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Nicht jede Schnecke frisst den Salat im Gartenbeet
Aus Biodiversität vom 03.06.2019.
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Mission B Der Schneckenflüsterer

Peter Müller hat in seinem Garten ein wahres Paradies für Schnecken angelegt. Besonders gefährdete Arten leben hier. Direkt vor der Haustür will der Biologe erforschen, wie man diese Seltenheiten im Siedlungsraum fördern kann.

Peter Müller
Legende: Der Biologe Peter Müller erforscht, wie man seltene Schneckenarten im Siedlungsraum fördern kann. SRF

Besonders bei Regen ist im Garten von Peter Müller Vorsicht geboten. Man muss aufpassen, dass man auf keine Schnecke tritt. Zu Hunderten kriechen sie auf Steinen und Pflanzen herum. Sorgen um seine Pflanzen muss er sich jedoch nicht. «Sie fressen keine frischen Pflanzen, sondern nur abgestorbenes Pflanzenmaterial.»

Am auffälligsten ist die Zebraschnecke, auch Weisse Turmschnecke genannt. Diese gefährdete Schneckenart hat ihren Namen wegen ihres turmförmigen Häuschens mit Zebramuster. Ihr Lebensraum sind die Trockenwiesen und Weiden. Sie sind in der Schweiz selten geworden und damit auch sie selbst.

zebraschnecke
Legende: Einige Schneckenarten wie die Zebraschnecke ernähren sich gerne von abgestorbenem Pflanzenmaterial. SRF

In seinem Garten an der Witikonerstrasse in Zürich ahmt Schneckenspezialist Peter Müller nun diesen Lebensraum nach. Den aus seiner Sicht unnützen Rasen hat er kurzerhand in eine Landschaft mit vielen Sand- und Kiesflächen und den dazu passenden Pflanzen umgewandelt. «Wichtig ist, dass der Standort sonnig ist und es braucht offene Stellen mit Sand, wo sich die Schnecken eingraben können.»

Neben den Zebraschnecken, leben im Garten von Peter Müller noch zwei weitere Arten der Roten Liste der gefährdeten Arten, die Zwergheideschnecke und die Wulstige Kornschnecke, die er alle hier angesiedelt hat. «Es funktioniert sehr gut. Alle drei Arten konnten sich etablieren und sie pflanzen sich fort.»

Garten
Legende: Der Schnecken-Garten von Biologe Peter Müller beherbergt besonders seltene Arten. SRF

Aber das kleine Schnecken-Paradies ist in Gefahr. Peter Müller ist hier nur Mieter und zieht bald um. Er hat sich beim Umbau des Gartens verpflichtet, diesen bei seinem Wegzug wieder in den ursprünglichen Zustand zurück zu bringen. Also in einen Rasen. «Sollte es tatsächlich keine andere Lösung geben, werde ich die Schnecken einsammeln und an geeigneten Orten wieder ansiedeln.»

Auf die Frage, ob man sich bei ihm melden könne, wenn man den Schnecken ein neues Zuhause bieten wolle, antwortet er ohne lange nachzudenken: «Klar, wenn die Fläche gross genug ist und sonnenexponiert, warum nicht?» Zusammen mit dem Verein Hot Spots, der sich dem Erhalt und der Aufwertung seltener Kulturlandschaften verschrieben hat, ist er momentan auf der Suche nach geeigneten Flächen in der Stadt Zürich, auf denen seltene Schneckenarten angesiedelt werden können.

So sehr sich Peter Müller für Schnecken interessiert, so wenig hält er von deren Bekämpfung. Doch was tun, wenn man seinen frisch gepflanzten Salat schützen will? Peter Müller lacht: «Darum habe ich keinen Salat.» Weiter meint er: «Man kann einen Schneckenzaun um das Gemüsebeet ziehen und die Schnecken absammeln.» Von Schneckenkörnern im Garten hält er gar nichts. Diese seien nicht nur für die Nacktschnecken giftig, die es auf den Salat abgesehen haben: «Auch Häusschenschnecken wie Bänder- und Weinbergschnecken fressen die Körner und sterben, obwohl sie hauptsächlich abgestorbene Pflanzenteile fressen.»

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