Die Schweiz will hoch hinaus

Noch nie gab es so viele Hochhausprojekte in der Schweiz. Wohnen und arbeiten in der Höhe ist wieder en vogue. Doch je höher die Türme, desto höher auch die Preise.

Toniareal im Bau Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Schweizer Städten wird gebaut – hier im Zürcher Toni-Areal. srf

Aussicht zu kaufen! In einer Zeit, in der die wirtschaftliche Lage eher unsicher ist, boomt in der Schweiz der Hochhausbau. Initialzündung war die Aufwertung ehemaliger Industrieareale, wie etwa in Zürich West. Dort stehen heute der Prime- und der Mobimo-Tower Schulter an Schulter.

Derzeit sind in der Schweiz 140 bis 160 Hochhäuser in Planung, das zeigt eine Erhebung der Immobilienberatungsfirma «Wüest und Partner». Laut Martin Hofer, einem der Immobilienberater, ist es heute wieder chic in der Grossstadt im Hochhaus zu wohnen: «Am liebsten weit oben, wo man über die Anderen hinwegschauen kann», sagt er. Auch Firmen zeigen Interesse an luftigen Büroräumen. Ein Geschäftshaus als Leuchtturm ist attraktiv, ein Logo in der Höhe wird nicht so leicht übersehen. Es geht um Branding und Prestige.

Video ««Hochhäuser dienen dem Branding», weiss Andres Janser» abspielen

«Hochhäuser dienen dem Branding», weiss Andres Janser

0:17 min, vom 8.11.2012

Verpönte Wohnsilos

Das war nicht immer so. In den 1960er Jahren, der ersten Hochhausschwemme in der Schweiz, sollten Wohntürme den Druck auf günstigen Wohnraum in den städtischen Zentren auffangen. Doch die Türme am Rand der Städte waren seit je umstritten und verpönt: Sie würden den ländlichen Charakter der Agglomeration zerstören. Rund 25‘000 Menschen leben in der Schweiz noch in den Agglo-Türmen von damals. In den 80ern erreichte der Widerstand gegen diese Wohntürme seinen Höhepunkt. Vielerorts wurden für den Hochhausbau restriktive Bauordnungen erlassen, 1984 erwirkten Kritiker sogar einen Hochhausstopp in der Innenstadt von Zürich.

Seit Ende der 90er tauchen Hochhäuser wieder vermehrt in den Plänen von Architekten und Investoren auf. Der Grund ist aber nicht eine möglichst effiziente Nutzung des Baulandes. Sie folgen vielmehr einem gesellschaftlichen Trend, dem Comeback des urbanen Lebensstils.

Wer oben wohnen will, braucht Geld

Heute sind Hochhäuser teure Prestigeprojekte und für Investoren eine heikle Wette. Es gilt, Käufer zu finden, die bereit sind, 20 Prozent «Turmprämie» zu zahlen. «Der Hochhausbau ist deutlich teuer als der Bau eines normalen Hauses. Es gibt mehr Sicherheitsvorschriften, auch Fluchtwege und Brandschutz verteuern einen Hochhausbau. Ebenfalls Kostentreiber sind schwere Tragstrukturen und aufwendige Ingenieurleistungen», so Martin Hofer. All diese baulichen Massnahmen werden für Investoren zum Risiko.

« Je mehr Aussicht, je weiter oben, desto teurer kann man eine Wohnung verkaufen. »

Um genügend solvente Käufer zu finden, versuchen Investoren zu diversifizieren. Heute sind ein 5-Sterne-Hotel und Wohnungen im Mobimo-Tower in Zürich vereint. Detailhandel, Wohnungen, Büros und Hotel im Churer City West. Leisten können sich das Wohnen und Arbeiten mit urbaner Aussicht nur ganz wenige.

Video ««Je höher desto teurer gilt für das Wohnen im Hochhaus», sagt Martin Hofer» abspielen

«Je höher desto teurer gilt für das Wohnen im Hochhaus», sagt...

0:30 min, vom 8.11.2012

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 08.11.2012 21:00

    Einstein
    «Einstein»-Spezial: Die Schweiz wird zugebaut

    08.11.2012 21:00

    Pro Sekunde verschwindet in der Schweiz ein Quadratmeter Kulturland. Die Bevölkerung wächst und der Platzbedarf für Wohnen und Verkehr steigt stetig. Wie können wir Dörfer und Städte planen, ohne dass Lebensqualität und Landschaft Schaden nehmen? «Einstein» zeigt Rezepte und Visionen.