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Legende: Audio Interview mit Regisseurin Judith Lorentz abspielen. Laufzeit 21:37 Minuten.
Aus Hörspiel vom 12.07.2019.
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Hörspiel Die Unterleutener: Wer ist wer?

Preisgekrönter Roman von Juli Zeh als gelungene Hörspiel-Serie. Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch im Nordwesten Brandenburgs. Felder, Sand und brandenburgischer Himmel, schützenswerte Vogelarten, alteingesessene Bauern und zugezogene Großstädter, Pragmatiker und Naturromantiker. Doch das Idyll trügt.

DIE ZUGEZOGENEN:

Linda Franzen (Tanja Wedhorn) ist gemeinsam mit ihrem Freund Frederik Wachs aus Berlin zugezogen. Linda Franzen ist eine äusserlich sehr bestimmt und kalkulierend auftretende Frau, die gerne als «neue Generation» in Unterleuten herrschen will, sobald die alten Herren – Gombrowski und Kron – abgetreten sind. Ihr oberstes Ziel ist der Ausbau ihrer Pferdefarm, auf dem ihr geliebter Hengst «Bergamotte» ein neues Zuhause finden soll. Der Naturschützer Gerhard Fliess, vereitelt aber aus Naturschutzgründen den Ausbau ihres Stalls. Linda Franzen und Frederik Wachs haben zwei Hektar Land auf der «Schiefen Kuppe», das als Bebauungsland für den Windpark in Betracht kommt.

Frederik Wachs (Moritz Grove) pendelt zwischen Unterleuten und Berlin hin und her. In Unterleuten hat er mit Linda Franzen zusammen Haus und Land erworben. Ihre Beziehung ist aufregend und stark von sexueller Anziehung geprägt. Er nennt Linda liebevoll «mon général», sieht aber immer wieder auch das kleine Mädchen, das um Anerkennung bettelt. Er hat in Berlin eine Firma mit seinem Bruder, die Videospiele entwickelt. Für ihn verwandelt sich Unterleuten immer mehr in eine Szenerie aus einem «David-Lynch-Film» und Lindas taktierendes Verhalten entfremdet ihn von ihr.

Sendezeiten von «Unterleuten»

Ab dem 7. Juli jeweils sonntags nach 17.00 Uhr auf Radio SRF 2 Kultur. Hier geht es zu allen Folgen und Sendezeiten im Überblick.

Jule Fliess-Weiland (Bettina Kurth) ist mit ihrem Ehemann Gerhard Fliess und ihrer sechs Monate alten Tochter Sophie nach Unterleuten gezogen. Eigentlich hat Jule alles, was sie sich wünscht: Haus, Ehemann, Kind, Idylle. Doch sie bleibt in Unterleuten eine Auswärtige. Zumal macht ihr der Nachbar Schaller das Leben schwer. Im Garten verbrennt er ununterbrochen Autoreifen und anderes Zeug, weil Gerhard Fliess ihm den Ausbau seiner Scheune per Gericht untersagen will. Erst als der Windparkplan Unruhe nach Unterleuten bringt, findet Jule Anschluss im Dorf – vor allem zu dem allseits verhassten Rudolf Gombrowski.

Gerhard Fliess (Wolfram Koch) war Dozent für Soziologie, bevor er seine ehemalige Studentin Jule geheiratet hat und mit ihr nach Unterleuten gezogen ist. Jetzt arbeitet er bei der Vogelschutzbehörde. Vor allem die Kampfläufer haben es ihm angetan, deren natürliche Heimat er durch jegliche menschliche Eingriffe in die Natur gefährdet sieht. Deswegen liegt er mit vielen Unterleutenern im rechtlichen Streit, wenn es um Bauvorhaben geht. Er ist strikter Gegner des Windparks. Durch die im Dorf aufbrechenden Konflikte wird er in eine aktive Rolle gedrängt, die er dankbar annimmt; wenn nicht sogar über das Ziel hinausschiesst. Verschwörungstheorien und gewaltsamer Aktivismus werden sein Credo – und entfremden ihn damit immer mehr von seiner Frau und einer gemässigten Weltsicht.

DIE ALTEINGESESSENEN:

Hilde Kessler (Swetlana Schönfeld) ist die Witwe des vor 20 Jahren verunglückten Erik Kessler (er wurde in einer Gewitternacht von einem herabfallenden Ast erschlagen). Seitdem hat Hilde Kessler sich vollkommen zurückgezogen und geht nicht mehr aus dem Haus. Gesellschaft leisten ihr allein ihre Katzen, die sie hingebungsvoll aufnimmt und pflegt. Und einmal die Woche trifft sie sich mit ihrem Nachbarn Rudolf Gombrowski am Gartenzaun und plaudert.

Rudolf Gombrowski (Hilmar Eichhorn) ist der «König des Dorfes» und Chef des landwirtschaftlichen Betriebes «Ökologica GmbH», der aus dem ehemaligen LPG-Betrieb «Gute Hoffnung» hervorgegangen ist. Gombrowski stammt aus einer Gutsbesitzerfamilie und musste als Kind miterleben, wie der Besitz seiner Familie von marodierenden Dorfbewohnern in Brand gesteckt wurde. Nach der Wende hat Gombrowski den ehemaligen LPG-Betrieb gegen den Widerstand der halben Dorfbevölkerung in eine GmbH umgewandelt und ist nun der wichtigste Arbeitgeber des Dorfes.

Nach aussen gilt Gombrowski als einflussreicher Geschäftsmann; insgeheim fürchtet er aber den Konkurs seiner Firma, die sein Lebenswerk ist. Mit den Pachteinnahmen aus dem Windpark hofft Gombrowski, sich zu sanieren. Er besitzt geeignetes Land auf der «Schiefen Kappe». Es fehlen ihm nur 2 Hektar, die er von Linda Franzen zu erwerben versucht.

Privat lebt er mit seiner Frau Elena zusammen. Tochter Püppi ist weggezogen. Doch die Ehe der Gombrowskis ist durch einige Krisen zerrüttet. Seine einzige Vertraute ist Hilde Kessler.

So wie Hilde ihre Katzen liebt, liebt Gombrowski seinen grossen Mastiff.

Elena Gombrowski (Ulrike Krumbiegel) ist die Ehefrau von Rudolf Gombrowski. Ihre Leben haben wenig miteinander zu tun. Elena hasst ihre Nachbarin Hilde Kessler, weil die ihrem Mann näher steht als sie selbst.

Arne Seidel (Martin Seifert) ist der Bürgermeister von Unterleuten und gilt als klarer Gombrowski-Anhänger. Fakt ist, dass Gombrowski Arne Seidel nach der Wende als Bürgermeister installiert hat, nachdem dessen DDR-Abschluss von der neuen BRD-Regierung nicht anerkannt wurde. Arne Seidel bemüht sich, der beste Bürgermeister von Unterleuten zu sein. Seine Ehe ist kinderlos geblieben und seine Frau zu früh an Krebs verstorben. Sie hatten sich früher hingebungsvoll um das Nachbarskind Kathrin Kron gekümmert. Mit Gombrowski spielt er regelmässig Skat und bespricht mit ihm auch sonst wichtige Anliegen der Gemeinde öfter unter vier Augen.

Betty Kessler (Jördis Triebel) ist die Tochter von Hilde und Erik Kessler und arbeitet für Gombrowski in der «Ökologica».

Bodo Schaller (Axel Prahl) besitzt eine Auto- und Reparaturwerkstatt. Er gilt als Handlanger von Gombrowski und wird von dessen Feinden u.a. auch «die Müllratte» genannt. Wahr ist, dass Gombrowksi ihm vor Jahren sein Haus geschenkt hat. Bodo Schaller lebt schon lange in Unterleuten; fühlt sich aber dennoch als ewiger Aussenseiter. Doch auch mit den neu Zugezogenen hat er keinen guten Kontakt. Mit seinen Nachbarn Fliess liegt er im Streit, weil sie seinen Plan vereitelt haben, seine Scheune umzubauen. Bodo Schaller hatte vor Jahren einen schweren Motorrad-Unfall mit Genickbruch und Gedächtnisverlust, über den es im Dorf Gerüchte gibt. Gombrowski soll den Unfall arrangiert haben, weil Schaller nicht mehr nach seiner Pfeife tanzen wollte. Schallers Tochter Miriam bittet ihn immer wieder inständig, jeden Kontakt zu Gombrowski abzubrechen.

Kron (Jaecki Schwarz) ist der Widersacher von Gombrowski in Unterleuten. Ihre Feindschaft reicht weit in die Vergangenheit zurück. Sieben Jahre älter als Rudolf Gombrowski, war Kron damals bei dem Überfall auf Gombrowskis Elternhaus dabei. Später war er erbitterter Gegner von Gombrowskis Plan, den LPG-Betrieb in eine GmbH umwandeln zu wollen. Zusammen mit Erik Kessler wollte er dieses Vorhaben vereiteln. Doch daraus wurde nichts, nachdem Erik Kessler ums Leben kam. Im Wald hatte Kron einen «Unfall» und hinkt seitdem. Später hat ihm Rudolf Gombrowski eben diesen Wald geschenkt.

Kron war der erste alleinerziehende Vater in Unterleuten, nachdem seine Frau allein aus der DDR geflüchtet war. Seine Tochter Katrin lebt ebenfalls in Unterleuten.

Kathrin Kron-Hübschke (Winnie Böwe) ist die Tochter von Kron. Mit sechzehn wollte sie aus Unterleuten weg und zog zu ihrer Mutter nach Düsseldorf – auch, um dem ewigen Zwist zwischen ihrem Vater und Gombrowski zu entkommen. Inzwischen ist sie ins Dorf zurückgekehrt und lebt mit ihrem Mann Wolfi, der Schriftsteller ist, wieder in Unterleuten. Sie hat eine kleine Tochter, die von alle nur Krönchen genannt wird und von ihrem Opa abgöttisch geliebt wird.

DER VON AUSSEN:

Konrad Meiler (Udo Wachtveitl) ist die «Heuschrecke» aus Ingolstadt. Der Investor hat vor einigen Jahren Land bei Unterleuten gekauft, ohne einen konkreten Verwendungszweck dafür zu haben. Einen Teil dieses Landes wollte auch Kron erwerben, musste aber bei der Versteigerung den Kürzeren ziehen. Nun eignet sich ein Teil von Meilers Land auf der «Schiefen Kappe» für den Bau des Windparks. Ihm fehlen dafür nur die zwei Hektar, die Linda Franzen gehören. Meiler ist anfangs am Windpark wenig interessiert, doch dann will er das Projekt an Land ziehen, um seinem drogensüchtigen Sohn aus der Pacht ein gesichertes Einkommen zu verschaffen. Da Linda Franzen vier andere Hektar Land von ihm erwerben will, die genau neben ihrem Grundstück liegen, hofft er auf ein Tauschgeschäft.