmt. Wenn ein Youtube-Star hingegen ein Produkt lobt, gehen viele Zuschauer davon aus, dass er es aus echter Begeisterung tut.

Das Vertrauen in die Integrität der Youtuber öffnet die Tür für Sponsoring-Deals mit heimlichen Produkte-Platzierungen und Schleichwerbung. Bereits haben einige Fälle für Aufmerksamkeit gesorgt: Microsoft etwa soll Youtube-Stars heimlich dafür bezahlt haben, die Spielkonsole Xbox One zu promoten, Link öffnet in einem neuen Fenster. Auch der Game-Riese Electronic Arts soll Youtuber dafür bezahlen, positiv über bestimmte Games zu berichten, Link öffnet in einem neuen Fenster.

In England liess ein Keks-Hersteller heimlich Geld fliessen, Link öffnet in einem neuen Fenster, damit Youtuber seine Produkte loben. Und das deutsche Comedy-Trio Y-Titty soll auf seinem Kanal Produkte bestimmter Firmen , Link öffnet in einem neuen Fenstergezeigt haben, ohne dass genügend auf die kommerzielle Zusammenarbeit hingewiesen wurde. Vereinzelt machten die Werbetreiber den Youtubern auch explizite Vorgaben, solche Werbe-Deals zu verheimlichen.

Anfällig für Avancen der Werbewirtschaft

Die Abgrenzung zwischen redaktionellen und gesponserten Inhalten ist bei Youtube-Machern also nicht so ausgeprägt, wie man sich das als Zuschauer wünschen würde. Und vielen Youtubern scheint das Bewusstsein für die Problematik dieser Vermischung ganz zu fehlen. Allerdings: Auch traditionelle Medien sind in dieser Hinsicht nicht immer Musterknaben. Man denke etwa an Publireportagen, Link öffnet in einem neuen Fenster in Zeitschriften oder Native Advertising, Link öffnet in einem neuen Fenster im Internet.

Im Gegensatz zu grossen Medienhäusern fehlt den einzelnen Youtubern allerdings ein Apparat im Rücken, der sie in Rechtsfragen berät und nötigenfalls an die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien erinnert. Es ist nicht klar, ob den Machern überhaupt bewusst ist, wenn sie mit einem Video die Regeln gegen Schleichwerbung ritzen.

Wettstreit um die grössten Namen

Und Youtube selbst hat wenig Interesse daran, die Arbeit seiner bekanntesten Videoproduzenten zu stark zu regulieren. Die Videoplattform ist auf Stars wie PewDiePie angewiesen, deren Fans regelmässig zu Youtube zurückkehren, um sich die neusten Videos anzuschauen. Andere Youtube-Konsumenten besuchen die Seite dagegen nur sporadisch. Etwa wenn sie dem Link zu einem bestimmten Video folgen.

So ist um die grössten Namen mittlerweile eine Art Wettstreit entstanden. Andere Plattformen versuchen, die Stars von Youtube abzuwerben, Link öffnet in einem neuen Fenster. Grösste Konkurrenten sind derzeit Facebook (nach Youtube die grösste Videoplattform der Welt) und das Startup Vessel, das Youtube-Grössen mit lukrativen Verträgen lockt.

Youtube antwortet darauf, indem es seinen zugkräftigsten Pferden langjährige Verträge und Bonuszahlungen anbietet oder sie bei der Herstellung von Videos unterstützt. Unter der Bedingung, dass sie ihre Videos für einen bestimmten Zeitraum exklusiv bei Youtube veröffentlichen.

Youtuber in einer Position der Stärke

Youtubes grösste Stars sind sich ihrer Marktmacht durchaus bewusst. Das mussten auch Vermarktungsfirmen merken. Solche Unternehmen betreuen dutzende grosser Youtube-Kanäle und unterstützen die Macher in Sachen Produktion und Vermarktung. PewDiePie etwa liess sich mit Hilfe eines Anwalts aus seinem Vertrag mit dem Machinima-Netzwerk befreien, um zum Rivalen Maker Studios zu wechseln – nur um Ende letztes Jahr mit einem kompletten Alleingang zu drohen, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Auch Mediakraft, Link öffnet in einem neuen Fenster, das grösste Youtube-Netzwerk im deutschsprachigen Raum, musste einige Abgänge verkraften. Zuletzt den des Comedy-Trios Apecrime, Link öffnet in einem neuen Fenster, dessen Kanal hat über 2 Millionen Abonnenten hat. Zuvor schon hatten sich die Youtuber LeFloid, Link öffnet in einem neuen Fenster (2,3 Millionen Abonnenten) und Simon Unge, Link öffnet in einem neuen Fenster (1,3 Millionen Abonnenten) von Mediakraft getrennt.

Letzterer beklagte sich in einem Abschiedsvideo, Link öffnet in einem neuen Fenster lautstark über die mangelnde Unterstützung seitens des Netzwerks und eröffnete auf eigene Faust einen neuen Kanal. Noch bevor dort überhaupt ein Video hochgeladen war, hatten ihn schon 300'000 Leute abonniert.

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