Ein Liter Licht

Die Pet-Flasche ist ein Tausendsassa. Besonders in Entwicklungsländern leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Lebensstandards. Nicht nur als Trinkflasche, sondern auch als Gratis-Alternative zur Glühbirne.

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Billiges Licht: Sonnenlampen aus Pet-Flaschen

2:07 min, aus Einstein vom 29.11.2012

Ein Armenviertel in Manila: Der berühmte philippinische Schauspieler Illac Diaz kniet am Boden, füllt eine leere Pet-Flasche mit Wasser und gibt etwas Bleichmittel dazu. Dann klettert einer der Helfer aufs Dach einer Wellblech-Hütte und montiert die Flasche. Die obere Hälfte ragt zum Dach heraus, die untere verschwindet im Innern der Hütte. Und dort tut sich prompt etwas: Die Flasche beginnt hell zu leuchten und Licht durchflutet den fensterlosen Raum.

Der Trick mit der Flasche ist einfach: Das Wasser leitet das Tageslicht ins Innere der Hütte, wo es durch die Krümmungen im Plastic in alle Richtungen gestreut wird – hell wie eine 60-Watt-Glühbirne und alles ohne Strom. Das Bleichmittel sorgt dafür, dass sich keine Algen bilden und das Wasser trüben. So bleibt es über Jahre klar.

Illac Diaz hat das gemeinnützige Projekt «Liter of Light» auf den Philippinen ins Leben gerufen. Mit Unterstützung der Philippinischen Regierung hilft er, dank des einfachen Pet-Lichts, den Lebensstandard zu verbessern. Schon tausende dunkle Hütten wurden so erhellt.

Das Projekt in Manila haben sich unter anderen auch einige Studenten der Hochschule St. Gallen zum Vorbild genommen und vor gut einem Jahr ein Schweizer «Liter of Light»-Pendant gegründet, den Verein «Liter of Light Switzerland». Die mittlerweile rund 20 Studenten mehrerer Nationen engagieren sich unter anderem in Kolumbien.

Die Pet-Flasche rettet Leben

Ein weiteres beeindruckendes Projekt mit Pet-Flaschen hat seinen Ursprung in der Schweiz. Die Eawag, das Wasserforschungsinstitut der ETH, griff in den 1990er-Jahren eine Entdeckung libanesischer Forscher auf. Diese hatten herausgefunden, dass Sonnenlicht Wasser entkeimen kann. Dazu wird eine mit Wasser gefüllte Flasche während einiger Stunden im Sonnenlicht liegen gelassen - fertig ist das keimfreie Wasser.

Das Eawag-Forschungsteam klärte die Wirksamkeit dieser Methode wissenschaftlich ab und nahm Anpassungen bezüglich der konkreten Anwendung vor. Die Erkenntnis: 6 Stunden reichen aus, um gefährliche Keime abzutöten und somit Durchfall-Erkrankungen zu verhindern. Die so simple wie geniale Massnahme erhielt den Namen Sodis-Methode (Solar Water Disinfection) und wurde fortan weltweit verbreitet.

Bis heute entkeimen rund 5 Millionen Menschen in zahlreichen Entwicklungsländern rund um den Globus ihr Wasser mit dieser Methode. Allerdings ist das laut Sodis-Mitbegründer Martin Wegelin erst «ein Tropfen auf den heissen Stein». Die Methode soll in den kommenden Jahren deshalb weiter verbreitet werden.

Pet-Flaschen statt teure Ziegelsteine

Leere Plasticflaschen dienen in Entwicklungsländern immer häufiger auch als Baustoff. Die Flaschen werden mit Erde gefüllt und aufeinander gestapelt. Je nach lokalen Gegebenheiten können die «Flaschen-Mauern» zusätzlich mit Mörtel oder Lehm vermauert werden. So entstehen robuste Häuser, die Wind und Wetter trotzen.

Mit den Plasticflaschen-Häusern geht ein wichtiger positiver Nebeneffekt einher: Die Umwelt wird sauberer. Gebrauchte Pet-Flaschen verursachen in Entwicklungsländern ein riesiges Müllproblem. Es gibt weder Pfand noch Recyling. Deshalb türmen sich in Gräben riesige Flaschen-Berge, in Flüssen und im Meer schwimmen ganze Plastic-Teppiche. Da nun aber für ein Haus 5'000 oder mehr Flaschen benötigt werden, beginnen die Leute zu sammeln statt wegzuwerfen.