Das Handy als Kreditkarte

Zahlen wir unsere Supermarkteinkäufe bald mit dem Handy? In der Schweiz bereiten Telekomfirmen und Banken die Lancierung der neuen Bezahlart vor. Die virtuelle Kreditkarte schürt jedoch auch Ängste um die Sicherheit.

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Bezahlen mit dem Smartphone: Risiken und Chancen

7:41 min, aus Einstein vom 17.1.2013

Zahlen mit dem Handy soll noch in diesem Jahr auch in der Schweiz möglich sein. Statt die Kreditkarte durch ein Lesegerät zu ziehen, reicht es zukünftig, das Smartphone an ein entsprechendes Terminal zu halten und schon sind die Einkäufe abgebucht – bis 40 CHF ganz ohne Pin-Code. Detailhändler wie Coop und Migros planen, ihre Bezahlterminals noch 2013 umzurüsten. Auch die Zürcher Verkehrsvertriebe wollen auf die neue Bezahlmethode umstellen.

Zahlen über Funkwellen

Die Technologie, die dies ermöglicht, heisst Near Field Communication (NFC). Via Funkwellen werden Daten im Nahfeld kontaktlos ausgetauscht, über Distanzen von wenigen Zentimetern. Die Kreditkarteninformationen werden auf der SIM-Karte des Handys gespeichert, auch die Transaktionen werden über diesen Chip abgewickelt.

Voraussetzung ist ein Smartphone, das mit einer NFC-Antenne ausgerüstet ist. Noch verfügt nicht jedes Handy über diese Technologie. Apple zum Beispiel hat beim iPhone 5 darauf verzichtet. Hingegen soll das Nachfolgemodell NFC-fähig sein, wird gemunkelt.

Schwachpunkt Sicherheit

Der Telekomkonzern Sunrise und die UBS arbeiten unter Hochdruck daran, die NFC-Technologie für den Markt fit zu machen. «Die Sicherheit ist enorm wichtig. Da dürfen wir uns keinen Fehler leisten», sagt der UBS-Informatiker Jean-Paul Koelbi gegenüber der Sendung «Einstein».

Wie sicher ist diese virtuelle Kreditkarte? Gemäss UBS «sehr sicher», denn SIM-Karte und NFC-Antenne sind über eine spezielle Schnittstelle verbunden, das sogenante Single-Wire-Protocol. Es steuert die Verbindung zwischen SIM-Karte und dem NFC-Chip im Mobiltelefon. «Die SIM-Karte hat ein eigenes Betriebssystem und die Daten darauf sind doppelt verschlüsselt: einmal von der Bank und einmal vom Telekomkonzern», erläutert Koelbl.

Google-Wallet gehackt

Die Erfahrung zeigt jedoch ein anderes Bild. Wenn es um Geld geht, sind Hacker nicht weit. «Es gab kürzlich einen erfolgreichen Angriff auf das Handybezahlsystem von Google», sagt NFC-Experte Dominik Gruntz von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Das Sicherheitsloch bei Google wurde inzwischen gestopft, aber der Fall ist exemplarisch für die Gewandtheit der Hacker. Er zeigt, dass die Hersteller solcher Systeme den Hacker-Angriffen immer hinterher hinken.

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Dominik Gruntz über die Sicherheit beim Zahlen mit Handy

0:58 min, vom 15.1.2013

Trotz aller Sicherheitsbedenken sind die Betreiber des Handy-Bezahlsystems überzeugt, dass NFC das «neue grosse Ding» für Handys wird. Pilotversuche in mehreren französischen Städten haben gezeigt, dass die Technologie gute Chancen hat. «Dass Apple NFC bislang nicht unterstützt ist zwar ein kleiner Rückschlag, aber es wird den Durchbruch der Technologie nicht aufhalten», ist Jean-Paul Koebl von der UBS überzeugt.

Die Technik wäre eigentlich bereit. Derzeit wird noch das genaue Geschäftsmodell ausgearbeitet: Sunrise vermietet Platz auf der SIM-Karte an Kunden wie die UBS. Auf diese Weise schneidet sich der Telkomriese ein Stück vom NFC-Kuchen ab.