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Newsletter Expertinnen vors Mikrofon

Mit dem vor gut einem Jahr gestarteten Projekt «chance50:50» will SRF die Sicht- und Hörbarkeit von Expertinnen und Gesprächspartnerinnen vor dem Bildschirm und Mikrofon steigern. «Wir sind auf sehr gutem Weg», bilanziert Projektleiterin Regula Messerli.

Die Biostatistikerin Tanja Stadler erklärt in «Puls» die Entwicklung und Folgen der Corona-Mutationen.
Legende: Die Biostatistikerin Tanja Stadler erklärt in «Puls» die Entwicklung und Folgen der Corona-Mutationen. SRF
  • Claudia Franziska Brühwiler, Amerikanistin und Politikwissenschaftlerin an der Universität St.Gallen, im Studiogespräch bei «10 vor 10»
  • Tanja Stadler, Mathematikerin und Professorin für Biosystems Science und Engineering an der ETH Zürich im Gespräch bei «Puls»
  • Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrums für neu auftretende Viruserkrankungen an der Universität Genf, im Gespräch im «Echo der Zeit»
  • Alexandra Trkola, Virologin an der Universität Zürich und Mitglied der Covid-19-Taskforce im «Tagesgespräch»

Diese Auswahl der Sendungen aus den letzten Wochen und Monaten, in denen Expertinnen bei SRF Analysen und Einschätzungen beispielsweise zur Corona-Pandemie oder zur amerikanischen Politik beitrugen, ist zufällig. Nicht zufällig ist hingegen die Absicht, die hinter den Auftritten steckt. «Leider ist es immer noch eine gesellschaftliche Realität, dass Frauen in leitenden Funktionen unterrepräsentiert und dementsprechend auch medial weniger sichtbar sind», sagt Regula Messerli, Redaktionsleiterin der «Tagesschau». Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, hat SRF im November 2019 das Projekt «chance50:50» lanciert. Der interne Wettbewerb lehnt sich an das «50:50»-Projekt der BBC an und hat zum Ziel, in den Radio- und TV-Sendungen von SRF sowie in der Onlineberichterstattung eine stärkere Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern zu erreichen – bei Gästen sowie Expertinnen und Experten. Zu diesem Zweck sammeln die SRF-Journalistinnen und -Journalisten laufend Namen und Koordinaten geeigneter Frauen zu unterschiedlichen Themen und tragen sie in einer Datenbank ein, auf die dann alle Redaktionen Zugriff haben.

Projekt hilft als Argument bei der Suche
Doch geeignete Expertinnen zu gewinnen, ist nicht immer ein einfaches Unterfangen, weiss Regula Messerli, die das Projekt «chance50:50» leitet, aus eigener Erfahrung: «In der Praxis hat sich gezeigt, dass Frauen sehr hohe Ansprüche an sich selber haben und eher dazu tendieren, journalistische Anfragen auszuschlagen.» Hinzu komme, dass Journalistinnen und Journalisten oft unter Zeitdruck arbeiten würden und froh um eine schnelle Zusage seien. «Die kommt heute tendenziell noch eher von Männern.»

Regula Messerli, Redaktionsleiterin «Tagesschau» und Projektleiterin «chance50:50»
Legende: Regula Messerli, Redaktionsleiterin «Tagesschau» und Projektleiterin «chance50:50» SRF

Eine weitere Schwierigkeit besteht im Umstand, dass es in bestimmten Fachgebieten wie Wirtschaft, Technologie, teilweise Wissenschaft und – wie das vergangene Jahr gezeigt hat – Infektiologie und Epidemiologie einen Überhang an Männern gibt. «Wir versuchen, dem entgegenzutreten, indem wir bei wissenschaftlichen Themen beispielsweise nicht zwingend immer nur Professorinnen für ein Interview anfragen, sondern auch wissenschaftliche Mitarbeiterinnen», erzählt Regula Messerli. Zudem fragen die SRF-Journalistinnen und Journalisten bei den Medienstellen von Hochschulen und Universitäten gezielt nach Frauen als Gesprächspartnerinnen und erkundigen sich bei bekannten Experten nach den Kontakten von Kolleginnen. «Und wir führen unser Projekt als Argument bei der Suche an – wodurch wir schon einige Gesprächspartnerinnen gewinnen konnten.»

Es ist eine Art Kulturwandel, den wir hier in Gang gesetzt haben. Und der braucht Zeit.
Autor: Regula MesserliRedaktionsleiterin «Tagesschau» und Projektleiterin «chance50:50»

Auf gutem Weg
Beim Projekt «chance50:50» geht es jedoch nicht nur darum, mehr Frauen als Gesprächspartnerinnen zu finden. «Es geht um unseren publizistischen Auftrag, allen Gruppen der Bevölkerung eine Stimme zu geben, und darum, ausgewogen zu berichten. Und es geht letztlich um die Qualitätssteigerung unserer Sendungen, nur so können wir auch alle Bevölkerungsgruppen erreichen», betont Laura Köppen, Interimsleiterin der SRF-Abteilung Audience und Mitglied im SRG-Diversity-Board, Link öffnet in einem neuen Fenster.

«Wir sind auf sehr gutem Weg», bilanziert Projektleiterin Regula Messerli nach etwas mehr als einem Jahr und ergänzt: «Es ist eine Art Kulturwandel, den wir hier in Gang gesetzt haben. Und der braucht Zeit.» So werde die Datenbank kontinuierlich ausgebaut. Und die Expertinnen, die bereits als Gesprächspartnerinnen aufgetreten sind, seien auch bereit, erneut aufzutreten. «Mit jedem Auftritt gewinnen sie an Routine und Gewandtheit vor dem Mikrofon und der Kamera.»

«50:50»: 70 Unternehmen weltweit beteiligen sich

Bei SRF beteiligen sich insgesamt 33 Redaktionen am Projekt «chance50:50». Weltweit sind es mittlerweile 70 Unternehmen aus insgesamt 22 Ländern, die das BBC-Projekt mittragen. Erste konkrete Zahlen wird SRF – gemeinsam mit der BBC und den übrigen teilnehmenden Medienhäusern – Ende April 2021 kommunizieren.

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