Lawinengefahr «gross»: Weshalb ging Prinz Friso das Risiko ein?

Prinz Johan Friso ist ein langjähriger und erfahrener Skifahrer. Trotzdem ignorierte er die Lawinen-Warnung. Die Verlockung des Neuschnees abseits der Skipiste war zu gross.

Seit mehr als 40 Jahren verbringt die niederländische Königsfamilie ihren Winterurlaub im noblen österreichischen Skiort Lech am Arlberg. Die drei Söhne von Königin Beatrix standen schon mit Kindesbeinen auf den Brettern.

Frisos Lawinenunfall entsprach nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen dem klassischen Muster: Zusammen mit einem 42-jährigen Einheimischen war der Prinz abseits der Skipisten im freien Gelände unterwegs. Wenn es einige Tage hintereinander schneit, findet sich dort der Traum aller guten Skifahrer: viel Neuschnee für Tiefschneeabfahrten.

Das ist ungemein reizvoll – aber äusserst risikoreich. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschte in Lech Lawinenwarnstufe vier auf der fünfteiligen Skala. Die Lawinengefahr ist demnach «gross». Schon in den Tagen zuvor wurden immer wieder Skifahrer verschüttet. Am Donnerstag tötete eine Lawine zwei Tourengeher. Am Sonntag gruben Retter einen Finnen nach mehr als zwei Stunden aus dem Schnee.

Prinz Johan Friso dank Lawinenpiepser gefunden

Als der Prinz und sein Begleiter in einen kurzen, steilen Hang fahren, lösen sie ein Schneebrett aus. Die obere Schneeschicht auf mehr als 30 Metern Breite und 50 Metern Länge rutscht bergab und reisst die Skifahrer mit. Der Begleiter des Prinzen zündet seinen Lawinen-Airbag im Rucksack. Ein Luftkissen bläht sich auf und hält ihn an der Oberfläche der Schneemassen. Der Prinz wird verschüttet. Bewusstlos liegt er 40 Zentimeter unter der Schneeoberfläche.

Üblicherweise gilt: Lawinenopfer, die in den ersten 15 Minuten gefunden werden, haben halbwegs gute Überlebenschancen. Danach sinken die Chancen wegen des Sauerstoffmangels rapide. Die alarmierten Retter fliegen mit dem Hubschrauber zur Unfallstelle. Weil Prinz Friso einen Lawinenpiepser bei sich trägt, wird er schnell gefunden und ausgegraben. Trotzdem sind 20 Minuten vergangen. Der Prinz muss wiederbelebt werden. Dann fliegt ihn der Hubschrauber ins Krankenhaus.

Johan Frisos Zustand bleibt labil

Der Geschäftsführer der Skilifte Lech, Michael Manhart, kennt das Bergstück: «Es ist eine kurze, steile Böschung.» Allerdings könne man niemanden die Schuld für die Lawine zuweisen.

Eine Prognose zu Prinz Johan Frisos Gesundheitszustand soll es erst Ende der Woche geben. Ein Team von Spezialisten betreut den Prinzen auf der Intensivstation der Uniklinik Innsbruck. Nach Informationen österreichischer Medien erlitt der Prinz wegen des Sauerstoffmangels einen Kreislaufstillstand und liegt jetzt im künstlichen Tiefschlaf.